﻿WEBVTT

00:00:00.080 --> 00:00:03.880 align:center line:-2
(Tristan Fischer) Liebe Teilnehmenden,
willkommen zur Veranstaltung

00:00:04.040 --> 00:00:07.120 align:center line:-2
"Die neuen Leistungsarten
zur Teilhabe am Arbeitsleben:

00:00:07.280 --> 00:00:11.680 align:center line:-2
Instrumente für die erfolgreiche Integration
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt".

00:00:11.840 --> 00:00:13.840 align:center line:-1
Wie Sie gesehen haben,

00:00:14.000 --> 00:00:20.000 align:center line:-2
setzt sich die Veranstaltung zusammen
aus Live-Events und aus einer Aufzeichnung.

00:00:20.160 --> 00:00:25.000 align:center line:-2
Ich begrüße Sie recht herzlich
zu dieser Aufzeichnung.

00:00:25.160 --> 00:00:30.200 align:center line:-1
Hierbei wird uns Frau Dr. Katja Nebe

00:00:30.360 --> 00:00:34.920 align:center line:-2
etwas erzählen über die neuen Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben

00:00:35.080 --> 00:00:38.600 align:center line:-1
im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes.

00:00:39.560 --> 00:00:42.880 align:center line:-2
Ich hoffe,
Sie hören sich die Aufzeichnung an.

00:00:43.040 --> 00:00:48.480 align:center line:-1
Frau Nebe beantwortet dazu am 29.09. Fragen.

00:00:48.640 --> 00:00:51.920 align:center line:-1
Die Fragen können Sie an mich schicken.

00:00:52.080 --> 00:00:54.920 align:center line:-2
Die müssten Sie
bei der Einladung bekommen haben.

00:00:55.080 --> 00:00:57.760 align:center line:-1
Ich sage sie auch noch mal. Das ist:

00:00:57.920 --> 00:01:04.640 align:center line:-1
fischer@umsetzungsbegleitung-bthg.de

00:01:04.800 --> 00:01:07.880 align:center line:-1
Zögern Sie nicht, stellen Sie Fragen.

00:01:08.040 --> 00:01:10.680 align:center line:-1
Das würden wir uns sehr wünschen.

00:01:10.840 --> 00:01:15.720 align:center line:-1
Ich erhoffe mir einen interessanten Vortrag

00:01:15.880 --> 00:01:19.800 align:center line:-1
und übergebe das Wort an Frau Dr. Nebe.

00:01:20.760 --> 00:01:24.200 align:center line:-2
(Dr. Nebe) Danke, Herr Fischer,
für die freundliche Einleitung.

00:01:24.360 --> 00:01:30.080 align:center line:-2
Das ist eine neue Form eines Diskurses,
eines Austauschs.

00:01:30.240 --> 00:01:35.000 align:center line:-2
Man produziert jetzt sozusagen
erst mal etwas für die Konserve,

00:01:35.160 --> 00:01:39.680 align:center line:-2
und stellt das dann aber
den Teilnehmenden zur Verfügung,

00:01:39.840 --> 00:01:43.240 align:center line:-2
um dann wieder
in einen aktiven Dialog zu treten.

00:01:43.400 --> 00:01:46.280 align:center line:-2
Ich freue mich
auf diese Gelegenheit und hoffe,

00:01:46.440 --> 00:01:51.480 align:center line:-2
dass ich mit den Ausführungen
in den nächsten 45 bis maximal 60 Minuten

00:01:51.640 --> 00:01:56.280 align:center line:-1
Ihnen hier auch Neues vermitteln kann.

00:01:56.440 --> 00:02:00.000 align:center line:-2
Es geht um neue Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben.

00:02:00.160 --> 00:02:04.800 align:center line:-1
Ich habe mir eine Gliederung vorgenommen,

00:02:04.960 --> 00:02:06.920 align:center line:-1
die Sie hier auf der Folie sehen.

