﻿WEBVTT

00:00:00.000 --> 00:00:00.320 align:start position:10% line:-11


00:00:01.480 --> 00:00:06.200 align:center line:-2
(Dehmel) Ja, ein herzliches Willkommen
zum heutigen Webinar des Projekts

00:00:06.360 --> 00:00:09.160 align:center line:-2
"Umsetzungsbegleitung
Bundesteilhabegesetz".

00:00:09.320 --> 00:00:11.040 align:center line:-1
Mein Name ist Matthias Dehmel.

00:00:11.200 --> 00:00:14.680 align:center line:-2
Ich bin wissenschaftlicher Referent
und darf Sie zum Webinar

00:00:14.840 --> 00:00:17.240 align:center line:-2
"Die Schnittstelle
der Eingliederungshilfe

00:00:17.400 --> 00:00:20.640 align:center line:-2
mit der Kinder- und Jugendhilfe"
begrüßen.

00:00:21.400 --> 00:00:25.840 align:center line:-1
Mit dem heutigen Webinar beginnen wir,

00:00:26.000 --> 00:00:29.160 align:center line:-2
uns die einzelnen Schnittstellen
genauer anzuschauen.

00:00:29.320 --> 00:00:31.040 align:center line:-1
Genauer gesagt beschäftigen wir uns

00:00:31.200 --> 00:00:33.760 align:center line:-2
mit der Schnittstelle
der Eingliederungshilfe

00:00:33.920 --> 00:00:36.280 align:center line:-1
mit der Kinder- und Jugendhilfe.

00:00:37.160 --> 00:00:41.880 align:center line:-2
Als Referent und Austauschpartner
begrüßen wir heute Max Rössel.

00:00:42.040 --> 00:00:47.800 align:center line:-2
Er ist Jurist beim "Deutschen Verein für
öffentliche und private Fürsorge e.V."

00:00:47.960 --> 00:00:53.960 align:center line:-2
und arbeitet dort im Arbeitsfeld
Kindheit, Jugend, Familie und Alter.

00:00:54.200 --> 00:00:59.880 align:center line:-2
Dann gebe ich Max Rössel
das Zepter und das Wort

00:01:00.640 --> 00:01:05.000 align:center line:-2
und freue mich auf das Webinar
und den Austausch mit Ihnen.

00:01:06.160 --> 00:01:08.640 align:center line:-1
(Rössel) Ja. Danke schön, Herr Dehmel.

00:01:08.800 --> 00:01:11.720 align:center line:-2
Ich stelle mich noch mal vor.
Mein Name ist Max Rössel.

00:01:11.880 --> 00:01:13.680 align:center line:-1
Ich bin wissenschaftlicher Referent

00:01:13.840 --> 00:01:17.240 align:center line:-2
im "Deutschen Verein
für öffentliche und private Fürsorge"

00:01:17.400 --> 00:01:21.440 align:center line:-2
und bin dort zuständig
für Grundsatzfragen und Praxisprobleme

00:01:21.600 --> 00:01:23.160 align:center line:-1
der Kinder- und Jugendhilfe

00:01:23.320 --> 00:01:26.120 align:center line:-2
und die Auswirkungen
des Bundesteilhabegesetzes

00:01:26.280 --> 00:01:28.040 align:center line:-1
auf die Kinder- und Jugendhilfe,

00:01:28.200 --> 00:01:29.200 align:center line:-1
weshalb ich auch viel

00:01:29.360 --> 00:01:32.880 align:center line:-2
mit den Eingliederungshilfeleistungen
der Jugendhilfe zu tun habe.

00:01:33.040 --> 00:01:36.920 align:center line:-2
Und, ja, in unserem Workshop
soll es um die Schnittstelle

00:01:37.080 --> 00:01:41.400 align:center line:-2
der Eingliederungshilfe
zur Kinder- und Jugendhilfe gehen.

00:01:42.920 --> 00:01:48.560 align:center line:-2
So, dann habe ich hier
eine kleine Gliederung vorangestellt.

00:01:49.240 --> 00:01:51.600 align:center line:-2
Als kleines Vorwort
möchte ich noch sagen,

00:01:51.760 --> 00:01:54.120 align:center line:-2
dass das Thema
natürlich recht umfassend...

00:01:54.280 --> 00:01:57.920 align:center line:-2
Und ich musste hier
relativ klare Schwerpunkte setzen.

00:01:58.080 --> 00:02:01.720 align:center line:-2
Das heißt, dass das ein oder andere
hinten runtergefallen ist,

00:02:01.880 --> 00:02:04.000 align:center line:-2
was den ein oder anderen
interessiert hätte.

00:02:04.160 --> 00:02:08.760 align:center line:-2
Aber ich denke, ich habe die wichtigsten
Punkte eben mit rein genommen. Und, ja.

00:02:08.920 --> 00:02:12.600 align:center line:-2
Es soll wie folgt ablaufen:
Ich mache eine knappe Einführung.

00:02:12.760 --> 00:02:15.080 align:center line:-1
Da will ich eine kurze...

00:02:15.800 --> 00:02:17.840 align:center line:-1
also, ein paar einleitende Worte

00:02:18.000 --> 00:02:22.480 align:center line:-2
zur Jugendhilfe
als Rehabilitationsleistungssystem

00:02:23.000 --> 00:02:27.920 align:center line:-2
und zwei Übersichten dazu, wie
das SGB IX heute aufgebaut ist, geben.

00:02:28.080 --> 00:02:31.440 align:center line:-1
Und wie die...

00:02:31.600 --> 00:02:35.480 align:center line:-2
wie der Verfahrensablauf
bei den Rehabilitationsleistungen ist.

00:02:35.640 --> 00:02:38.040 align:center line:-1
Also, der zeitliche Ablauf im Verfahren.

00:02:38.200 --> 00:02:41.160 align:center line:-2
Das Bild werde ich später
noch ein paar Mal einblenden,

00:02:41.320 --> 00:02:43.280 align:center line:-1
damit man jeweils sich verorten kann,

00:02:43.440 --> 00:02:46.000 align:center line:-2
bei den Informationen,
die später kommen.

00:02:46.160 --> 00:02:48.240 align:center line:-1
Dann, im Punkt B,

00:02:48.400 --> 00:02:50.480 align:center line:-2
geht es
um die Eingliederungshilfeleistungen

00:02:50.640 --> 00:02:52.480 align:center line:-1
der Kinder- und Jugendhilfe.

00:02:52.640 --> 00:02:56.640 align:center line:-2
Es ist für Leute aus einem
anderen Leistungssystem interessant.

00:02:56.800 --> 00:02:59.280 align:center line:-2
Also aus
der SGB-IX-Eingliederungshilfe.

00:02:59.440 --> 00:03:05.160 align:center line:-2
Oder vielleicht hören ja auch Menschen
aus anderen Leistungssystemen zu,

00:03:05.680 --> 00:03:08.080 align:center line:-1
die mit der Kinder- und Jugendhilfe

00:03:08.240 --> 00:03:11.640 align:center line:-2
oder der SGB-IX-Eingliederungshilfe
kooperieren müssen.

00:03:11.800 --> 00:03:15.400 align:center line:-2
Daher möchte ich jetzt im Punkt B
Grundwissen vermitteln

00:03:15.560 --> 00:03:20.080 align:center line:-2
über die Teilhabe oder Reha-Leistungen
der Kinder- und Jugendhilfe.

00:03:20.240 --> 00:03:23.000 align:center line:-2
Dann wird es in Punkt C
um das Verhältnis

00:03:23.160 --> 00:03:26.040 align:center line:-2
der Eingliederungshilfesysteme
zueinander gehen.

00:03:26.200 --> 00:03:29.360 align:center line:-2
Also, das heißt,
die SGB-IX-Eingliederungshilfe

00:03:29.520 --> 00:03:31.600 align:center line:-1
und die SGB-VIII-Eingliederungshilfe.

00:03:31.760 --> 00:03:33.160 align:center line:-1
Wie stehen die zueinander?

00:03:33.320 --> 00:03:35.720 align:center line:-2
Die haben
ein Vorrang-Nachrang-Verhältnis,

00:03:35.880 --> 00:03:37.120 align:center line:-1
was kompliziert ist.

00:03:37.280 --> 00:03:40.680 align:center line:-2
Da werde ich dann später
im Detail noch drauf eingehen.

00:03:40.840 --> 00:03:41.840 align:center line:-1
Und...

00:03:43.240 --> 00:03:47.680 align:center line:-2
Dann wird es im Punkt D um
die Koordinierung der Leistungen gehen.

00:03:47.840 --> 00:03:51.000 align:center line:-2
Es ist jetzt im zeitlichen Rahmen
leider nicht möglich,

00:03:51.160 --> 00:03:54.840 align:center line:-2
noch die ganzen Verfahrensvorschriften
im Detail zu erklären.

00:03:55.000 --> 00:03:59.320 align:center line:-2
Deswegen werde ich mich darauf
beschränken, ein bisschen was zu sagen,

00:03:59.480 --> 00:04:03.320 align:center line:-2
zur Zuständigkeitsprüfung
des leistenden Reha-Trägers, einmal.

00:04:03.480 --> 00:04:08.040 align:center line:-2
Zu typischen Berührungspunkten
bei verfahrensrechtlichen Vorschriften.

00:04:08.200 --> 00:04:09.760 align:center line:-1
Berührungspunkte, bei denen sich

00:04:09.920 --> 00:04:13.240 align:center line:-2
die beiden Eingliederungshilfesysteme
eben näherkommen

00:04:13.400 --> 00:04:15.360 align:center line:-1
oder miteinander kooperieren müssen.

00:04:15.520 --> 00:04:18.040 align:center line:-1
Und, ja. Genau.

00:04:18.200 --> 00:04:23.280 align:center line:-2
Dann steigen wir gleich mal
mit der Einführung ein.

00:04:23.440 --> 00:04:27.560 align:center line:-2
Die Jugendämter oder die Träger
der öffentlichen Jugendbehörden

00:04:27.720 --> 00:04:31.040 align:center line:-2
sind bereits
seit 2001 Rehabilitationsträger.

00:04:31.200 --> 00:04:34.240 align:center line:-1
Nämlich seit Inkrafttreten des SGB IX.

00:04:34.400 --> 00:04:38.280 align:center line:-2
Und zwar dann immer dann,
wenn sie Teilhabeleistungen

00:04:38.440 --> 00:04:41.120 align:center line:-2
oder Rehabilitationsleistungen
erbringen.

00:04:41.280 --> 00:04:45.560 align:center line:-2
Im SGB VIII ist das vor allem
der § 35a SGB VIII,

00:04:45.720 --> 00:04:48.320 align:center line:-2
den ich nachher noch
im Detail beleuchten werde.

00:04:48.480 --> 00:04:52.880 align:center line:-2
Und die Jugendhilfe, kann man sagen,
ist wie viele Reha-Träger eben

00:04:53.040 --> 00:04:56.280 align:center line:-2
mit der Umsetzung
des Bundesteilhabegesetzes im Verzug.

00:04:56.440 --> 00:05:00.320 align:center line:-2
Wobei man sagen muss, dass da
zuletzt Fortschritte gemacht wurden.

00:05:00.480 --> 00:05:04.360 align:center line:-2
Und ich hoffe, dass auch
dieses Webinar ein Beitrag ist,

00:05:04.520 --> 00:05:07.120 align:center line:-2
voranzuschreiten,
die Regelungen umzusetzen.

00:05:07.280 --> 00:05:10.120 align:center line:-2
Und eben
zu einer gelingenden Kooperation

00:05:10.280 --> 00:05:14.040 align:center line:-2
der verschiedenen Leistungssysteme
zu kommen.

00:05:14.280 --> 00:05:20.080 align:center line:-2
So, dann die erste Überschrift,
Übersicht, Entschuldigung, zum SGB IX.

00:05:20.240 --> 00:05:21.440 align:center line:-1
Ich wollte einfach noch mal,

00:05:21.600 --> 00:05:25.160 align:center line:-2
damit man die späteren Ausführungen
besser einordnen kann,

00:05:25.320 --> 00:05:29.520 align:center line:-2
den Aufbau, den heutigen Aufbau,
des SGB IX darstellen.

00:05:29.680 --> 00:05:33.720 align:center line:-2
Stand 2020
besteht das SGB IX aus drei Teilen.

00:05:33.880 --> 00:05:36.960 align:center line:-2
Rechts, der dritte Teil,
den habe ich grau hinterlegt.

00:05:37.120 --> 00:05:42.520 align:center line:-2
Das ist das Schwerbehindertenrecht.
Das wird uns heute nicht interessieren.

00:05:42.680 --> 00:05:45.080 align:center line:-2
Wir fokussieren uns
auf Teil eins und zwei.

00:05:45.240 --> 00:05:50.080 align:center line:-2
In Teil eins findet man die allgemeinen
Regelungen des Rehabilitationsrechts.

00:05:50.240 --> 00:05:55.200 align:center line:-2
Die wurden durch die zweite Reformstufe
des Bundesteilhabegesetzes reformiert.

00:05:55.360 --> 00:05:58.000 align:center line:-2
Es geht um
verfahrensrechtliche Vorschriften.

00:05:58.160 --> 00:06:01.720 align:center line:-2
Insbesondere, Stichwort
"Leistungen wie aus einer Hand".

00:06:01.880 --> 00:06:04.200 align:center line:-2
Ein leistender Reha-Träger
ist zu bestimmen,

00:06:04.360 --> 00:06:06.120 align:center line:-1
jetzt, in knappen Fristen.

00:06:06.280 --> 00:06:10.400 align:center line:-2
Und da fallen Vorschriften drunter,
wie der § 13,

00:06:10.560 --> 00:06:12.440 align:center line:-1
über Bedarfsermittlungsinstrumente

00:06:12.600 --> 00:06:15.360 align:center line:-2
oder frühzeitige Bedarfserkennung
und so weiter.

