Leistungen der sozialen Teilhabe auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze?

BTHG-Kompass Neu

Eingliederungshilfe - Gesetzliche Pflegeversicherung - Hilfe zur Pflege

Hier finden Sie Antworten auf Fragen zur Abgrenzung und Kombination der Leistungen der Eingliederungshilfe und der Gesetzlichen Pflegeversicherung (SGB XI) und der HIlfe zur Pflege (SGB XII, Siebtes Kapitel).

Leistungen der sozialen Teilhabe auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze?

Unter welchen Bedingungen können Leistungen der sozialen Teilhabe auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze von Menschen mit Behinderung geltend gemacht werden? Hier besonders von Relevanz, wenn zeitgleich Pflegeleistungen vorliegen.

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© Prof. Dr. Arne von Boetticher

Prof. Dr. Arne von Boetticher

Leistungen der sozialen Teilhabe sind nicht altersgebunden

Leistungen der sozialen Teilhabe sind nicht altersgebunden, müssen also auch im Rentenalter erbracht werden, wenn die soziale Teilhabe aufgrund der Wechselwirkungen einer individuellen, nicht alterstypischen Beeinträchtigung mit einstellungs- oder umweltbedingten Barrieren behindert wird.

Bei gleichzeitiger Pflegebedürftigkeit ist zu beachten, dass Leistungen der Eingliederungshilfe und Pflegeleistungen gleichrangig sind, also nicht vorrangig auf Pflegeleistung verwiesen werden darf (§ 91 Abs. 3 SGB IX in Verbindung mit § 13 Abs. 3 SGB XI). Leistungen der Eingliederungshilfe und solche der Pflege haben unterschiedliche Aufgaben: „Aufgabe der Eingliederungshilfe ist die Förderung der vollen, wirksamen und gleichberechtigten Teilhabe am Leben in der Gesellschaft. Aufgabe der Pflege ist die Kompensation von gesundheitlich bedingten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten“ (Bundestags-Drucksache Nr. 18/10523, S. 59). Allerdings ergeben sich insbesondere bei Leistungen im häuslichen Umfeld Schnittstellen und damit einhergehende Abgrenzungsschwierigkeiten zwischen Leistungen der Pflege und insbesondere den Leistungen der einfachen Assistenz zur Übernahme von Handlungen und Begleitung. Diesbezüglich ist bei der Antragstellung und im Gesamtplanverfahren von Bedeutung, dass die leistungsberechtigte Person deutlich machen sollte, ob und inwieweit es bei ihrem Bedarf um das Erreichen von Teilhabezielen insbesondere i.S.v. § 90 Abs. 1 und Abs. 5 i.V.m. 78 Abs. 1 SGB IX geht oder „nur“ um den Ausgleich verlorener Selbstständigkeit bzw. Fähigkeiten in den in § 14 Abs. 2 SGB XI genannten Bereichen.

Sofern der Träger der Eingliederungshilfe für die Leistungen zur Sozialen Teilhabe zuständig ist, ist dieser im Grundsatz auch verantwortlich für die Pflege-Leistungen (Details s. von Boetticher (2020): 305ff.), damit so die persönlichen Dienstleistungen koordiniert aus einer Hand erfolgen. Eine Ausnahme gilt diesbezüglich beim Zusammentreffen der Eingliederungshilfe mit der Hilfe zur häuslichen Pflege nach dem 7. Kapitel des SGB XII. Gemäß § 103 Abs. 2 SGB IX ist die häusliche Pflege nur dann integraler Bestandteil der Eingliederungshilfe, wenn

1. die im Gesamtplan (§ 121 SGB IX) formulierten Teilhabeziele erreichbar sind und

2. die leistungsberechtigte Person bereits vor Vollendung des Lebensjahres der Regelaltersgrenze Leistungen der Eingliederungshilfe erhalten hat (sog. Lebenslagenmodell).

Ist eine der beiden Voraussetzungen nicht erfüllt, ist die häusliche Pflege nicht von der Eingliederungshilfe umfasst. Das hat zum einen die Konsequenz, dass die Leistungen von unterschiedlichen Trägern gewährt und von unterschiedlichen Dienstleistern erbracht werden. Zum anderen führt das dazu, dass für die Pflegeleistungen bezüglich der Anrechnung eigenen Einkommens und Vermögens die strengeren Regelungen des Sozialhilferechts (§§ 82 ff. SGB XII) zur Anwendung kommen.

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