00:02:07.080 --> 00:02:12.400 align:center line:-2
Ich stelle meinen inhaltlichen Ausführungen
immer erst eine Einleitung voran.

00:02:12.560 --> 00:02:15.200 align:center line:-2
Denn wir sind
in einem großen Umbruchprozess.

00:02:15.360 --> 00:02:19.000 align:center line:-2
Das Bundesteilhabegesetz
will die große Reform erreichen.

00:02:19.160 --> 00:02:25.440 align:center line:-2
Und die Reform beginnt mit
unserer Einstellung, unserer Vergewisserung.

00:02:25.600 --> 00:02:30.000 align:center line:-2
Und dafür braucht es immer wieder,
auch in der Einleitung solcher Vorträge,

00:02:30.160 --> 00:02:36.600 align:center line:-2
die Beschreibung: Was bedeutet die Reform,
was bedeutet Leitbildwechsel?

00:02:36.760 --> 00:02:39.600 align:center line:-2
Dazu gestatten Sie mir
ein paar Ausführungen,

00:02:39.760 --> 00:02:44.000 align:center line:-2
bevor ich zu den neuen Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben komme.

00:02:44.160 --> 00:02:50.240 align:center line:-2
Als Arbeits- und Sozialrechtlerin
ist es mir immer ein Anliegen,

00:02:50.400 --> 00:02:53.040 align:center line:-2
nicht nur
das eine Rechtsgebiet zu beleuchten,

00:02:53.200 --> 00:02:57.480 align:center line:-2
also nicht nur das Sozialrecht,
um das es hier in erster Linie geht,

00:02:57.640 --> 00:03:02.680 align:center line:-2
sondern genauso auch einen Blick
auf die betriebliche Arbeitswelt zu werfen.

00:03:02.840 --> 00:03:06.720 align:center line:-2
Das heißt, zu schauen,
wer die Akteure in den Betrieben sind,

00:03:06.880 --> 00:03:12.880 align:center line:-2
die dann für Inklusion in Betrieben
und Dienststellen mitverantwortlich sind

00:03:13.040 --> 00:03:16.800 align:center line:-2
und dort genauso das Sozialrecht
wirksam werden lassen müssen.

00:03:16.960 --> 00:03:19.360 align:center line:-1
So ist auch dieser Vortrag gestaltet.

00:03:19.520 --> 00:03:24.120 align:center line:-2
Nach dem Blick auf die LTA
gehen wir in die betriebliche Welt.

00:03:24.280 --> 00:03:26.280 align:center line:-1
Am Ende schauen wir auch,

00:03:26.440 --> 00:03:32.440 align:center line:-2
was bedeutet Mitwirkung oder Unterstützung
z. B. durch die Schwerbehindertenvertretung?

00:03:33.880 --> 00:03:35.200 align:center line:-1
Das ist der Fahrplan.

00:03:35.360 --> 00:03:38.480 align:center line:-2
Moment,
jetzt habe ich die Folie nur vergrößert.

00:03:38.720 --> 00:03:42.800 align:center line:-2
So. Ich verkleinere noch mal,
damit alles sichtbar ist.

00:03:43.640 --> 00:03:48.240 align:center line:-2
Ausganspunkt ist für uns
mit dem Bundesteilhabegesetz das Ziel,

00:03:48.400 --> 00:03:51.760 align:center line:-2
die UN-Behindertenrechtskonvention
umzusetzen.

00:03:51.920 --> 00:03:54.600 align:center line:-1
Die UN-Behindertenrechtskonvention

00:03:54.760 --> 00:03:59.880 align:center line:-2
definiert die Menschenrechte für Menschen
mit Behinderung in allen Lebensbereichen.

00:04:00.040 --> 00:04:02.320 align:center line:-1
Das heißt also auch für die Arbeitswelt.