00:06:15.520 --> 00:06:18.320 align:center line:-2
Ich gehe davon aus,
da haben Sie schon was von gehört.

00:06:18.480 --> 00:06:22.120 align:center line:-2
Dann ist heute noch für uns interessant,
der Teil zwei des SGB IX.

00:06:22.280 --> 00:06:26.480 align:center line:-2
Nämlich, zum 01. Januar ist das
frühere SGB-XII-Eingliederungshilferecht

00:06:26.640 --> 00:06:28.400 align:center line:-1
dahin gewandert.

00:06:28.560 --> 00:06:32.360 align:center line:-2
Es ist jetzt dort
in den §§ 90 bis 150 verortet.

00:06:32.520 --> 00:06:34.760 align:center line:-1
Das ist für die Jugendhilfe interessant,

00:06:34.920 --> 00:06:40.320 align:center line:-2
weil die Rechtsfolgen der Jugendhilfe
sich jetzt bezüglich der 35a-Leistungen

00:06:40.480 --> 00:06:43.160 align:center line:-2
eben nach dem Teil zwei
des SGB IX auch richten.

00:06:43.320 --> 00:06:45.880 align:center line:-1
Da kommen wir später dann noch dazu.

00:06:46.120 --> 00:06:51.320 align:center line:-2
Hier ein Überblick über den zeitlichen
Ablauf des Rehabilitationsverfahrens.

00:06:51.480 --> 00:06:55.560 align:center line:-2
Das beginnt eben ganz oben
mit der frühzeitigen Bedarfserkennung.

00:06:55.720 --> 00:06:59.360 align:center line:-2
Das heißt, ein Rehabilitationsträger
erhält Kenntnis

00:07:00.600 --> 00:07:03.760 align:center line:-2
über einen bestehenden
behinderungsbedingten Bedarf.

00:07:03.920 --> 00:07:05.880 align:center line:-1
Dann, dass ein Antrag erforderlich ist.

00:07:06.040 --> 00:07:10.680 align:center line:-2
Das ist bei der Jugendhilfe und bei
der SGB-IX-Eingliederungshilfe der Fall.

00:07:10.840 --> 00:07:13.800 align:center line:-2
Dann muss derjenige Reha-Träger
auf einen Antrag...

00:07:13.960 --> 00:07:16.280 align:center line:-1
auf eine Antragsstellung hinwirken.

00:07:16.920 --> 00:07:21.280 align:center line:-1
Und dann geht es im zweiten Schritt

00:07:21.440 --> 00:07:24.400 align:center line:-2
um die Bestimmungen
des leistenden Reha-Trägers

00:07:24.560 --> 00:07:25.840 align:center line:-1
nach § 14.

00:07:26.000 --> 00:07:28.400 align:center line:-2
Der leistende Reha-Träger hat,
wie Sie wissen,

00:07:28.560 --> 00:07:31.360 align:center line:-2
die Leistungs- und
Koordinierungsverantwortung.

00:07:31.520 --> 00:07:35.520 align:center line:-2
Und hat dann im weiteren Verfahren
eine ganz zentrale Rolle.

00:07:35.680 --> 00:07:37.920 align:center line:-1
Und sobald der dann bestimmt ist,

00:07:38.080 --> 00:07:41.120 align:center line:-2
geht es in die Phase
der Bedarfsfeststellung.

00:07:41.280 --> 00:07:45.080 align:center line:-2
Im Zusammenhang
mit der Bedarfsfeststellung nach § 13

00:07:45.240 --> 00:07:49.040 align:center line:-2
sind gegebenenfalls bei der Jugendhilfe
ein Hilfeplanverfahren

00:07:49.200 --> 00:07:54.440 align:center line:-2
und bei der SGB-IX-Eingliederungshilfe
ein Gesamtplanverfahren durchzuführen.

00:07:54.600 --> 00:07:56.920 align:center line:-2
Die Planverfahren
sind nicht zu verwechseln

00:07:57.080 --> 00:07:59.240 align:center line:-1
mit Bedarfsfeststellungsinstrumenten.

00:07:59.400 --> 00:08:02.880 align:center line:-2
Die Bedarfsfeststellungsinstrumente
kommen zur Anwendung

00:08:03.040 --> 00:08:04.600 align:center line:-1
innerhalb dieser Planverfahren.

00:08:04.760 --> 00:08:07.560 align:center line:-2
Gegebenenfalls ist
zur Koordinierung der Leistung

00:08:07.720 --> 00:08:10.200 align:center line:-2
ein Teilhabeplanverfahren
durchzuführen.

00:08:10.360 --> 00:08:13.080 align:center line:-2
Wenn die Bedarfsfeststellung
abgeschlossen ist,

00:08:13.240 --> 00:08:14.760 align:center line:-1
ergeht ein Leistungsbescheid.

00:08:14.920 --> 00:08:18.320 align:center line:-2
Und danach kommt es dann
zur Stufe der Leistungserbringung.

00:08:20.160 --> 00:08:22.800 align:center line:-2
Typischerweise im Anschluss
kann es dazu kommen,

00:08:22.960 --> 00:08:26.960 align:center line:-2
dass ein Kostenerstattungsverfahren
geltend gemacht wird.

00:08:27.120 --> 00:08:29.480 align:center line:-1
Das heißt, dass es in den Fällen,

00:08:29.640 --> 00:08:31.600 align:center line:-1
in denen ein leistender Reha-Träger

00:08:31.760 --> 00:08:34.280 align:center line:-2
eine Zuständigkeit
aufgedrängt bekommen hat...

00:08:35.400 --> 00:08:37.640 align:center line:-2
Das heißt,
er musste Leistungen erbringen,

00:08:37.800 --> 00:08:41.200 align:center line:-2
für die er nach seinem Leistungsgesetz
nicht zuständig war.

00:08:41.360 --> 00:08:43.480 align:center line:-1
Musste da gegebenenfalls Kosten tragen.

00:08:43.640 --> 00:08:46.120 align:center line:-2
Dann kann er sich im Nachgang,
unter Umständen,

00:08:46.280 --> 00:08:50.720 align:center line:-2
nach den da abgedruckten Vorschriften
eben schadlos halten

00:08:50.880 --> 00:08:55.160 align:center line:-2
und von dem zuständigen Träger
die Kostenerstattung verlangen.

00:08:55.320 --> 00:08:59.400 align:center line:-2
So, damit sind wir
mit der Einleitung auch schon durch.

00:08:59.560 --> 00:09:02.840 align:center line:-2
Und jetzt soll es
um die Eingliederungshilfeleistungen

00:09:03.000 --> 00:09:04.640 align:center line:-1
der Kinder- und Jugendhilfe gehen.

00:09:04.800 --> 00:09:06.760 align:center line:-1
Eine kurze Zusammenfassung davon:

00:09:06.920 --> 00:09:10.320 align:center line:-2
Welche Reha-Leistungen
erbringt die Jugendhilfe?

00:09:10.480 --> 00:09:15.120 align:center line:-2
Ich habe eine Kurzfassung von dem,
was ich ausführen werde, vorangestellt.

00:09:15.280 --> 00:09:18.880 align:center line:-2
Es soll in Punkt eins
um die zentrale Eingliederungshilfe

00:09:19.040 --> 00:09:22.280 align:center line:-2
im Rahmen des SGB VIII gehen,
den § 35a.

00:09:23.560 --> 00:09:27.640 align:center line:-2
Dann, in Punkt zwei,
wird es um Eingliederungshilfeleistungen

00:09:27.800 --> 00:09:29.320 align:center line:-1
für junge Volljährige gehen.

00:09:29.960 --> 00:09:31.840 align:center line:-1
Junge Volljährige, zur Erinnerung...

00:09:32.000 --> 00:09:34.200 align:center line:-2
ich habe es unten
auf der Folie abgedruckt.

00:09:34.360 --> 00:09:38.480 align:center line:-2
Junger Volljähriger ist, wer 18,
aber noch nicht 27 Jahre alt ist.

00:09:38.640 --> 00:09:41.160 align:center line:-2
Das ist die Definition des Gesetzes.
Ja. Genau.

00:09:41.320 --> 00:09:45.120 align:center line:-2
Mit Erreichen der Volljährigkeit
kommen Voraussetzungen hinzu,

00:09:45.280 --> 00:09:49.360 align:center line:-2
um Eingliederungshilfeleistungen
aus der Jugendhilfe zu erhalten.

00:09:49.520 --> 00:09:51.920 align:center line:-2
Die werde ich da
im Detail noch ausführen.

00:09:52.080 --> 00:09:54.320 align:center line:-2
In Punkt drei
soll es um die Rechtsfolgen

00:09:54.480 --> 00:09:57.160 align:center line:-1
der Eingliederungshilfeleistungen gehen,

00:09:57.320 --> 00:10:02.520 align:center line:-2
die, wie ich schon erwähnte, dann eben
auf den Teil zwei des SGB IX verweisen.

00:10:02.680 --> 00:10:06.160 align:center line:-2
Und im vierten Abschnitt
möchte ich das Hilfeplanverfahren,

00:10:06.320 --> 00:10:09.640 align:center line:-2
also, das Planverfahren der Jugendhilfe,
vorstellen.

00:10:09.880 --> 00:10:10.880 align:center line:-1
Ja, Punkt eins.

00:10:11.800 --> 00:10:14.600 align:center line:-2
Kinder und Jugendliche
mit seelischer Behinderung

00:10:14.760 --> 00:10:19.240 align:center line:-2
erhalten Eingliederungshilfeleistungen
nach § 35a SGB VIII.

00:10:21.120 --> 00:10:24.360 align:center line:-2
Ich habe Ihnen hier die Normen
im Volltext abgedruckt.

00:10:24.520 --> 00:10:28.560 align:center line:-2
Und möchte zumindest mit Ihnen
mal kurz gemeinsam den Absatz eins,

00:10:28.720 --> 00:10:29.960 align:center line:-1
Satz eins, lesen,

00:10:30.640 --> 00:10:33.640 align:center line:-2
damit Sie eine Vorstellung
vom Tatbestand bekommen.

00:10:33.800 --> 00:10:34.800 align:center line:-1
Da geht es so los:

00:10:34.960 --> 00:10:39.440 align:center line:-2
Kinder oder Jugendliche haben Anspruch
auf Eingliederungshilfe, wenn...

00:10:39.600 --> 00:10:42.680 align:center line:-2
Jetzt kommt
ein zweigliedriger Behinderungsbegriff.

00:10:42.840 --> 00:10:44.000 align:center line:-1
Der besteht aus Ziffer eins,

00:10:44.160 --> 00:10:47.240 align:center line:-2
da geht es um die Abweichung
der seelischen Gesundheit.

00:10:47.400 --> 00:10:49.040 align:center line:-1
Also, ich lese mal vor. Ziffer eins:

00:10:49.200 --> 00:10:52.840 align:center line:-2
"...wenn ihre seelische Gesundheit
mit hoher Wahrscheinlichkeit

00:10:53.000 --> 00:10:57.880 align:center line:-2
länger als sechs Monate von dem für ihr
Lebensalter typischen Zustand abweicht,

00:10:58.040 --> 00:10:59.960 align:center line:-2
und...",
Ziffer zwei,

00:11:00.520 --> 00:11:04.600 align:center line:-2
"...daher ihre Teilhabe am Leben
in der Gesellschaft beeinträchtigt ist

00:11:04.760 --> 00:11:07.720 align:center line:-2
oder eine solche Beeinträchtigung
zu erwarten ist."

00:11:07.880 --> 00:11:11.200 align:center line:-2
Das heißt, aus der Abweichung
der seelischen Gesundheit

00:11:11.360 --> 00:11:14.920 align:center line:-2
muss eine Beeinträchtigung
der Teilhabe resultieren.

00:11:15.080 --> 00:11:17.880 align:center line:-1
Und diese beiden Stufen,

00:11:20.640 --> 00:11:25.880 align:center line:-2
die haben unterschiedliche
Klassifikationen der WHO zum Maßstab.

00:11:26.040 --> 00:11:29.600 align:center line:-1
Nämlich einmal die ICD-10.

00:11:29.760 --> 00:11:34.680 align:center line:-2
Die kennt man sonst vielleicht eher
aus dem kassenärztlichen Bereich.

00:11:34.840 --> 00:11:38.840 align:center line:-1
Und dann die ICF-CY.

00:11:39.000 --> 00:11:42.760 align:center line:-2
CY steht für children and youth.
Also, Kinder und Jugendliche.

00:11:42.920 --> 00:11:46.400 align:center line:-2
Ja, da geht es insbesondere
um das biopsychosoziale Modell.

00:11:47.400 --> 00:11:53.280 align:center line:-2
Also, das Modell,
wie die ICF eben Behinderungen auffasst.

00:11:55.640 --> 00:11:56.640 align:center line:-1
Und, ja.

00:11:56.800 --> 00:11:59.440 align:center line:-2
Das Besondere ist noch,
dass diese Ziffer eins,

00:11:59.600 --> 00:12:01.760 align:center line:-1
der zweigliedrige Behinderungsbegriff,

00:12:01.920 --> 00:12:05.320 align:center line:-2
wird von unterschiedlichen Personen
und Fachdisziplinen,

00:12:05.480 --> 00:12:06.800 align:center line:-1
muss man sagen, festgestellt.

00:12:06.960 --> 00:12:12.240 align:center line:-2
Die Abweichung der seelischen Gesundheit
wird von Ärzten und Ärztinnen,

00:12:12.400 --> 00:12:16.280 align:center line:-2
beziehungsweise Therapeuten
und Therapeutinnen, festgestellt.