00:04:03.080 --> 00:04:10.600 align:center line:-2
Das heißt für die gleichberechtigte Teilhabe
am allgemeinen Arbeitsmarkt,

00:04:10.760 --> 00:04:15.480 align:center line:-2
dass vor allem das Diskriminierungsverbot
umgesetzt werden muss.

00:04:15.640 --> 00:04:18.440 align:center line:-1
Und das geschieht am besten,

00:04:18.600 --> 00:04:21.800 align:center line:-2
indem angemessen
Vorkehrungen ergriffen werden.

00:04:21.960 --> 00:04:24.440 align:center line:-1
Nur den Appell immer wieder zu formulieren,

00:04:24.600 --> 00:04:28.360 align:center line:-2
"Menschen mit Behinderung
dürfen nicht diskriminiert werden",

00:04:28.520 --> 00:04:31.080 align:center line:-2
damit sind wir nur
auf der halben Wegstrecke.

00:04:31.240 --> 00:04:36.160 align:center line:-2
Denn wie gleichberechtigte Teilhabe
tatsächlich verwirklicht wird,

00:04:36.320 --> 00:04:40.440 align:center line:-2
das zeigt sich dann,
wenn wir nach geeigneten Maßnahmen schauen,

00:04:40.600 --> 00:04:45.640 align:center line:-2
mit denen wir z. B. Barrieren überwinden
und Inklusionshemmnisse abbauen.

00:04:45.800 --> 00:04:49.880 align:center line:-2
Damit machen wir Lebensbereiche,
in unserem Fall die Arbeitswelt,

00:04:50.040 --> 00:04:52.840 align:center line:-1
tatsächlich zugänglich für alle.

00:04:53.000 --> 00:04:56.640 align:center line:-2
Dass das Ganze
auch selbstbestimmt wahrgenommen wird,

00:04:56.800 --> 00:05:00.720 align:center line:-2
also nicht paternalistisch,
nicht über die Köpfe hinweg,

00:05:00.880 --> 00:05:05.480 align:center line:-2
sondern von den Menschen mit Behinderung
selbst und autonom wahrgenommen wird,

00:05:05.640 --> 00:05:07.120 align:center line:-1
ist selbstverständlich.

00:05:07.280 --> 00:05:10.240 align:center line:-2
Da es aber in der Praxis
nicht überall umgesetzt ist,

00:05:10.400 --> 00:05:12.520 align:center line:-1
ist es hier mit aufgeführt.

00:05:13.880 --> 00:05:16.040 align:center line:-1
Ich sage immer,

00:05:16.200 --> 00:05:22.200 align:center line:-2
weil ich auch das Arbeitsrecht seit Jahren
in diesem Bereich intensiv beforsche:

00:05:22.360 --> 00:05:25.440 align:center line:-1
Wir brauchen hier den Leitbildwechsel.

00:05:25.600 --> 00:05:27.440 align:center line:-1
Das müssen wir uns klarmachen.

00:05:27.600 --> 00:05:32.400 align:center line:-2
Anders kommen wir nicht
von bislang exkludierenden Arbeitswelten

00:05:32.560 --> 00:05:36.920 align:center line:-2
irgendwann in der Zukunft
zu inklusiven Arbeitswelten.

00:05:37.080 --> 00:05:41.240 align:center line:-2
Wir sind noch lange nicht
in einer inklusiven Arbeitswelt.

00:05:41.400 --> 00:05:45.080 align:center line:-2
Aber wir sind auf dem Weg dahin,
der Gesetzgeber gibt es uns vor.

00:05:45.240 --> 00:05:49.640 align:center line:-1
Das BTHG soll dieses Ziel erreichen.

00:05:49.800 --> 00:05:54.720 align:center line:-2
Das heißt, bisher,
Sonderarbeitswelten, Sonderwelten.

00:05:54.880 --> 00:05:58.280 align:center line:-2
Bestes Beispiel
ist die Werkstatt für behinderte Menschen.

00:05:58.440 --> 00:06:02.120 align:center line:-1
Die sollen möglichst überwunden werden.