00:12:16.440 --> 00:12:19.400 align:center line:-2
Welche das sind,
dazu komme ich auf der nächsten Folie.

00:12:19.560 --> 00:12:23.280 align:center line:-2
Die Mitarbeiter des Jugendamtes
haben aufgrund der Diagnose...

00:12:23.440 --> 00:12:25.400 align:center line:-1
Da ist eine Stellungnahme zu erstellen.

00:12:25.560 --> 00:12:28.440 align:center line:-2
Aufgrund der Stellungnahme
haben sie zu beurteilen,

00:12:28.600 --> 00:12:31.080 align:center line:-2
ob aus der abweichenden
seelischen Gesundheit

00:12:31.240 --> 00:12:34.920 align:center line:-2
dann auch noch eine
Teilhabebeeinträchtigung resultiert.

00:12:35.080 --> 00:12:40.240 align:center line:-2
Und den Satz zwei, den habe ich jetzt
ein bisschen übersprungen. Also, unten.

00:12:40.400 --> 00:12:43.560 align:center line:-2
Das lese ich jetzt nicht vor,
aber da wird klargestellt,

00:12:43.720 --> 00:12:47.120 align:center line:-2
dass auch drohende Behinderungen
von der Norm erfasst sind.

00:12:47.280 --> 00:12:51.560 align:center line:-2
Es können auch dann Leistungen
erbracht werden oder gefordert werden,

00:12:51.720 --> 00:12:54.760 align:center line:-2
wenn die Behinderung
noch nicht eingetreten ist,

00:12:54.920 --> 00:12:57.280 align:center line:-1
aber eben ein Eintritt droht.

00:12:58.680 --> 00:12:59.680 align:center line:-2
-So.
-Herr Rössel.

00:12:59.840 --> 00:13:01.160 align:center line:-2
-Wenn ich einhaken darf?
-Ja.

00:13:01.320 --> 00:13:02.520 align:center line:-1
(Dehmel) Was bedeutet das,

00:13:02.680 --> 00:13:07.360 align:center line:-2
dass sich der § 35a
bloß an der ICF orientiert?

00:13:10.360 --> 00:13:15.840 align:center line:-2
(Rössel) Ja, also
das ist so zu verstehen, dass die...

00:13:16.960 --> 00:13:21.560 align:center line:-2
Also, einerseits ist es so,
dass in den Normen der Jugendhilfe,

00:13:21.720 --> 00:13:27.720 align:center line:-2
also, in dem 35a, an keiner Stelle
die ICF ausdrücklich erwähnt ist.

00:13:29.520 --> 00:13:35.240 align:center line:-2
Sie findet aber dennoch Anwendung,
deswegen, weil auch für den 35a,

00:13:35.760 --> 00:13:39.840 align:center line:-2
der § 13 SGB IX,
Anwendung findet,

00:13:40.000 --> 00:13:42.160 align:center line:-1
für die Bedarfsermittlungsinstrumente.

00:13:42.320 --> 00:13:45.680 align:center line:-2
Und da findet sich
das Wörtchen "funktionsbezogen".

00:13:45.840 --> 00:13:48.240 align:center line:-2
Wenn man dazu
die Gesetzesmaterialien liest,

00:13:48.400 --> 00:13:52.640 align:center line:-2
dann wird man sehen,
dass damit gemeint ist...

00:13:53.160 --> 00:13:56.680 align:center line:-2
Mit dem "funktionsbezogen"
bezieht sich der Gesetzgeber

00:13:56.840 --> 00:13:59.800 align:center line:-2
auf das biopsychosoziale Modell,
nach der ICF.

00:14:00.600 --> 00:14:05.640 align:center line:-2
Und über die gemeinsamen Empfehlungen
im Reha-Prozess,

00:14:05.800 --> 00:14:06.800 align:center line:-1
da ist ebenfalls...

00:14:06.960 --> 00:14:07.960 align:center line:-1
Also, die...

00:14:08.120 --> 00:14:09.440 align:center line:-1
An denen muss sich nach § 13a

00:14:09.600 --> 00:14:13.400 align:center line:-2
das Bedarfsvermittlungssystem
an der Jugendhilfe orientieren.

00:14:13.560 --> 00:14:15.520 align:center line:-2
Da ist auch noch mal
von der ICF die Rede.

00:14:15.680 --> 00:14:20.280 align:center line:-1
Das heißt, im Endeffekt wird man hier

00:14:20.440 --> 00:14:24.960 align:center line:-2
das biopsychosoziale Modell
jeweils anwenden müssen.

00:14:26.880 --> 00:14:29.080 align:center line:-2
Aber man muss jetzt
eben nicht aufgrund...

00:14:29.240 --> 00:14:32.720 align:center line:-2
eine Diagnose nach den Klassifizierungen
der ICF erstellen.

00:14:32.880 --> 00:14:33.880 align:center line:-1
So ist es nicht.

00:14:34.040 --> 00:14:36.840 align:center line:-2
Mit dem Wort "Orientierung"
wollte ich klarmachen,

00:14:37.000 --> 00:14:39.680 align:center line:-2
dass es nicht
so eine unmittelbare Anbindung gibt

00:14:39.840 --> 00:14:41.920 align:center line:-1
wie in der SGB-IX-Eingliederungshilfe,

00:14:42.080 --> 00:14:46.040 align:center line:-1
wo sich in den Regelungen eine genaue,

00:14:46.200 --> 00:14:49.280 align:center line:-2
eine direkte Anbindung
an die ICF findet.

00:14:49.440 --> 00:14:51.960 align:center line:-2
Wobei das, meine ich,
für die Bedarfsermittlung

00:14:52.120 --> 00:14:55.000 align:center line:-2
im Ergebnis
kaum einen Unterschied macht.

00:14:55.160 --> 00:14:56.160 align:center line:-1
Aber trotzdem.

00:14:56.320 --> 00:15:02.000 align:center line:-2
Im SGB VIII findet sich an keiner Stelle
explizit die Rede von der ICF.

00:15:03.040 --> 00:15:05.000 align:center line:-1
(Dehmel) Okay, alles klar. Vielen Dank.

00:15:06.520 --> 00:15:07.720 align:center line:-1
(Rössel) Gut, dann...

00:15:09.440 --> 00:15:12.280 align:center line:-2
Genau, dann kommen wir
noch mal im Detail dazu,

00:15:12.440 --> 00:15:15.840 align:center line:-2
wer erstellt eigentlich
die Stellungnahme,

00:15:16.000 --> 00:15:18.480 align:center line:-2
die eine Abweichung
der seelischen Gesundheit

00:15:18.640 --> 00:15:22.200 align:center line:-2
eines Kindes
oder eines Jugendlichen feststellt?

00:15:22.360 --> 00:15:24.440 align:center line:-1
Das ist der hier genannte Personenkreis.

00:15:26.360 --> 00:15:27.880 align:center line:-1
Also, hier heißt es,

00:15:28.040 --> 00:15:31.760 align:center line:-2
hat der Träger der öffentlichen
Jugendhilfe die Stellungnahme,

00:15:31.920 --> 00:15:32.920 align:center line:-1
Ziffer eins,

00:15:33.080 --> 00:15:37.320 align:center line:-2
eines Arztes für Kinder- und
Jugendpsychiatrie oder -psychotherapie,

00:15:37.480 --> 00:15:41.840 align:center line:-2
Ziffer zwei, eines Kinder-
und Jugendpsychotherapeuten

00:15:42.000 --> 00:15:46.480 align:center line:-2
oder, Ziffer drei, eines Arztes oder
eines psychologischen Psychotherapeuten,

00:15:46.640 --> 00:15:50.440 align:center line:-2
der über besondere Erfahrung
auf dem Gebiet seelischer Störungen

00:15:50.600 --> 00:15:53.400 align:center line:-2
bei Kindern und Jugendlichen verfügt,
einzuholen.

00:15:53.560 --> 00:15:59.520 align:center line:-2
Nur dieser eingeschränkte Personenkreis
darf in einer Stellungnahme feststellen,

00:15:59.680 --> 00:16:03.560 align:center line:-2
ob eine Abweichung der
seelischen Gesundheit besteht.

00:16:03.720 --> 00:16:07.200 align:center line:-2
Und, ja, es kann im Detail
auch problematisch sein,

00:16:07.360 --> 00:16:10.520 align:center line:-2
in der Zwei-Wochen-Frist
zur Prüfung der Zuständigkeit

00:16:10.680 --> 00:16:13.640 align:center line:-2
hier einen Termin
und eine Stellungnahme zu bekommen.

00:16:13.800 --> 00:16:16.440 align:center line:-2
Aber das wollen wir jetzt
nicht weiter vertiefen.

00:16:18.440 --> 00:16:21.160 align:center line:-2
Jetzt kommen wir
zum anderen Leistungstatbestand

00:16:21.320 --> 00:16:24.400 align:center line:-2
der Jugendhilfe
für Eingliederungshilfeleistungen,

00:16:24.560 --> 00:16:26.360 align:center line:-1
dem § 41.

00:16:26.520 --> 00:16:27.560 align:center line:-1
Den kann man verstehen

00:16:27.720 --> 00:16:31.200 align:center line:-2
als Eingliederungshilfeleistungen
für junge Volljährige.

00:16:31.360 --> 00:16:35.720 align:center line:-2
Also, die, die schon volljährig,
aber noch nicht 27 Jahre alt sind.

00:16:36.400 --> 00:16:40.800 align:center line:-2
Und der verweist dann
im Wesentlichen auf den § 35a.

00:16:40.960 --> 00:16:45.000 align:center line:-2
Das heißt, alles das, was ich schon
zu 35a sagte, gilt auch für den 41.

00:16:45.160 --> 00:16:49.040 align:center line:-2
Nur dass es da eben noch
weitere besondere Voraussetzungen gibt,

00:16:50.760 --> 00:16:53.120 align:center line:-1
zu denen ich jetzt sogleich komme.

00:16:53.280 --> 00:16:56.520 align:center line:-2
Genau, ich habe jetzt hier
unter dem ersten Spiegelstrich

00:16:56.680 --> 00:16:59.480 align:center line:-2
ein Zitat
aus dem Leistungstatbestand des § 41.

00:16:59.640 --> 00:17:01.200 align:center line:-1
Da heißt es,

00:17:01.360 --> 00:17:05.560 align:center line:-2
"Einem jungen Volljährigen soll Hilfe
für die Persönlichkeitsentwicklung

00:17:05.720 --> 00:17:09.480 align:center line:-2
und zu einer eigenverantwortlichen
Lebensführung gewährt werden,

00:17:09.640 --> 00:17:11.000 align:center line:-1
wenn und solange die Hilfe

00:17:11.160 --> 00:17:15.480 align:center line:-2
aufgrund der individuellen Situation
des jungen Menschen notwendig ist."

00:17:15.640 --> 00:17:18.320 align:center line:-1
Also, Absatz eins, Satz eins, ist das.

00:17:18.480 --> 00:17:21.600 align:center line:-2
Und wenn Sie sich
das mal in Ruhe durchlesen,

00:17:21.760 --> 00:17:26.520 align:center line:-2
das sind ja Zielbestimmungen,
die da formuliert werden.

00:17:26.680 --> 00:17:29.600 align:center line:-2
Also, Hilfe
für die Persönlichkeitsentwicklung

00:17:29.760 --> 00:17:32.760 align:center line:-2
und zu einer
eigenverantwortlichen Lebensführung.

00:17:32.920 --> 00:17:38.600 align:center line:-2
Und mit dieser etwas
unscharf formulierten Zielbestimmung

00:17:38.760 --> 00:17:40.160 align:center line:-1
soll erst mal als Ausgangspunkt

00:17:40.320 --> 00:17:44.040 align:center line:-2
ein möglichst großer Kreis
junger Volljähriger erfasst werden.

00:17:44.200 --> 00:17:46.760 align:center line:-2
Dann ist zu unterscheiden
nach dem Lebensalter.

00:17:46.920 --> 00:17:51.720 align:center line:-2
Es ist nämlich so,
vor Vollendung des 21. Lebensjahres

00:17:51.880 --> 00:17:56.840 align:center line:-2
besteht ein intensives Ermessen
dahingehend, die Hilfe zu gewähren.

00:17:57.000 --> 00:18:02.880 align:center line:-2
Das heißt, man kann nur in
atypischen Fällen die Hilfe verweigern.

00:18:03.040 --> 00:18:08.080 align:center line:-2
Und mit Vollendung des 21. Lebensjahres
ist die Hilfe nach einem Viertel

00:18:08.240 --> 00:18:10.600 align:center line:-1
dann nur noch ausnahmsweise zu gewähren.

00:18:10.760 --> 00:18:14.080 align:center line:-2
Nämlich dann,
wenn die individuelle Situation

00:18:14.240 --> 00:18:16.200 align:center line:-1
einen Übergang ins Erwachsenensystem,

00:18:16.360 --> 00:18:18.520 align:center line:-1
beziehungsweise die Beendigung der Hilfe

00:18:18.680 --> 00:18:22.680 align:center line:-2
zum aktuellen Zeitpunkt
nicht zweckmäßig erscheinen lässt.

00:18:22.840 --> 00:18:25.920 align:center line:-1
Ein Beispiel dafür wäre, sagen wir mal,

00:18:26.080 --> 00:18:31.080 align:center line:-2
ein junger Mensch
steht kurz vor seinem Schulabschluss.

00:18:31.240 --> 00:18:35.400 align:center line:-2
Irgendwie sechs Wochen davor.
Und wird gerade 21.