00:06:02.280 --> 00:06:07.120 align:center line:-1
Und auf Beeinträchtigungen,

00:06:07.280 --> 00:06:12.560 align:center line:-2
die Menschen von Geburt an
oder im Lebensverlauf erfahren können,

00:06:12.720 --> 00:06:16.120 align:center line:-1
soll nicht exkludierend reagiert werden.

00:06:16.280 --> 00:06:21.200 align:center line:-2
Sondern es soll im besten Fall
präventiv gestaltet, vorgebeugt werden.

00:06:21.360 --> 00:06:24.920 align:center line:-2
Das Arbeitsrecht und das Sozialrecht
sollen zusammenwirken.

00:06:25.080 --> 00:06:28.160 align:center line:-2
Nicht das Arbeitsrecht
für den "Normalarbeitnehmer"

00:06:28.320 --> 00:06:31.120 align:center line:-1
und Sozialrecht für sozial Bedürftige.

00:06:31.280 --> 00:06:34.480 align:center line:-2
Risikoverwirklichung an Schnittstellen
heißt:

00:06:34.640 --> 00:06:38.240 align:center line:-2
kaum Übergänge
von einem Sozialsystem zum nächsten.

00:06:38.400 --> 00:06:41.600 align:center line:-1
Das ist das alte, das tradierte Leitbild.

00:06:41.760 --> 00:06:43.360 align:center line:-1
Von dem wollen wir weg.

00:06:43.520 --> 00:06:47.800 align:center line:-2
Wir wollen hin
zu einem Leitbild der Inklusion.

00:06:48.680 --> 00:06:52.240 align:center line:-1
Moment, nächste Folie.

00:06:52.400 --> 00:06:55.360 align:center line:-2
Wir brauchen vor allem
Prävention und Vorausschau.

00:06:55.520 --> 00:06:59.120 align:center line:-2
Wir brauchen Diskriminierungsschutz
und Teilhabesicherung.

00:06:59.280 --> 00:07:01.040 align:center line:-1
Das heißt in erster Linie auch:

00:07:01.200 --> 00:07:05.240 align:center line:-2
Sensibilisierung aller Menschen,
die in der Arbeitswelt aktiv sind.

00:07:05.400 --> 00:07:07.680 align:center line:-1
Das heißt, nicht nur Sensibilisierung

00:07:07.840 --> 00:07:11.440 align:center line:-2
von Sozialleistungsträgern
und Sozialleistungserbringern,

00:07:11.600 --> 00:07:15.640 align:center line:-2
sondern auch Sensibilisierung
von Arbeitnehmern und Arbeitgebern,

00:07:15.800 --> 00:07:19.520 align:center line:-2
von Belegschaften
und Interessenvertretungen.

00:07:19.680 --> 00:07:21.480 align:center line:-1
Ich habe es schon angesprochen,

00:07:21.640 --> 00:07:25.160 align:center line:-2
wir brauchen das Zusammenwirken
von Privat- und Sozialrecht.

00:07:25.320 --> 00:07:27.240 align:center line:-1
Das Sozialrecht soll dazu dienen,

00:07:27.400 --> 00:07:31.000 align:center line:-2
selbstbestimmtes Leben
für jeden einzeln gestalten zu können.

00:07:31.160 --> 00:07:34.240 align:center line:-1
Und wir brauchen Management an Nahtstellen.

00:07:34.400 --> 00:07:38.880 align:center line:-2
Da sind wieder auch Sozialleistungsträger
und -erbringer gefragt.

00:07:39.040 --> 00:07:41.120 align:center line:-1
Das sehen wir gleich im Einzelnen.

00:07:42.320 --> 00:07:45.920 align:center line:-1
Dieser Leitbildwechsel wird erreicht durch,

00:07:46.080 --> 00:07:48.960 align:center line:-1
und da sind wir schon mitten im BTHG,

00:07:49.120 --> 00:07:52.120 align:center line:-2
der wird erreicht
durch Leistungsprinzipien wie:

00:07:52.280 --> 00:07:54.960 align:center line:-1
Leistungsgewährung wie aus einer Hand,

00:07:55.120 --> 00:07:58.360 align:center line:-2
lebensverlaufsorientierte
Bedarfsfeststellung,

00:07:58.520 --> 00:08:02.960 align:center line:-1
partizipatorische Bedarfsfeststellung.

00:08:03.760 --> 00:08:09.640 align:center line:-2
Die Übergänge von den Sonderwelten
in den allgemeinen Arbeitsmarkt,

00:08:09.800 --> 00:08:13.600 align:center line:-2
dafür stellt der Gesetzgeber
neue Leistungen zur Verfügung.

00:08:13.760 --> 00:08:15.760 align:center line:-1
Um die soll es nachher im Kern gehen.

00:08:15.920 --> 00:08:19.760 align:center line:-2
Das Budget für Arbeit und
das Budget für Ausbildung sind dazugekommen.

00:08:19.920 --> 00:08:23.480 align:center line:-2
Aber wir werden uns auch kurz
mit inklusiver Bildung befassen,

00:08:23.640 --> 00:08:27.680 align:center line:-1
mit Berufszugang durch Hochschulstudium.

00:08:27.840 --> 00:08:32.640 align:center line:-2
Das Ganze geht natürlich nicht
ohne inklusive Sozialraumorientierung.

00:08:32.800 --> 00:08:36.200 align:center line:-2
Das will ich an der Stelle
einmal kurz ansprechen.

00:08:36.360 --> 00:08:40.880 align:center line:-2
Wenn Menschen aus der Werkstatt
in den allgemeinen Arbeitsmarkt gehen

00:08:41.040 --> 00:08:43.160 align:center line:-1
und ihnen der Übergang gelingen soll,

00:08:43.320 --> 00:08:46.560 align:center line:-2
brauchen sie
nicht nur Unterstützung in den Betrieben.

00:08:46.720 --> 00:08:49.960 align:center line:-2
Dann brauchen sie auch
barrierefreien Wohnraum,

00:08:50.120 --> 00:08:53.440 align:center line:-1
barrierefreie Kultur- und Freizeitangebote.

00:08:53.600 --> 00:08:57.080 align:center line:-1
Der gesamte Sozialraum ist betroffen.

00:08:57.240 --> 00:09:01.800 align:center line:-2
Das hier einmal angetippt,
aber darauf liegt heute nicht der Fokus.

00:09:04.360 --> 00:09:08.000 align:center line:-2
Man kommt nicht umhin,
sich immer diese Übersicht klarzumachen,

00:09:08.160 --> 00:09:11.760 align:center line:-2
denn wir bleiben unverändert
im gegliederten System.

00:09:11.920 --> 00:09:17.040 align:center line:-2
Und wenn wir uns bei diesem Vortrag,
bei der Themenstellung

00:09:17.200 --> 00:09:20.040 align:center line:-2
"Neue Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben"

00:09:20.200 --> 00:09:26.720 align:center line:-2
mal anschauen, wer dafür zuständig ist,
dann sehen wir das in der dritten Zeile:

00:09:26.880 --> 00:09:30.680 align:center line:-2
Das sind die Bundesagentur,
die gesetzliche Unfallversicherung,

00:09:30.840 --> 00:09:33.040 align:center line:-1
die gesetzliche Rentenversicherung,

00:09:33.200 --> 00:09:36.040 align:center line:-2
aber auch Eingliederungshilfe
und Jugendhilfe.

00:09:36.200 --> 00:09:43.520 align:center line:-2
Allein diese Vielzahl der Leistungsträger,
die hier nicht mal vollständig genannt sind,

00:09:43.680 --> 00:09:47.120 align:center line:-2
macht wieder deutlich,
dass das herausforderungsvoll ist.