00:18:35.560 --> 00:18:40.720 align:center line:-2
Und dann wäre es sicherlich
nicht zweckmäßig,

00:18:40.880 --> 00:18:43.960 align:center line:-2
da der sich auf den Schulabschluss
konzentrieren muss,

00:18:44.120 --> 00:18:46.960 align:center line:-2
hier Assistenten auszuwechseln
und ähnliches,

00:18:47.120 --> 00:18:50.160 align:center line:-2
weil der
ins andere Leistungssystem müsste.

00:18:50.320 --> 00:18:52.040 align:center line:-1
Da würde man sicherlich sagen,

00:18:52.200 --> 00:18:54.880 align:center line:-2
hier muss die Hilfe
noch weiter gewährt werden.

00:18:55.040 --> 00:19:00.400 align:center line:-2
Und dann kann man nach Beendigung
des Schulabschlusses darüber nachdenken,

00:19:00.560 --> 00:19:01.560 align:center line:-1
wie es jetzt aussieht.

00:19:01.720 --> 00:19:05.280 align:center line:-2
Ob es passend wäre, ins
Erwachsenensystem zu gehen oder nicht.

00:19:06.240 --> 00:19:07.240 align:center line:-1
Ja.

00:19:07.400 --> 00:19:09.320 align:center line:-1
Dann ist eine weitere Besonderheit,

00:19:09.480 --> 00:19:14.480 align:center line:-2
ab Vollendung des 21. Lebensjahres kann
eine Hilfe nicht neu beantragt werden,

00:19:14.640 --> 00:19:19.120 align:center line:-2
sondern sie kann nur als Fortsetzung
einer laufenden Hilfe gewährt werden.

00:19:19.280 --> 00:19:20.640 align:center line:-1
Ich kann nicht, zum Beispiel,

00:19:20.800 --> 00:19:25.120 align:center line:-2
mit 22 ins Jugendamt kommen
und da eine Hilfe beantragen.

00:19:25.280 --> 00:19:26.760 align:center line:-1
Und in jedem Fall ist die Hilfe

00:19:26.920 --> 00:19:32.280 align:center line:-2
mit Vollendung
des 27. Lebensjahres einzustellen.

00:19:33.760 --> 00:19:35.520 align:center line:-1
(Dehmel) Dazu gibt es eine Frage.

00:19:35.680 --> 00:19:38.440 align:center line:-1
Wie erfolgt denn die Übergabe?

00:19:39.960 --> 00:19:44.680 align:center line:-2
Also, wenn eine Person
vom SGB VIII ins SGB IX wechselt,

00:19:44.840 --> 00:19:47.400 align:center line:-2
wechselt diese Zuständigkeit
dann automatisch

00:19:47.560 --> 00:19:49.360 align:center line:-1
auf den Eingliederungshilfeträger?

00:19:52.120 --> 00:19:53.760 align:center line:-1
(Rössel) Eine interessante Frage.

00:19:53.920 --> 00:19:59.240 align:center line:-2
Und zwar... Also, die Zuständigkeit,
die wechselt schon.

00:19:59.400 --> 00:20:03.440 align:center line:-2
Also, sobald die Voraussetzungen
nach dem SGB VIII

00:20:03.600 --> 00:20:06.600 align:center line:-1
aus dem § 41 nicht mehr vorliegen.

00:20:06.760 --> 00:20:09.120 align:center line:-1
Sagen wir mal, bei einem 22-Jährigen,

00:20:11.080 --> 00:20:16.080 align:center line:-2
bei dem die individuelle Situation
nicht entgegensteht,

00:20:16.240 --> 00:20:19.480 align:center line:-2
dass das Hilfesystem wechselt,
zum aktuellen Zeitpunkt.

00:20:19.640 --> 00:20:24.640 align:center line:-2
Da könnte jetzt der Träger
der Jugendhilfe die Leistungen beenden.

00:20:24.800 --> 00:20:25.840 align:center line:-1
Und dann wäre,

00:20:26.000 --> 00:20:29.080 align:center line:-2
wenn der behinderungsbedingte Bedarf
weiter besteht,

00:20:29.240 --> 00:20:30.920 align:center line:-1
was typischerweise der Fall ist,

00:20:31.080 --> 00:20:34.680 align:center line:-2
dann wäre automatisch
der Träger der Eingliederungshilfe,

00:20:34.840 --> 00:20:39.280 align:center line:-2
also der Träger der
SGB-IX-Eingliederungshilfe zuständig.

00:20:39.440 --> 00:20:42.000 align:center line:-2
Aber da hängt noch
eine andere Problematik dran.

00:20:42.160 --> 00:20:46.400 align:center line:-2
Nämlich, wenn der Träger der Jugendhilfe
vorher zuständig war,

00:20:46.560 --> 00:20:50.720 align:center line:-2
dann wird er typischerweise auch
leistender Reha-Träger gewesen sein,

00:20:50.880 --> 00:20:52.400 align:center line:-1
in vielen Fällen.

00:20:52.560 --> 00:20:55.080 align:center line:-2
Und dann stellt sich
tatsächlich die Frage:

00:20:55.240 --> 00:20:57.400 align:center line:-1
Wie wird der Träger der Jugendhilfe

00:20:57.560 --> 00:21:01.040 align:center line:-2
diese Rolle als leistender Reha-Träger
wieder los?

00:21:01.200 --> 00:21:05.760 align:center line:-2
Weil nach den gesetzlichen
Formulierungen ist da keine Übergabe,

00:21:05.920 --> 00:21:06.920 align:center line:-1
in dem Sinne, vorgesehen.

00:21:07.080 --> 00:21:10.400 align:center line:-2
Wenn man strikt den Wortlaut
des Gesetzes nehmen würde,

00:21:10.560 --> 00:21:16.280 align:center line:-2
dann müsste der Träger der Jugendhilfe
eigentlich noch bis zum 40. Lebensjahr,

00:21:16.440 --> 00:21:18.280 align:center line:-1
oder unendlich,

00:21:18.440 --> 00:21:22.920 align:center line:-2
die Rolle des leistenden Reha-Trägers
ausfüllen.

00:21:23.080 --> 00:21:27.000 align:center line:-1
Und es findet sich dazu eine Regelung

00:21:28.720 --> 00:21:31.400 align:center line:-2
in der gemeinsamen Empfehlung
"Reha-Prozess".

00:21:31.560 --> 00:21:33.520 align:center line:-1
Ich glaube, in § 25, dort.

00:21:36.120 --> 00:21:37.280 align:center line:-1
Die passt aber nicht so ganz.

00:21:37.440 --> 00:21:39.760 align:center line:-1
Also, man könnte die da drauf anwenden.

00:21:39.920 --> 00:21:43.280 align:center line:-2
Und die sagt, verkürzt,
ja, wenn ein neuer Bedarf entsteht,

00:21:43.440 --> 00:21:45.000 align:center line:-1
entsteht ein neuer...

00:21:45.160 --> 00:21:49.040 align:center line:-2
Entsteht ein andersartiger Bedarf,
kann man einen neuen Antrag stellen.

00:21:49.200 --> 00:21:53.840 align:center line:-2
Dann läuft das Verfahren noch mal neu,
mit einem neuen leistenden Reha-Träger.

00:21:54.000 --> 00:21:55.360 align:center line:-1
Die Frage ist nur,

00:21:55.520 --> 00:21:58.440 align:center line:-2
wenn ein Leistungsberechtigter
einfach älter wird,

00:21:58.600 --> 00:22:02.520 align:center line:-2
dann ist es kein anderer Bedarf
oder kein neuer Bedarf, in dem Sinne.

00:22:02.680 --> 00:22:07.280 align:center line:-2
Und da habe ich bisher noch
keine richtige Antwort drauf gefunden.

00:22:07.440 --> 00:22:08.520 align:center line:-1
Oder ich meine auch,

00:22:08.680 --> 00:22:11.600 align:center line:-2
dass der Gesetzgeber
noch mal nachblättern müsste.

00:22:11.760 --> 00:22:14.080 align:center line:-2
Oder noch eine Klarstellung
machen müsste.

00:22:14.240 --> 00:22:17.160 align:center line:-1
Weil eigentlich müsste es ja so sein,

00:22:17.320 --> 00:22:19.320 align:center line:-1
dass dann in diesem Fall die Jugendhilfe

00:22:19.480 --> 00:22:21.880 align:center line:-2
die Rolle als leistender Reha-Träger
loswird.

00:22:22.040 --> 00:22:23.160 align:center line:-1
Weil es macht keinen Sinn,

00:22:23.320 --> 00:22:27.040 align:center line:-2
dass die Jugendhilfe
Leistungsverantwortung für jemanden hat,

00:22:27.200 --> 00:22:30.640 align:center line:-2
der 40 Jahre alt ist und eigentlich,
von der Zuständigkeit,

00:22:30.800 --> 00:22:33.440 align:center line:-2
komplett
in ein anderes Leistungssystem gehört.

00:22:33.600 --> 00:22:35.520 align:center line:-1
Ja. Also, das ist eine spannende Frage.

00:22:35.680 --> 00:22:38.760 align:center line:-2
Aber die Zuständigkeit
wechselt wirklich einfach,

00:22:38.920 --> 00:22:43.320 align:center line:-2
sobald die Voraussetzungen nach
der Jugendhilfe nicht mehr gegeben sind.

00:22:43.480 --> 00:22:47.520 align:center line:-2
(Dehmel) Okay. Vielen Dank
für diese Antwort und Ihre Einschätzung.

00:22:47.680 --> 00:22:50.080 align:center line:-1
Dann können wir weitermachen.

00:22:50.240 --> 00:22:54.560 align:center line:-2
(Rössel)
Gut. Ich muss gerade mal schauen.

00:22:54.720 --> 00:22:56.200 align:center line:-1
Ich muss mich auch beeilen.

00:22:56.360 --> 00:23:00.000 align:center line:-2
Ich bin jetzt schon
relativ weit in der Zeit.

00:23:00.160 --> 00:23:02.560 align:center line:-1
So, jetzt geht es um die Rechtsfolge.

00:23:02.720 --> 00:23:06.840 align:center line:-2
Ich erwähnte es ja bereits,
der § 35a, Absatz 3, der hat früher,

00:23:07.000 --> 00:23:11.720 align:center line:-2
was die Rechtsfolge angeht, auf die
SGB-XII-Eingliederungshilfe verwiesen.

00:23:11.880 --> 00:23:16.920 align:center line:-2
Und die SGB-XII-Eingliederungshilfe ist
ja jetzt gewandert, ins SGB IX, Teil 2.

00:23:17.080 --> 00:23:19.000 align:center line:-1
Es hat sich auch inhaltlich geändert.

00:23:19.160 --> 00:23:21.920 align:center line:-2
Das kann ich leider
im Detail nicht darstellen.

00:23:22.080 --> 00:23:24.360 align:center line:-2
Da finden Sie
die Vertiefungsmaterialien,

00:23:24.520 --> 00:23:28.240 align:center line:-2
die ich Ihnen am Ende der Folien
aufgeschrieben habe.

00:23:28.400 --> 00:23:32.600 align:center line:-2
Diese Regelungen,
auf die der Absatz 3 im SGB IX verweist,

00:23:32.760 --> 00:23:34.880 align:center line:-1
die finden jeweils nur Anwendung,

00:23:35.040 --> 00:23:37.880 align:center line:-2
soweit sie auch
auf Kinder und Jugendliche

00:23:38.040 --> 00:23:40.360 align:center line:-2
mit seelischer Behinderung
anwendbar sind,

00:23:40.520 --> 00:23:43.320 align:center line:-2
was für die Regelungen
aber der Fall ist.

00:23:44.840 --> 00:23:48.760 align:center line:-2
Es wird dann verwiesen
auf die verschiedenen Leistungsgruppen,

00:23:48.920 --> 00:23:51.320 align:center line:-2
oder unter anderem
auf die Leistungsgruppen.

00:23:51.480 --> 00:23:54.800 align:center line:-2
Die vier Leistungsgruppen,
die wir in SGB IX, Teil 2 finden,

00:23:54.960 --> 00:23:57.880 align:center line:-2
das ist einmal
die medizinische Rehabilitation,

00:23:58.040 --> 00:24:01.160 align:center line:-2
die Teilhabe am Arbeitsleben,
die Teilhabe an Bildung

00:24:01.320 --> 00:24:04.840 align:center line:-2
und als Aufwandtatbestand
die soziale Teilhabe.

00:24:05.680 --> 00:24:10.720 align:center line:-2
Und dabei möchte ich es
dann auch erst mal belassen.

00:24:10.880 --> 00:24:15.480 align:center line:-2
Später finden Sie Vertiefungsmaterialien
zur Reformstufe drei.

00:24:15.640 --> 00:24:17.320 align:center line:-1
Da ist es im Detail dann besprochen,

00:24:17.480 --> 00:24:21.600 align:center line:-2
was sich da in den einzelnen Regelungen
geändert hat.

00:24:21.840 --> 00:24:23.120 align:center line:-1
Ja.

00:24:23.280 --> 00:24:28.200 align:center line:-2
Und jetzt möchte ich stattdessen dann
auf das Hilfeplanverfahren eingehen.

00:24:28.360 --> 00:24:30.600 align:center line:-2
Das ist
das Planverfahren der Jugendhilfe.

00:24:30.760 --> 00:24:35.760 align:center line:-2
Da geht es um den Zuschnitt der
Leistungen auf den individuellen Bedarf.

00:24:36.360 --> 00:24:39.600 align:center line:-2
Hier noch mal kurz
der zeitliche Ablauf im Reha-Verfahren.

00:24:41.800 --> 00:24:44.520 align:center line:-2
Wir sind da
im Bereich der Bedarfsfeststellung.

00:24:44.680 --> 00:24:46.920 align:center line:-1
Innerhalb des Hilfeplanverfahrens

00:24:47.080 --> 00:24:49.560 align:center line:-2
ist eine Bedarfsfeststellung
durchzuführen.