00:09:47.280 --> 00:09:53.480 align:center line:-2
Es ist herausforderungsvoll,
im Lebensverlauf die Bedarfe festzustellen

00:09:53.640 --> 00:09:57.200 align:center line:-1
und dann auch nahtlos zu gewähren,

00:09:57.360 --> 00:10:01.360 align:center line:-2
wenn hier z. B. auch
Zuständigkeitswechsel stattfinden.

00:10:02.840 --> 00:10:07.760 align:center line:-2
Auch wenn das nicht speziell die Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben sind,

00:10:07.920 --> 00:10:10.360 align:center line:-1
aber die allgemeinen Verfahrensregeln

00:10:10.520 --> 00:10:14.200 align:center line:-2
spielen für jede Leistungsart
eine zentrale Rolle.

00:10:14.360 --> 00:10:17.720 align:center line:-2
Gerade auch für die Ermessung
zur Teilhabe am Arbeitsleben.

00:10:17.880 --> 00:10:22.080 align:center line:-2
Deshalb möchte ich hier
noch mal auf die Grundsätze hinweisen,

00:10:22.240 --> 00:10:25.560 align:center line:-2
in der Bedarfsfeststellung
und Leistungsgewährung.

00:10:25.720 --> 00:10:30.160 align:center line:-2
Das BTHG
hat das SGB IX noch mal nachgeschärft.

00:10:30.320 --> 00:10:34.520 align:center line:-2
Es geht, wie seit den 70-Jahren
im Reha-Angleichungsgesetz,

00:10:34.680 --> 00:10:37.000 align:center line:-1
bis heute im SGB IX darum,

00:10:37.160 --> 00:10:42.040 align:center line:-2
dass die Leistungen
bedarfsgerecht festgestellt

00:10:42.200 --> 00:10:44.960 align:center line:-1
und dann wie aus einer Hand gewährt werden.

00:10:45.120 --> 00:10:49.560 align:center line:-2
Und, um mal zwei Vorschriften zu zitieren,
§ 4 Abs. 2 S. 2:

00:10:49.720 --> 00:10:52.440 align:center line:-2
"Die Leistungsträger
erbringen die Leistungen

00:10:52.600 --> 00:10:55.600 align:center line:-2
im Rahmen der
für sie geltenden Rechtsvorschriften

00:10:55.760 --> 00:11:01.160 align:center line:-2
nach Lage des Einzelfalls so vollständig,
umfassend und in gleicher Qualität,

00:11:01.320 --> 00:11:06.200 align:center line:-2
dass Leistungen eines anderen Trägers
möglichst nicht erforderlich werden."

00:11:06.360 --> 00:11:10.320 align:center line:-2
Das kann heißen,
bei Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben,

00:11:10.480 --> 00:11:13.640 align:center line:-1
wenn z. B. bestimmte Leistungen

00:11:13.800 --> 00:11:19.800 align:center line:-2
zur psychosozialen Stärkung
des Rehabilitanden erforderlich sind,

00:11:19.960 --> 00:11:23.760 align:center line:-2
dass man dann im Leistungsbereich
der LTA-Zuständigkeit bleibt

00:11:23.920 --> 00:11:27.760 align:center line:-2
und nicht
auf einen anderen Leistungsträger verweist,

00:11:27.920 --> 00:11:32.560 align:center line:-2
der für eine andere Leistungsgruppe
zuständig ist.

00:11:33.920 --> 00:11:37.440 align:center line:-1
Und wir haben den § 19 Abs. 1 SGB IX:

00:11:37.600 --> 00:11:40.680 align:center line:-2
"Soweit Leistungen
verschiedener Leistungsgruppen

00:11:40.840 --> 00:11:43.360 align:center line:-1
oder mehrerer Träger erforderlich sind,

00:11:43.520 --> 00:11:46.560 align:center line:-2
ist der leistende Reha-Träger
dafür verantwortlich,

00:11:46.720 --> 00:11:50.600 align:center line:-2
die nach dem individuellen Bedarf
voraussichtlich erforderlichen Leistungen

00:11:50.760 --> 00:11:54.720 align:center line:-2
hinsichtlich Ziel, Art und Umfang
funktionsbezogen festzustellen

00:11:54.880 --> 00:11:57.800 align:center line:-2
und schriftlich oder elektronisch
so zusammenzustellen,

00:11:57.960 --> 00:12:00.320 align:center line:-1
dass sie nahtlos ineinandergreifen."