00:24:49.720 --> 00:24:52.600 align:center line:-2
Und die Ergebnisse
müssen dann gegebenenfalls

00:24:52.760 --> 00:24:55.160 align:center line:-2
in das
Teilhabeplanverfahren

00:24:55.320 --> 00:25:00.760 align:center line:-2
oder gegebenenfalls in einer
Teilhabeplankonferenz eingeführt werden.

00:25:01.000 --> 00:25:05.520 align:center line:-2
Hier sehen Sie noch mal die Übersicht
zu den verschiedenen Planverfahren.

00:25:05.680 --> 00:25:08.000 align:center line:-1
Die Jugendhilfe hat Hilfeplanverfahren.

00:25:08.160 --> 00:25:10.880 align:center line:-2
Das Pendant
in der SGB-IX-Eingliederungshilfe

00:25:11.040 --> 00:25:12.680 align:center line:-1
ist das Gesamtplanverfahren.

00:25:12.840 --> 00:25:15.640 align:center line:-2
Es gibt übergreifend
das Teilhabeplanverfahren,

00:25:15.800 --> 00:25:20.400 align:center line:-2
das vom Ziel her eher
der Koordinierung der Leistungen dient.

00:25:21.000 --> 00:25:24.000 align:center line:-2
Ja, was ist der Inhalt
des Hilfeplanverfahrens?

00:25:24.160 --> 00:25:28.200 align:center line:-2
Also, erst mal ist es geregelt,
im § 36 Absatz 2 und 3 SGB VIII.

00:25:29.840 --> 00:25:32.160 align:center line:-1
Den Inhalt beschreibt das Gesetz so:

00:25:32.320 --> 00:25:34.960 align:center line:-2
Es geht um
Feststellungen über den Bedarf,

00:25:35.120 --> 00:25:39.840 align:center line:-2
die zu gewährende Art der Hilfe
sowie die notwendigen Leistungen.

00:25:40.000 --> 00:25:43.880 align:center line:-2
Und insofern ist es ein
anspruchskonkretisierendes Verfahren,

00:25:44.040 --> 00:25:45.040 align:center line:-1
kann man sagen.

00:25:45.200 --> 00:25:47.040 align:center line:-1
Also, es ist eine Einzelfallhilfe.

00:25:47.200 --> 00:25:52.640 align:center line:-2
Deswegen bedarf es einem Zuschnitt der
Leistungen auf den individuellen Bedarf.

00:25:52.800 --> 00:25:57.760 align:center line:-2
Und damit, letztlich, wird auch
der Leistungsbescheid vorbereitet. Ja.

00:25:57.920 --> 00:26:03.040 align:center line:-2
Das Hilfeplanverfahren ergeht in
Zusammenwirkung mehrerer Fachkräfte.

00:26:03.200 --> 00:26:07.680 align:center line:-2
Es sind auch besondere Personen
zu beteiligen an dem Verfahren.

00:26:07.840 --> 00:26:10.720 align:center line:-1
Nämlich der Personensorgeberechtigte,

00:26:10.880 --> 00:26:13.360 align:center line:-1
dann das Kind oder der Jugendliche,

00:26:13.520 --> 00:26:15.840 align:center line:-1
also der Leistungsberechtigte,

00:26:16.000 --> 00:26:18.920 align:center line:-1
Leistungserbringer sind zu beteiligen.

00:26:19.080 --> 00:26:22.440 align:center line:-2
Und eben auch
die erwähnten Ärzte und Therapeuten,

00:26:22.600 --> 00:26:27.920 align:center line:-2
die Ersteller der Stellungnahme
nach § 35a Absatz 1a.

00:26:29.640 --> 00:26:31.960 align:center line:-1
Das Hilfeplanverfahren ist zwar...

00:26:32.120 --> 00:26:34.760 align:center line:-2
bereitet zwar
einen Leistungsbescheid vor,

00:26:34.920 --> 00:26:40.040 align:center line:-2
aber es ist nicht abgeschlossen
mit Ergehen des Leistungsbescheides,

00:26:40.200 --> 00:26:42.280 align:center line:-1
sondern es ist regelmäßig zu überprüfen.

00:26:42.440 --> 00:26:45.920 align:center line:-2
Und gegebenenfalls anzupassen,
wenn sich der Bedarf ändert.

00:26:46.080 --> 00:26:48.600 align:center line:-1
Ergänzend zum Hilfeplanverfahren

00:26:48.760 --> 00:26:51.600 align:center line:-2
gelten die Regelungen
des Teilhabeplanverfahrens.

00:26:51.760 --> 00:26:56.600 align:center line:-2
Das wird in § 21 Satz 2 SGB IX
noch mal klargestellt.

00:26:58.640 --> 00:27:00.800 align:center line:-1
So, nun komme ich zum Verhältnis

00:27:00.960 --> 00:27:03.480 align:center line:-2
der Eingliederungshilfesysteme
zueinander.

00:27:03.640 --> 00:27:07.760 align:center line:-2
Also der SGB-VIII- und
der SGB-IX-Eingliederungshilfe.

00:27:10.400 --> 00:27:14.840 align:center line:-2
Das ist so, dass es da
ein Vorrang-Nachrang-Verhältnis gibt.

00:27:15.000 --> 00:27:17.840 align:center line:-2
Das bestimmt sich
nach dem § 10 SGB VIII.

00:27:18.000 --> 00:27:20.120 align:center line:-1
Das ist etwas kompliziert.

00:27:20.280 --> 00:27:22.760 align:center line:-2
Ich habe es hier versucht,
aufzuschreiben,

00:27:22.920 --> 00:27:25.440 align:center line:-2
und auf der nächsten Folie
habe ich ein Schaubild,

00:27:25.600 --> 00:27:27.680 align:center line:-1
das das Ganze verdeutlicht.

00:27:29.120 --> 00:27:31.680 align:center line:-1
Die SGB-VIII-Eingliederungshilfe

00:27:31.840 --> 00:27:35.600 align:center line:-2
ist nachrangig
gegenüber anderen Sozialleistungen

00:27:35.760 --> 00:27:37.600 align:center line:-1
und der Schulverwaltung.

00:27:37.760 --> 00:27:40.760 align:center line:-2
Ich habe "Schulbegleitung"
dahinter geschrieben.

00:27:40.920 --> 00:27:43.800 align:center line:-1
Wenn die SGB-VIII-Eingliederungshilfe

00:27:43.960 --> 00:27:46.160 align:center line:-1
Leistungen der Schulbegleitung gewährt,

00:27:46.320 --> 00:27:48.120 align:center line:-1
macht sie das nachrangig,

00:27:48.280 --> 00:27:52.400 align:center line:-2
weil die Schule
selbst solche Leistungen nicht erbringt.

00:27:52.560 --> 00:27:57.480 align:center line:-2
Als typisches Beispiel für Nachrang
gegenüber der Schulverwaltung.

00:27:57.640 --> 00:28:02.520 align:center line:-2
Also, es ist so, dass die
SGB-VIII-Eingliederungshilfe

00:28:02.680 --> 00:28:06.960 align:center line:-2
vorrangig ist gegenüber
der SGB-IX-Eingliederungshilfe.

00:28:07.120 --> 00:28:10.800 align:center line:-2
Aber nur soweit
es um seelische Behinderungen geht.

00:28:10.960 --> 00:28:14.600 align:center line:-2
Sie erinnern sich,
als ich von § 35a gesprochen habe,

00:28:14.760 --> 00:28:17.120 align:center line:-1
das wird aus dem Tatbestand klar,

00:28:17.280 --> 00:28:19.680 align:center line:-1
dass es um seelische Behinderung geht,

00:28:19.840 --> 00:28:22.680 align:center line:-1
und nur insofern besteht da ein Vorrang.

00:28:22.840 --> 00:28:24.880 align:center line:-1
Dementsprechend gibt es einen Nachrang

00:28:25.040 --> 00:28:27.400 align:center line:-2
gegenüber
der SGB-IX-Eingliederungshilfe...

00:28:27.560 --> 00:28:29.720 align:center line:-2
Ich bin jetzt
beim dritten Spiegelstrich.

00:28:29.880 --> 00:28:34.240 align:center line:-2
...soweit körperliche oder
geistige Behinderungen vorliegen.

00:28:34.400 --> 00:28:38.560 align:center line:-2
Dann ist die
SGB-IX-Eingliederungshilfe vorrangig.

00:28:38.720 --> 00:28:41.960 align:center line:-2
Bei der Mehrfachbehinderung
ist es etwas komplizierter.

00:28:42.120 --> 00:28:43.800 align:center line:-1
Mehrfachbehinderung, was ist das?

00:28:43.960 --> 00:28:47.480 align:center line:-2
Das ist eine Kombination
verschiedener Behinderungsarten.

00:28:47.640 --> 00:28:51.320 align:center line:-2
Das heißt, das Gesetz
hat diese drei genannten Arten

00:28:51.480 --> 00:28:53.440 align:center line:-1
von Behinderung definiert.

00:28:53.600 --> 00:28:55.760 align:center line:-1
Also seelisch, körperlich, geistig.

00:28:55.920 --> 00:29:00.840 align:center line:-2
Wenn jetzt eine Kombination aus
zwei oder drei dieser Arten vorliegt,

00:29:01.000 --> 00:29:04.160 align:center line:-2
spricht man
von einer Mehrfachbehinderung.

00:29:04.320 --> 00:29:05.960 align:center line:-1
Dann kommt es darauf an,

00:29:06.120 --> 00:29:08.800 align:center line:-1
ob es einen abgrenzbaren Bedarf gibt.

00:29:10.520 --> 00:29:16.080 align:center line:-2
Das heißt,
abgrenzbarer Bedarf, wäre dann die...

00:29:16.240 --> 00:29:21.200 align:center line:-2
Bei einem abgrenzbaren Bedarf
wären beide Systeme zuständig.

00:29:21.360 --> 00:29:24.080 align:center line:-2
Das heißt, das eine System
erbringt die eine Leistung

00:29:24.240 --> 00:29:26.880 align:center line:-2
und das andere
eben die andere Leistung.

00:29:27.040 --> 00:29:30.600 align:center line:-2
Häufig wird es so sein,
dass die Bedarfe nicht abgrenzbar sind.

00:29:30.760 --> 00:29:32.840 align:center line:-1
Weil sie sich gegenseitig beeinflussen.

00:29:33.000 --> 00:29:36.120 align:center line:-2
Dann gäbe es
eine vorrangige Zuständigkeit

00:29:36.280 --> 00:29:38.760 align:center line:-1
der SGB-IX-Eingliederungshilfe.

00:29:39.000 --> 00:29:41.600 align:center line:-1
(Dehmel) Können Sie Beispiele nennen

00:29:41.760 --> 00:29:45.760 align:center line:-2
für abgrenzbare
und nicht-abgrenzbare Bereiche?

00:29:45.920 --> 00:29:47.760 align:center line:-1
(Rössel) Ja, also...

00:29:48.880 --> 00:29:52.520 align:center line:-2
Ein typischer Fall
von nicht-abgrenzbaren Bereichen,

00:29:52.680 --> 00:29:57.840 align:center line:-2
also nicht-abgrenzbaren Bedarfen,
das wären stationäre Leistungen.

00:29:58.000 --> 00:30:00.120 align:center line:-1
Da kann man das nicht trennen.

00:30:00.280 --> 00:30:04.040 align:center line:-2
Da gäbe es einen Vorrang
bei der Mehrfachbehinderung

00:30:04.200 --> 00:30:06.600 align:center line:-1
für die SGB-IX-Eingliederungshilfe.

00:30:06.760 --> 00:30:10.040 align:center line:-2
Wir haben auf dem Schaubild
auf der rechten Seite unten...

00:30:10.200 --> 00:30:13.080 align:center line:-2
Entschuldigung,
bei der dritten Zeile von oben.

00:30:13.240 --> 00:30:15.640 align:center line:-2
..."Mehrfachbehinderung
bei nicht-abgrenzbaren Bedarfen."

00:30:15.800 --> 00:30:18.600 align:center line:-2
Ein abgrenzbarer Bedarf wäre,
sagen wir mal,

00:30:18.760 --> 00:30:23.520 align:center line:-2
wir haben einen Leistungsberechtigen
mit seelischer Behinderung

00:30:23.680 --> 00:30:26.200 align:center line:-1
und eine körperliche Behinderung,

00:30:26.360 --> 00:30:32.200 align:center line:-2
wobei bei der körperlichen Behinderung
lediglich Hilfsmittel zu erbringen sind.

00:30:32.360 --> 00:30:33.720 align:center line:-1
Also, ähm...

00:30:35.600 --> 00:30:38.440 align:center line:-1
Dann könnte man das abtrennen und sagen,

00:30:38.600 --> 00:30:42.800 align:center line:-2
Hilfsmittel sind über die
SGB-IX-Eingliederungshilfe zu erbringen.

00:30:42.960 --> 00:30:45.880 align:center line:-2
Also, die Hilfsmittel
aufgrund der körperlichen Behinderung.

00:30:46.040 --> 00:30:49.520 align:center line:-2
Und eine Assistenzleistung
aufgrund der seelischen Behinderung

00:30:49.680 --> 00:30:53.560 align:center line:-2
die ist
von der SGB-VIII-Eingliederungshilfe

00:30:53.720 --> 00:30:55.400 align:center line:-1
parallel zu erbringen.

00:30:55.560 --> 00:30:59.240 align:center line:-2
Aber diese parallele Zuständigkeit
ist eher der Ausnahmefall.

00:30:59.400 --> 00:31:02.840 align:center line:-2
Und dass
eines der beiden Systeme vorrangig ist,

00:31:03.000 --> 00:31:05.320 align:center line:-1
ist eher der Regelfall.

00:31:05.480 --> 00:31:07.560 align:center line:-1
(Dehmel) Okay.

00:31:07.720 --> 00:31:08.960 align:center line:-1
(Rössel) Gut.

00:31:09.120 --> 00:31:13.840 align:center line:-2
Dann kommen wir
auch schon zum letzten Abschnitt.

00:31:14.000 --> 00:31:18.480 align:center line:-2
(Dehmel) Dann doch
noch eine Frage zu diesem Abschnitt.

00:31:18.640 --> 00:31:19.920 align:center line:-1
(Rössel) Ja.

00:31:20.080 --> 00:31:24.480 align:center line:-2
Und zwar zum Hilfeplanverfahren
beziehungsweise Teilhabeplanverfahren.

00:31:24.640 --> 00:31:27.000 align:center line:-1
Die Frage des Teilnehmenden ist,

00:31:27.160 --> 00:31:31.360 align:center line:-2
ob das Hilfeplanverfahren
bei jeder Eingliederungshilfe

00:31:31.520 --> 00:31:34.080 align:center line:-2
der Kinder- und Jugendhilfe
immer durchzuführen ist.

00:31:34.240 --> 00:31:35.800 align:center line:-1
Und wenn ja,

00:31:35.960 --> 00:31:40.640 align:center line:-2
ob dann auch immer ein
Teilhabeplanverfahren durchzuführen ist.

00:31:41.920 --> 00:31:46.080 align:center line:-2
(Rössel) Also, das Hilfeplanverfahren
ist fast immer durchzuführen,

00:31:46.240 --> 00:31:49.720 align:center line:-2
und zwar weil das Gesetz sagt,
es ist durchzuführen,

00:31:49.880 --> 00:31:53.520 align:center line:-2
wenn die Leistung voraussichtlich
für längere Dauer zu gewähren ist.

00:31:53.680 --> 00:31:59.080 align:center line:-2
Und nach meinem Verständnis wird es
bei einem behinderungsbedingten Bedarf

00:31:59.240 --> 00:32:00.760 align:center line:-1
selten der Fall sein,

00:32:00.920 --> 00:32:03.800 align:center line:-2
dass es sich
in einer einmaligen Leistung erschöpft,

00:32:03.960 --> 00:32:07.840 align:center line:-2
sondern es wird für eine Dauer
zu erbringen sein, die Leistung.

00:32:08.000 --> 00:32:11.320 align:center line:-2
Deswegen ist auch
ein Hilfeplanverfahren durchzuführen.

00:32:11.480 --> 00:32:14.480 align:center line:-1
Und zum zweiten Teil der Frage,

00:32:14.640 --> 00:32:18.560 align:center line:-2
es ist nicht immer auch ein
Teilhabeplanverfahren durchzuführen,

00:32:18.720 --> 00:32:20.520 align:center line:-1
Da kommt es eben darauf an,

00:32:20.680 --> 00:32:23.680 align:center line:-2
ob die Voraussetzung
des § 19 gegeben sind.

00:32:23.840 --> 00:32:25.280 align:center line:-1
Das heißt entweder,

00:32:25.440 --> 00:32:29.440 align:center line:-2
der Leistungsberechtigte begünstigt,
dass es durchgeführt wird,

00:32:29.600 --> 00:32:33.240 align:center line:-2
oder es werden Leistungen
aus verschiedenen Gruppen erbracht.

00:32:33.400 --> 00:32:36.720 align:center line:-2
Oder es werden Leistungen
verschiedener Träger erbracht.

00:32:36.880 --> 00:32:37.880 align:center line:-1
Zum Beispiel...

00:32:38.040 --> 00:32:41.160 align:center line:-2
Wir haben eine Mehrfachbehinderung
mit abgrenzbaren Bedarfen,

00:32:41.320 --> 00:32:43.000 align:center line:-2
und es sind Leistungen
der SGB-IX-

00:32:43.160 --> 00:32:46.440 align:center line:-2
und SGB-VIII-Eingliederungshilfe
erforderlich.

00:32:46.600 --> 00:32:50.040 align:center line:-1
Dann wäre ein Teilhabeplanverfahren

00:32:50.200 --> 00:32:52.720 align:center line:-2
durchzuführen
neben dem Hilfeplanverfahren.

00:32:53.720 --> 00:32:57.160 align:center line:-2
(Dehmel) Alles klar.
Vielen Dank für die Klärung.

00:32:57.320 --> 00:33:01.480 align:center line:-2
(Rössel) Dann kommen wir zu den
verfahrensrechtlichen Vorschriften.

00:33:01.640 --> 00:33:03.520 align:center line:-1
Koordinierung der Leistungen.

00:33:04.400 --> 00:33:07.400 align:center line:-2
Das ist
der hier gekennzeichnete Bereich,

00:33:07.560 --> 00:33:11.640 align:center line:-2
es geht sowohl um die Bestimmungen
des leistenden Reha-Trägers,

00:33:11.800 --> 00:33:16.840 align:center line:-2
als auch um Bedarfsfeststellung und
dem daraus folgenden Leistungsbescheid.

00:33:17.000 --> 00:33:21.360 align:center line:-2
Ich kann jetzt nicht noch mal die
verfahrensrechtlichen Vorschriften

00:33:21.520 --> 00:33:23.120 align:center line:-1
im Detail darstellen,

00:33:23.280 --> 00:33:28.000 align:center line:-2
aber ich habe typische Berührungspunkte
der Leistungssysteme herausgesucht,

00:33:28.160 --> 00:33:30.480 align:center line:-2
im Rahmen
der Koordinierung der Leistungen.

00:33:30.640 --> 00:33:33.360 align:center line:-1
Hier auf zwei Folien, das ist die erste.

00:33:35.280 --> 00:33:38.200 align:center line:-2
Und zwar können
sich Träger beider Leistungssysteme,

00:33:38.360 --> 00:33:42.120 align:center line:-2
sowohl Träger der Eingliederungshilfe
als auch der Jugendhilfe,

00:33:42.280 --> 00:33:46.280 align:center line:-2
in der Rolle des leistenden
Reha-Trägers wiederfinden.

00:33:49.280 --> 00:33:51.120 align:center line:-1
Also, wir gehen davon aus,

00:33:51.280 --> 00:33:55.080 align:center line:-2
ein Träger der Jugendhilfe
ist leistender Reha-Träger geworden,

00:33:55.240 --> 00:33:59.280 align:center line:-2
zum Beispiel, weil er den Antrag
nicht schnell genug bearbeitet hat,

00:33:59.440 --> 00:34:01.880 align:center line:-2
wie auch immer,
er ist jetzt in dieser Rolle.

00:34:02.040 --> 00:34:05.600 align:center line:-1
Und hält aber nach den Leistungsgesetzen

00:34:05.760 --> 00:34:08.680 align:center line:-2
den Träger
der Eingliederungshilfe zuständig.

00:34:10.120 --> 00:34:12.360 align:center line:-1
Dann würde er nach § 15 Absatz 2

00:34:12.520 --> 00:34:16.720 align:center line:-2
von dem anderen Träger
Bedarfsfeststellungen anfordern,

00:34:16.880 --> 00:34:20.720 align:center line:-2
wenn der Träger
der Eingliederungshilfe kooperiert,

00:34:20.880 --> 00:34:26.280 align:center line:-2
dann führt dieser ein
Bedarfsvermittlungsverfahren durch

00:34:26.440 --> 00:34:30.880 align:center line:-2
und leitet diese Bedarfsfeststellung
eben an den leistenden Träger,

00:34:31.040 --> 00:34:35.240 align:center line:-2
in unserem Fall den Träger
der Jugendhilfe, weiter.

00:34:35.400 --> 00:34:38.280 align:center line:-2
Das erfolgt gegebenenfalls
durch ein Hilfeplanverfahren,

00:34:38.440 --> 00:34:40.480 align:center line:-1
wenn ein solches durchzuführen ist.

00:34:42.520 --> 00:34:44.280 align:center line:-1
Das kann auch umgekehrt sein,

00:34:44.440 --> 00:34:46.720 align:center line:-1
dass der Träger der Eingliederungshilfe

00:34:46.880 --> 00:34:49.600 align:center line:-2
in der Rolle
des leistenden Reha-Trägers ist

00:34:49.760 --> 00:34:53.560 align:center line:-2
und von der Jugendhilfe
die Bedarfsfeststellung anfordern muss.

00:34:53.720 --> 00:34:59.160 align:center line:-2
Dann haben wir im zweiten Spiegelstrich
die umgekehrte Situation wiederum,

00:34:59.320 --> 00:35:01.120 align:center line:-1
dass der Leistungsträger

00:35:01.280 --> 00:35:05.720 align:center line:-2
sich in der Rolle des
beteiligten Reha-Trägers wiederfindet,

00:35:05.880 --> 00:35:11.720 align:center line:-2
und der leistende Reha-Träger
von ihm Bedarfsfeststellungen anfordert.

00:35:11.880 --> 00:35:16.120 align:center line:-2
Das heißt, er muss
dann Bedarfsfeststellungen zuarbeiten.

00:35:16.280 --> 00:35:18.720 align:center line:-1
Auch hier kann das unter Umständen

00:35:18.880 --> 00:35:22.560 align:center line:-2
im Rahmen
eines Teilhabeplanverfahrens erfolgen.

00:35:26.120 --> 00:35:30.400 align:center line:-2
Dann habe ich noch
drei weitere typische Berührungspunkte.

00:35:30.560 --> 00:35:33.560 align:center line:-2
Es kann sein,
dass eine Teilhabeplankonferenz

00:35:33.720 --> 00:35:35.160 align:center line:-1
durchgeführt wird.

00:35:35.320 --> 00:35:38.840 align:center line:-2
Das ist insbesondere angezeigt
bei sehr komplexen Bedarfen

00:35:39.000 --> 00:35:43.960 align:center line:-2
oder wenn die verschiedenen Träger zu
unterschiedlichen Einschätzungen kommen.

00:35:44.120 --> 00:35:47.040 align:center line:-1
Dann erfolgt das Teilhabeplanverfahren

00:35:47.200 --> 00:35:49.400 align:center line:-1
eben nicht im Umlaufverfahren,

00:35:49.560 --> 00:35:52.800 align:center line:-2
sondern dann macht es Sinn,
eine Konferenz zu machen

00:35:52.960 --> 00:35:54.920 align:center line:-1
und alle an einen Tisch zu setzen.

00:35:55.080 --> 00:35:59.120 align:center line:-2
Das wäre ein typischer
Berührungspunkt der Leistungssysteme.

00:35:59.280 --> 00:36:02.640 align:center line:-2
Dann wäre ein Punkt,
der ein bisschen versteckt ist,

00:36:02.800 --> 00:36:05.880 align:center line:-1
in § 121 Absatz 3 Nummer 3d...

00:36:06.040 --> 00:36:10.280 align:center line:-2
Da kann es sein, dass der Träger
der Jugendhilfe angefragt wird,

00:36:10.440 --> 00:36:14.200 align:center line:-2
bei der Aufstellung
eines Gesamtplans mitzuwirken.

00:36:14.360 --> 00:36:16.040 align:center line:-1
Wenn man davon ausgeht,

00:36:16.200 --> 00:36:21.000 align:center line:-2
dass der zum Beispiel über Hilfen zur
Erziehung oder auf sonstigem Wege

00:36:21.160 --> 00:36:24.680 align:center line:-2
mit dem Leistungsberechtigten
in Kontakt steht

00:36:24.840 --> 00:36:27.640 align:center line:-2
und was Wertvolles beizutragen hat
zum Gesamtplan,

00:36:27.800 --> 00:36:29.400 align:center line:-1
dann macht das durchaus Sinn.

00:36:29.560 --> 00:36:32.160 align:center line:-1
Dann gibt es auch noch die Situation,

00:36:32.320 --> 00:36:37.080 align:center line:-2
eine ähnliche Situation
bei der Erstellung eines Teilhabeplanes.

00:36:37.240 --> 00:36:40.600 align:center line:-2
Da wird der Träger
der Jugendhilfe einbezogen,

00:36:40.760 --> 00:36:42.800 align:center line:-1
bei der Erstellung des Teilhabeplanes,

00:36:42.960 --> 00:36:45.400 align:center line:-2
als sogenannte
"andere öffentliche Stelle".

00:36:45.560 --> 00:36:47.240 align:center line:-1
Das ist in § 22 geregelt,

00:36:47.400 --> 00:36:49.360 align:center line:-2
und da wäre auch
das klassische Beispiel:

00:36:49.520 --> 00:36:51.200 align:center line:-1
Das Jugendamt erbringt

00:36:51.360 --> 00:36:56.200 align:center line:-2
eine Hilfe zur Erziehung der Familie
eines Leistungsberechtigten,

00:36:56.360 --> 00:37:01.200 align:center line:-2
und da macht es Sinn, das Jugendamt
beim Teilhabeplan zu beteiligen.

00:37:01.360 --> 00:37:06.440 align:center line:-2
Vielleicht hat das besonderes Vertrauen
zu dem Leistungsberechtigten aufgebaut

00:37:06.600 --> 00:37:10.560 align:center line:-2
oder kann auf Punkte
des Bedarfs hinweisen, die es kennt.

00:37:10.720 --> 00:37:15.840 align:center line:-2
Das wäre auch ein typischer Fall,
bei dem man einen Berührungspunkt hat.

00:37:16.000 --> 00:37:21.280 align:center line:-2
Ich habe jetzt noch
eine kurze Anmerkung zu § 14 SGB IX.

00:37:22.240 --> 00:37:24.080 align:center line:-1
Da ist die zentrale Frage,

00:37:24.240 --> 00:37:26.640 align:center line:-1
ob der jeweils angegangene Träger

00:37:26.800 --> 00:37:30.440 align:center line:-2
für eine der in Betracht
kommenden Leistungen zuständig ist.