00:12:00.480 --> 00:12:02.080 align:center line:-1
Wir werden nachher sehen,

00:12:02.240 --> 00:12:06.040 align:center line:-2
dass gerade für die neuen Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben,

00:12:06.200 --> 00:12:09.480 align:center line:-1
sprich für das Budget für Ausbildung,

00:12:09.640 --> 00:12:13.200 align:center line:-2
das Budget für Arbeit
und für die anderen Leistungen,

00:12:13.360 --> 00:12:15.320 align:center line:-1
dass diese...

00:12:15.480 --> 00:12:19.080 align:center line:-2
dass diese Bedarfsfeststellung
und der Teilhabeplan

00:12:19.240 --> 00:12:23.760 align:center line:-2
mit dieser Vorausschau,
was aufeinander aufbaut,

00:12:23.920 --> 00:12:27.160 align:center line:-2
das frühzeitig festzustellen,
das ist sehr wichtig,

00:12:27.320 --> 00:12:31.360 align:center line:-2
damit die Menschen
am allgemeinen Arbeitsmarkt bleiben

00:12:31.520 --> 00:12:36.080 align:center line:-2
und nicht wieder in die Eingliederungshilfe
zurückgesteuert werden.

00:12:39.280 --> 00:12:44.240 align:center line:-2
Wie gesagt, für die Leistung
zur Teilhabe am Arbeitsleben

00:12:44.400 --> 00:12:48.360 align:center line:-2
nimmt der Teilhabeplan
eine wichtige Steuerungsfunktion ein.

00:12:48.520 --> 00:12:52.520 align:center line:-2
Der leistende Reha-Träger
erstellt also den Teilhabeplan

00:12:52.680 --> 00:12:58.680 align:center line:-2
und muss diesen dann auch für den Verlauf
der Rehabilitation immer wieder anpassen.

00:12:58.840 --> 00:13:00.480 align:center line:-1
Nach meiner Beobachtung

00:13:00.720 --> 00:13:05.640 align:center line:-2
wird diese Rechtspflicht
von den Trägern bislang

00:13:05.800 --> 00:13:10.400 align:center line:-1
nur mit großen Reserven beachtet.

00:13:10.560 --> 00:13:15.880 align:center line:-2
Hier haben wir noch deutliche
Umsetzungsdefizite in der Rechtspraxis.

00:13:18.280 --> 00:13:25.080 align:center line:-2
Wenn es um die Bedarfsfeststellung
und den Teilhabeplan geht,

00:13:25.240 --> 00:13:28.040 align:center line:-1
möchte ich ein Schlagwort aufgreifen:

00:13:28.200 --> 00:13:31.560 align:center line:-2
Die lebensverlaufsorientierte
Bedarfsfeststellung.

00:13:33.520 --> 00:13:40.440 align:center line:-2
Hier arbeite ich mit einem Begriff,
den wir im Arbeitsrecht erforscht haben,

00:13:40.600 --> 00:13:43.480 align:center line:-1
der das Arbeitsrecht neu prägt.

00:13:43.640 --> 00:13:50.200 align:center line:-2
Das Arbeitsrecht ist nicht gekennzeichnet
durch starre Passagen.

00:13:50.360 --> 00:13:54.760 align:center line:-2
Als der Mensch, der in das Arbeitsleben
mit der Berufsausbildung eintritt,

00:13:54.920 --> 00:13:59.680 align:center line:-2
der im Laufe seines Erwerbslebens
Familie gründet, meist Kinder bekommt...