00:37:30.600 --> 00:37:33.640 align:center line:-2
In der Vergangenheit
und auch gegenwärtig

00:37:33.800 --> 00:37:37.760 align:center line:-2
war diese Zuständigkeitsfrage
zwischen dem Träger der Jugendhilfe

00:37:37.920 --> 00:37:39.760 align:center line:-1
und dem der Eingliederungshilfe,

00:37:39.920 --> 00:37:42.360 align:center line:-1
oder früher dem Träger der Sozialhilfe,

00:37:42.520 --> 00:37:46.720 align:center line:-1
häufig umstritten.

00:37:46.880 --> 00:37:49.760 align:center line:-2
Teilweise
wurden die hin und her geschoben.

00:37:49.920 --> 00:37:52.400 align:center line:-2
Oder beide
haben sich für unzuständig erklärt.

00:37:52.560 --> 00:37:56.680 align:center line:-2
Dann musste der
Leistungsberechtigte aufwendig klagen.

00:37:56.840 --> 00:38:01.600 align:center line:-2
Es ist seit 2018 so,
aufgrund der Reformstufe zwei,

00:38:01.760 --> 00:38:07.160 align:center line:-2
dass dieser Zuständigkeitskonflikt,
mehr als früher noch,

00:38:07.320 --> 00:38:10.920 align:center line:-2
nur im Rahmen der Kostenerstattung
ausgetragen werden darf.

00:38:11.080 --> 00:38:13.680 align:center line:-2
Nicht
bei der Bewilligung der Leistungen.

00:38:13.840 --> 00:38:16.760 align:center line:-2
Das ist sehr wichtig
für die Leistungsberechtigten,

00:38:16.920 --> 00:38:19.240 align:center line:-1
damit die zu ihren Leistungen kommen.

00:38:19.400 --> 00:38:24.080 align:center line:-2
Aufgrund des reformierten § 14
ist bei knappen Fristen

00:38:24.240 --> 00:38:27.160 align:center line:-1
der leistende Reha-Träger zu bestimmen.

00:38:27.320 --> 00:38:29.400 align:center line:-1
Und, ähm...

00:38:29.560 --> 00:38:31.160 align:center line:-1
Wenn der bestimmt ist,

00:38:31.320 --> 00:38:35.520 align:center line:-2
hat der die Leistungs- und
Koordinierungsverantwortung.

00:38:35.680 --> 00:38:38.360 align:center line:-2
Also, wenn der Träger
den eher für zuständig hält,

00:38:38.520 --> 00:38:40.600 align:center line:-1
oder vielleicht ist er selbst zuständig,

00:38:40.760 --> 00:38:43.200 align:center line:-2
aber hält einen
anderen Träger für zuständig,

00:38:43.360 --> 00:38:45.960 align:center line:-1
muss er auf eine Kooperation setzen.

00:38:46.120 --> 00:38:49.360 align:center line:-2
Wenn die nicht erfolgt,
muss er die Leistungen erbringen.

00:38:49.520 --> 00:38:54.680 align:center line:-2
Und kann nicht die Leistungen mit
Verweis auf Unzuständigkeit versagen.

00:38:54.840 --> 00:38:59.480 align:center line:-2
Der Zuständigkeitskonflikt kommt erst
bei der Kostenerstattung zum Tragen.

00:38:59.640 --> 00:39:02.960 align:center line:-2
Wenn der leistende
Reha-Träger dann versucht,

00:39:03.120 --> 00:39:08.240 align:center line:-2
von dem eigentlich zuständigen Träger
die Kosten ersetzt zu verlangen.

00:39:09.440 --> 00:39:13.520 align:center line:-2
Und... auf diesen Punkt
wollte ich noch hinweisen,

00:39:13.680 --> 00:39:15.800 align:center line:-1
das wäre sehr wichtig.

00:39:15.960 --> 00:39:17.600 align:center line:-2
-Und...
-(Dehmel) Zu dem...

00:39:17.760 --> 00:39:19.720 align:center line:-1
Wenn ich kurz einhaken darf.

00:39:19.880 --> 00:39:22.200 align:center line:-1
Zu den Fristen gibt es eine Frage:

00:39:22.360 --> 00:39:26.200 align:center line:-2
Wie lange darf ein Träger
für einen Bescheid brauchen?

00:39:26.360 --> 00:39:28.720 align:center line:-2
(Rössel)
Da gibt es verschiedene Fristen.

00:39:28.880 --> 00:39:32.080 align:center line:-1
Das kommt immer auf die Situation an.

00:39:32.240 --> 00:39:35.400 align:center line:-1
Ähm, also, einmal...

00:39:35.560 --> 00:39:38.680 align:center line:-2
Wenn für
die Feststellung des Reha-Bedarfs

00:39:38.840 --> 00:39:41.280 align:center line:-1
kein Gutachten erforderlich ist,

00:39:41.440 --> 00:39:46.560 align:center line:-2
dann läuft eine Entscheidungsfrist
von drei Wochen ab Antragseingang.

00:39:48.480 --> 00:39:51.160 align:center line:-1
Wenn ein Gutachten erforderlich ist,

00:39:51.320 --> 00:39:55.520 align:center line:-2
läuft die Frist zwei Wochen
nach Vorliegen des Gutachtens.

00:39:55.680 --> 00:40:00.960 align:center line:-2
Wenn mehrere Reha-Träger beteiligt sind,
geht der Gesetzgeber davon aus,

00:40:01.120 --> 00:40:04.080 align:center line:-2
dass das Ganze
länger dauert bei der Abstimmung.

00:40:04.240 --> 00:40:06.200 align:center line:-1
Deswegen gibt es da

00:40:06.360 --> 00:40:11.000 align:center line:-2
eine Frist
von sechs Wochen ab Antragseingang.

00:40:11.160 --> 00:40:12.840 align:center line:-1
Eine noch längere Frist

00:40:13.000 --> 00:40:17.000 align:center line:-2
gibt es bei Durchführung
einer Teilhabeplankonferenz.

00:40:17.160 --> 00:40:21.960 align:center line:-2
Da gilt eine Frist
von zwei Monaten nach Antragseingang.

00:40:22.120 --> 00:40:24.440 align:center line:-1
(Dehmel) Okay, alles klar.

00:40:24.600 --> 00:40:26.600 align:center line:-1
Ja, und noch mal als Hinweis,

00:40:26.760 --> 00:40:30.040 align:center line:-2
die Entscheidungsfristen
sind nicht zu verwechseln

00:40:30.200 --> 00:40:32.440 align:center line:-2
mit den Fristen
zur Prüfung der Zuständigkeit,

00:40:32.600 --> 00:40:34.600 align:center line:-1
die beträgt immer zwei Wochen.

00:40:36.880 --> 00:40:38.320 align:center line:-1
Gut, dann...

00:40:39.280 --> 00:40:41.400 align:center line:-1
Klärung der Zuständigkeit.

00:40:41.560 --> 00:40:43.360 align:center line:-1
Ich sagte ja bereits,

00:40:43.520 --> 00:40:45.720 align:center line:-1
die zentrale Frage bei § 14 ist:

00:40:45.880 --> 00:40:48.800 align:center line:-2
Besteht eine Zuständigkeit
für eine der Leistungen?

00:40:48.960 --> 00:40:50.640 align:center line:-1
Wie stellt man das fest?

00:40:50.800 --> 00:40:55.520 align:center line:-2
Wenn man Träger der Jugendhilfe
oder SGB-IX-Eingliederungshilfe ist,

00:40:55.680 --> 00:40:57.440 align:center line:-1
einmal nach der Art der Behinderung,

00:40:57.600 --> 00:40:59.440 align:center line:-1
also liegt eine seelische, geistige,

00:40:59.600 --> 00:41:02.800 align:center line:-2
körperliche
oder Mehrfachbehinderung vor?

00:41:02.960 --> 00:41:06.200 align:center line:-2
Und zusätzlich, wenn eine
seelische oder Mehrfachbehinderung

00:41:06.360 --> 00:41:08.600 align:center line:-1
im Fall abgrenzbarer Bedarfe vorliegt,

00:41:08.760 --> 00:41:14.560 align:center line:-2
muss man schauen, sind die
Voraussetzungen des § 41 erfüllt?

00:41:14.720 --> 00:41:18.640 align:center line:-2
Auf die Voraussetzungen
bin ich ja vorhin eingegangen.

00:41:18.800 --> 00:41:21.440 align:center line:-1
Da verweise ich jetzt nach oben.

00:41:21.600 --> 00:41:23.720 align:center line:-1
Und wenn die nicht vorliegen,

00:41:23.880 --> 00:41:28.720 align:center line:-2
ist der SGB-IX-Eingliederungshilfeträger
zuständig nachrangig.

00:41:28.880 --> 00:41:33.520 align:center line:-2
Das sind hier
die beiden entscheidenden Kriterien.

00:41:33.680 --> 00:41:35.400 align:center line:-1
Ja, und...

00:41:35.560 --> 00:41:38.400 align:center line:-1
Damit sind wir am Ende der Präsentation.

00:41:38.560 --> 00:41:42.400 align:center line:-2
Hier habe ich
noch Vertiefungsmaterial aufgelistet.

00:41:42.560 --> 00:41:46.640 align:center line:-2
Sie bekommen die Power-Point-Folien
später zur Verfügung gestellt.

00:41:46.800 --> 00:41:50.880 align:center line:-2
Alle Aufsätze beziehen sich
auf die Auswirkungen des BTHG

00:41:51.040 --> 00:41:53.120 align:center line:-1
auf die Kinder- und Jugendhilfe konkret.

00:41:53.280 --> 00:41:57.200 align:center line:-2
Ich habe hier sortiert
nach Reformstufe 2 und 3 des BTHG.

00:41:57.360 --> 00:41:59.280 align:center line:-1
Da können Sie auf jeden Fall

00:41:59.440 --> 00:42:03.920 align:center line:-2
die ein oder andere Frage
oder Information noch mal vertiefen.

00:42:04.160 --> 00:42:08.680 align:center line:-2
Ich bedanke mich
für Ihre Aufmerksamkeit.

00:42:08.840 --> 00:42:12.320 align:center line:-2
Und hoffe, es war für alle lehrreich.
Danke schön.

00:42:12.480 --> 00:42:15.880 align:center line:-2
(Dehmel) Vielen Dank
für den interessanten Vortrag,

00:42:16.040 --> 00:42:17.440 align:center line:-1
für die Präsentation.

00:42:17.600 --> 00:42:22.160 align:center line:-2
Und schon als Antwort
auf die ein oder andere Frage,

00:42:22.320 --> 00:42:27.080 align:center line:-2
ich würde Ihnen gleich
noch ein paar Fragen rübergeben,

00:42:27.240 --> 00:42:29.680 align:center line:-2
die uns
in der Zwischenzeit erreicht haben.

00:42:31.680 --> 00:42:34.240 align:center line:-1
Mal gucken, wie viele wir hinkriegen.

00:42:34.400 --> 00:42:37.600 align:center line:-1
Ich bitte da nur um eine kurze Antwort.

00:42:37.760 --> 00:42:40.840 align:center line:-1
Und zwar die erste Frage dreht sich

00:42:41.000 --> 00:42:44.480 align:center line:-2
um die Zuständigkeiten
SGB IX und SGB VIII.

00:42:45.200 --> 00:42:48.800 align:center line:-2
Diese lautet:
Wie ist die Zuständigkeit geregelt,

00:42:48.960 --> 00:42:53.160 align:center line:-2
wenn ein Kind mit geistiger
oder körperlicher Behinderung

00:42:53.320 --> 00:42:54.920 align:center line:-1
aufgrund erzieherischer Bedarfe

00:42:55.080 --> 00:42:58.160 align:center line:-2
in einer Jugendhilfeeinrichtung
untergebracht wird?

00:42:58.320 --> 00:43:02.480 align:center line:-2
(Rössel) Die Zuständigkeit
verändert sich nicht dadurch,

00:43:02.640 --> 00:43:06.440 align:center line:-2
dass zusätzlich
ein erzieherischer Bedarf vorliegt.

00:43:06.600 --> 00:43:10.240 align:center line:-2
Das wäre
also eher eine praktische Frage,

00:43:10.400 --> 00:43:12.400 align:center line:-1
dass man sich fragen müsste,

00:43:12.560 --> 00:43:17.520 align:center line:-2
welche Einrichtung ist dann
geeignet für den Leistungsberechtigten.

00:43:17.680 --> 00:43:20.320 align:center line:-1
Es gibt Einrichtungen,

00:43:21.440 --> 00:43:26.600 align:center line:-2
die sowohl SGB-VIII-
als auch SGB-IX-Leistungen abdecken

00:43:26.760 --> 00:43:28.360 align:center line:-1
in einer Einrichtung.

00:43:28.520 --> 00:43:32.760 align:center line:-2
Dann wäre
eine solche Einrichtung sinnvoll,

00:43:32.920 --> 00:43:36.360 align:center line:-2
wenn in beiden Fällen stationäre
Leistungen zu erbringen sind.

00:43:36.520 --> 00:43:39.240 align:center line:-2
Wenn auch
der behinderungsbedingte Bedarf

00:43:39.400 --> 00:43:43.000 align:center line:-2
mit einer
stationären Leistung erfüllt wird.

00:43:43.160 --> 00:43:47.280 align:center line:-2
Ansonsten ist es auch denkbar,
dass man jemanden

00:43:47.440 --> 00:43:52.280 align:center line:-2
in der stationären Einrichtung
der Jugendhilfe hat.

00:43:52.440 --> 00:43:56.680 align:center line:-2
Der dann darüber hinaus
noch ambulante Leistungen

00:43:56.840 --> 00:44:00.840 align:center line:-2
des Trägers
der SGB-IX-Eingliederungshilfe erbringt.

00:44:01.000 --> 00:44:03.000 align:center line:-1
So, als würde er

00:44:03.160 --> 00:44:06.520 align:center line:-2
also ähnlich, als würde er
zu Hause bei seinen Eltern wohnen.

00:44:06.680 --> 00:44:10.280 align:center line:-2
Und bekäme
dann zusätzlich Assistenzleistungen.

00:44:10.440 --> 00:44:11.960 align:center line:-1
Ja, also insofern...

00:44:12.840 --> 00:44:17.400 align:center line:-2
Die Zuständigkeit wird nicht berührt,
das ist eher eine praktische Frage,

00:44:17.560 --> 00:44:21.200 align:center line:-2
wie der spezifische Bedarf
des Leistungsberechtigten

00:44:21.360 --> 00:44:23.640 align:center line:-1
dann am besten gedeckt wird,

00:44:23.800 --> 00:44:28.120 align:center line:-2
mit welcher Kombination aus
stationären und ambulanten Leistungen.

00:44:29.520 --> 00:44:33.480 align:center line:-2
(Dehmel) Danke. Das dürfte
die Frage beantwortet haben.

00:44:33.640 --> 00:44:35.080 align:center line:-1
Eine weitere Frage,

00:44:35.240 --> 00:44:39.760 align:center line:-2
ganz anderer Art, und zwar
geht es um den Begriff des Gutachtens.

00:44:39.920 --> 00:44:44.080 align:center line:-2
Was ist damit gemeint? Ist damit
eine ärztliche Stellungnahme gemeint?

00:44:45.640 --> 00:44:48.720 align:center line:-2
(Rössel)
Das ist eine sehr umstrittene Frage.

00:44:48.880 --> 00:44:52.400 align:center line:-2
Die werde ich im Detail
nicht beantworten können.

00:44:52.560 --> 00:44:57.560 align:center line:-2
Aber wir können gerne im Nachgang
darüber schriftlich kommunizieren.

00:44:57.720 --> 00:45:00.280 align:center line:-1
Es ist umstritten eben,

00:45:00.440 --> 00:45:05.520 align:center line:-2
ob die ärztliche Stellungnahme
nach § 35a Absatz 1 a

00:45:05.680 --> 00:45:07.440 align:center line:-1
auch als Gutachten

00:45:07.600 --> 00:45:12.520 align:center line:-1
im Sinne von § 17 zu verstehen ist.

00:45:12.680 --> 00:45:14.720 align:center line:-1
Meine Antwort wäre Nein.

00:45:14.880 --> 00:45:19.080 align:center line:-2
Ich meine, wenn man sich
den § 17 so im Detail mal durchliest,

00:45:19.240 --> 00:45:23.080 align:center line:-2
also, da geht es wirklich
um die Details der Auslegung,

00:45:23.240 --> 00:45:28.480 align:center line:-2
aber der passt nicht auf das,
was der § 35a Absatz 1a anordnet.

00:45:28.640 --> 00:45:32.680 align:center line:-2
Und ich
möchte zumindest noch zu bedenken geben,

00:45:33.600 --> 00:45:36.880 align:center line:-2
dass die Problematik,
die für Jugendämter darin besteht,

00:45:37.040 --> 00:45:39.240 align:center line:-1
dass innerhalb von zwei Wochen

00:45:39.400 --> 00:45:42.960 align:center line:-2
eine Frist
zur Prüfung der Zuständigkeit besteht.

00:45:43.120 --> 00:45:46.640 align:center line:-2
In der Zeit
müsste man dieses Gutachten einholen.

00:45:46.800 --> 00:45:49.960 align:center line:-2
So interpretiere ich
das Gesetz jedenfalls.

00:45:50.120 --> 00:45:53.320 align:center line:-1
Das ist auch wieder umstritten.

00:45:53.480 --> 00:45:57.720 align:center line:-2
Aber wenn man...
Entschuldigung, Stellungnahme einholen.

00:45:57.880 --> 00:46:00.680 align:center line:-1
Jetzt bringe ich es auch durcheinander.

00:46:00.840 --> 00:46:05.440 align:center line:-2
Das Jugendamt hat zwei Wochen,
um die Stellungnahme zu bekommen.

00:46:07.160 --> 00:46:08.920 align:center line:-1
Ob man die Stellungnahme

00:46:09.080 --> 00:46:13.080 align:center line:-2
als Gutachten im Sinne
von § 17 SGB IX einordnet oder nicht,

00:46:13.240 --> 00:46:16.360 align:center line:-2
hilft einem
bei der Zwei-Wochen-Frist nicht.

00:46:16.520 --> 00:46:20.640 align:center line:-2
Das Einzige, was sich verlängern würde,
wenn es ein Gutachten wäre,

00:46:20.800 --> 00:46:23.000 align:center line:-1
wäre die Entscheidungsfrist.

00:46:23.160 --> 00:46:25.080 align:center line:-1
Das hat auch einen Vorteil.

00:46:25.240 --> 00:46:27.320 align:center line:-2
Ich würde
es nicht für irrelevant halten.

00:46:27.480 --> 00:46:31.440 align:center line:-2
Aber im Ergebnis würde ich
bei der Auslegung dazu kommen,

00:46:31.600 --> 00:46:35.280 align:center line:-2
dass es sich nicht
um ein Gutachten nach § 17 handelt.

00:46:35.440 --> 00:46:39.120 align:center line:-2
Aber da werden
auch andere Auffassungen vertreten.

00:46:39.280 --> 00:46:41.400 align:center line:-1
Das ist bisher nicht geklärt.

00:46:41.560 --> 00:46:44.240 align:center line:-2
Da verweise ich auch noch mal
auf das Vertiefungsmaterial,

00:46:44.400 --> 00:46:46.760 align:center line:-1
das ich angehängt habe.

00:46:46.920 --> 00:46:52.880 align:center line:-2
Insbesondere das KiJuP-Gutachten
von Frau Schönecker geht darauf ein.

00:46:53.040 --> 00:46:57.520 align:center line:-2
Dort wird das,
wenn ich mich richtig erinnere, bejaht.

00:46:57.680 --> 00:47:01.120 align:center line:-2
In den anderen Aufsätzen
zur Reformstufe 2

00:47:01.280 --> 00:47:03.040 align:center line:-1
wird darauf auch eingegangen.

00:47:03.200 --> 00:47:06.400 align:center line:-2
Die kommen
zu unterschiedlichen Ergebnissen.

00:47:06.560 --> 00:47:09.920 align:center line:-2
Das ist ein Punkt,
der noch geklärt werden muss.

00:47:10.080 --> 00:47:12.000 align:center line:-1
Hoffentlich durch die Rechtsprechung.

00:47:12.160 --> 00:47:15.600 align:center line:-2
(Dehmel)
Gut. Vielen Dank für die Antwort.

00:47:15.760 --> 00:47:18.640 align:center line:-2
Es gibt
noch eine Frage zum Reformprozess.

00:47:19.680 --> 00:47:21.560 align:center line:-1
In der Kinder- und Jugendhilfe.

00:47:21.720 --> 00:47:24.320 align:center line:-1
Konkret zur großen Lösung.

00:47:24.480 --> 00:47:27.680 align:center line:-1
Hier wird um eine Einschätzung gebeten:

00:47:27.840 --> 00:47:32.600 align:center line:-2
Welche Rolle sehen Sie für
den kinder- und jugendärztlichen Dienst

00:47:32.760 --> 00:47:35.560 align:center line:-1
in diesem Reformprozess?

00:47:35.720 --> 00:47:40.000 align:center line:-2
Der kinderärztliche Dienst,
der bisher die Stellungnahmen

00:47:40.160 --> 00:47:43.520 align:center line:-1
für Behinderungen betrieben hat.

00:47:43.680 --> 00:47:45.920 align:center line:-1
(Rössel) Ja, ähm, also...

00:47:46.080 --> 00:47:47.840 align:center line:-1
Also, ich würde sagen...

00:47:49.440 --> 00:47:51.280 align:center line:-1
Ich verstehe die Frage so,

00:47:51.440 --> 00:47:55.800 align:center line:-2
dass der Fragesteller
sich für eine große Lösung ausspricht.

00:47:55.960 --> 00:47:58.080 align:center line:-1
Dann gäbe es die Möglichkeit,

00:47:58.240 --> 00:48:02.680 align:center line:-2
dass man sich dann zum Beispiel,
wenn das möglich ist,

00:48:02.840 --> 00:48:07.680 align:center line:-2
im Rahmen der Sachverständigenanhörungen
im Bundestag einbringt.

00:48:07.840 --> 00:48:12.280 align:center line:-2
In das Gesetzgebungsverfahren
mit der jeweiligen Expertise.

00:48:12.440 --> 00:48:14.040 align:center line:-1
Aber man kann sich auch

00:48:14.200 --> 00:48:19.320 align:center line:-2
in Stellungnahmen
der Fachverbände einbringen.

00:48:20.280 --> 00:48:23.720 align:center line:-1
Und ich fände es allgemein,

00:48:23.880 --> 00:48:29.200 align:center line:-2
für Ärzte und Therapeuten
da noch mal vielleicht wichtig,

00:48:29.920 --> 00:48:34.200 align:center line:-2
dass man klarmacht
in dem Gesetzgebungsverfahren

00:48:34.360 --> 00:48:38.360 align:center line:-2
warum die große Lösung
so viel Sinn macht.

00:48:38.520 --> 00:48:41.400 align:center line:-1
Dass es einfach diese Aufspaltung von...

00:48:41.560 --> 00:48:45.560 align:center line:-2
Also,
Behinderungen folgen in der Realität

00:48:45.720 --> 00:48:48.240 align:center line:-1
nicht den gesetzlichen Kategorien

00:48:48.400 --> 00:48:51.880 align:center line:-1
von seelisch, körperlich, geistig.

00:48:52.040 --> 00:48:54.880 align:center line:-1
Nach diesen Arten von Behinderungen.

00:48:55.040 --> 00:48:57.560 align:center line:-2
Sondern man
muss die bei der Rechtsanwendung

00:48:57.720 --> 00:48:59.280 align:center line:-1
in diese Kategorien reinpressen.

00:48:59.440 --> 00:49:01.720 align:center line:-1
Und es gibt Erkrankungsbilder,

00:49:01.880 --> 00:49:04.480 align:center line:-1
da kann man gar nicht objektiv sagen,

00:49:04.640 --> 00:49:08.440 align:center line:-2
ob das eine seelische
oder geistige Behinderung ist.

00:49:08.600 --> 00:49:12.480 align:center line:-1
Und dass man da noch mal klarmacht,

00:49:12.640 --> 00:49:15.120 align:center line:-1
dass das Gesetz sich da eher

00:49:15.280 --> 00:49:19.640 align:center line:-2
an die medizinischen Phänomene
anpassen sollte.

00:49:19.800 --> 00:49:22.440 align:center line:-1
Als umgekehrt,

00:49:22.600 --> 00:49:28.520 align:center line:-2
dass die Behinderungsbedarfe
in Rechtskategorien gepresst werden.

00:49:28.680 --> 00:49:30.960 align:center line:-1
Deswegen fände ich es sinnvoll,

00:49:31.120 --> 00:49:33.800 align:center line:-1
wenn man zu einer großen Lösung kommt

00:49:33.960 --> 00:49:37.480 align:center line:-2
und die Leistungen
zusammenzieht im SGB VIII.

00:49:37.640 --> 00:49:40.680 align:center line:-1
In diese Richtung könnte man hinwirken.

00:49:40.840 --> 00:49:42.400 align:center line:-1
(Dehmel) Okay, vielen Dank.

00:49:42.560 --> 00:49:46.680 align:center line:-2
Herr Rössel, vielen Dank
für die Beantwortung der Fragen,

00:49:46.840 --> 00:49:48.960 align:center line:-1
die hier reingekommen sind.

00:49:49.120 --> 00:49:50.720 align:center line:-1
Alle weiteren Fragen,

00:49:50.880 --> 00:49:55.240 align:center line:-2
die wir in diesem Rahmen
nicht mündlich beantworten konnten,

00:49:55.400 --> 00:49:58.080 align:center line:-1
werden wir schriftlich beantworten.

00:49:58.240 --> 00:50:02.000 align:center line:-2
Beziehungsweise
im BTHG-Kompass veröffentlichen.

00:50:02.480 --> 00:50:06.120 align:center line:-1
Ich bedanke mich bei Max Rössel

00:50:06.280 --> 00:50:09.480 align:center line:-2
für seine Präsentation,
für seinen Vortrag,

00:50:09.640 --> 00:50:14.360 align:center line:-2
und das zur Verfügung stehen,
für Fragen und Antworten.

00:50:14.520 --> 00:50:17.840 align:center line:-2
Und ich bedanke mich auch bei Ihnen,
liebe Teilnehmende,

00:50:18.000 --> 00:50:21.880 align:center line:-2
für den regen Austausch,
für Ihre Fragen.

00:50:22.040 --> 00:50:23.720 align:center line:-1
Und, ähm...

00:50:23.880 --> 00:50:27.960 align:center line:-2
gebe zur Verabschiedung
das Wort noch mal an Herrn Rössel.

00:50:28.120 --> 00:50:31.520 align:center line:-2
(Rössel) Ich möchte mich
auch bedanken für die Beteiligung,

00:50:31.680 --> 00:50:34.480 align:center line:-2
für die interessanten Fragen,
das hat Spaß gemacht.

00:50:34.640 --> 00:50:39.240 align:center line:-2
Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.
Danke schön. Schönen Tag Ihnen noch.