00:13:59.840 --> 00:14:02.000 align:center line:-1
Irgendwann werden die Kinder älter,

00:14:02.160 --> 00:14:07.160 align:center line:-2
dann tritt die Pflege von Angehörigen
anstelle der Versorgung der Kinder.

00:14:07.320 --> 00:14:09.640 align:center line:-1
Und dann werden die Menschen älter,

00:14:09.800 --> 00:14:15.440 align:center line:-2
die Arbeitsbedürfnisse verändern sich,
die Belastungsfähigkeit verändert sich,

00:14:15.600 --> 00:14:18.280 align:center line:-2
und irgendwann
ist der Übergang in den Ruhestand.

00:14:18.440 --> 00:14:21.160 align:center line:-1
Also der Mensch als derjenige,

00:14:21.320 --> 00:14:26.200 align:center line:-2
an dem sich die Arbeitsgestaltung
ausrichten muss,

00:14:26.360 --> 00:14:29.960 align:center line:-1
das beschreiben wir heute mit dem Begriff

00:14:30.120 --> 00:14:34.240 align:center line:-2
der Lebensverlaufsorientierung
des Arbeitsverhältnisses.

00:14:34.400 --> 00:14:38.320 align:center line:-2
Diesen Begriff würde ich gerne
auf die Rehabilitation übertragen.

00:14:38.480 --> 00:14:43.600 align:center line:-2
Gerade wenn Menschen
mit Beeinträchtigungen durchs Leben gehen,

00:14:43.760 --> 00:14:48.520 align:center line:-2
die sich nicht wegkurieren lassen,
wie das von manchen noch angenommen wird,

00:14:48.680 --> 00:14:52.800 align:center line:-2
sondern wo die Barrieren
sich möglicherweise im Leben verändern,

00:14:52.960 --> 00:14:57.400 align:center line:-2
wo die Inklusionshemmnisse,
je nach Lebenswelt, sich neu stellen.

00:14:57.560 --> 00:14:59.160 align:center line:-1
Da ist es umso wichtiger,

00:14:59.320 --> 00:15:03.440 align:center line:-2
dass wir lebensverlaufsorientiert
Bedarfe feststellen und ermitteln.

00:15:03.600 --> 00:15:09.600 align:center line:-2
Und dass wir Leistungen dann auch nahtlos,
zügig und wie aus einer Hand gewähren.

00:15:09.960 --> 00:15:13.640 align:center line:-2
Personenzentrierung
oder Lebensverlaufsorientierung

00:15:13.800 --> 00:15:17.320 align:center line:-2
sind wichtige Kriterien
bei der Bedarfsfeststellung,

00:15:17.480 --> 00:15:21.520 align:center line:-2
auch, wenn es um die Leistung
zur Teilhabe am Arbeitsleben geht.

00:15:21.680 --> 00:15:25.280 align:center line:-2
Das Denken vom Menschen aus,
was der Mensch wann braucht,

00:15:25.440 --> 00:15:28.720 align:center line:-1
ist dabei jeweils einzubeziehen,

00:15:28.880 --> 00:15:32.320 align:center line:-1
und nicht das Denken von Institutionen aus.

00:15:33.880 --> 00:15:38.320 align:center line:-2
Und da lassen sich,
wenn man nur auf die Arbeitswelt schaut,

00:15:38.480 --> 00:15:40.760 align:center line:-1
mit ganz wenigen Stichworten

00:15:40.920 --> 00:15:44.960 align:center line:-2
verschiedene Szenarien
noch mal vor Augen führen.

00:15:45.120 --> 00:15:48.880 align:center line:-2
Ich beginne mit jemandem,
der langjährig beschäftigt ist,

00:15:49.040 --> 00:15:51.560 align:center line:-1
und möglicherweise bis dahin

00:15:51.720 --> 00:15:57.240 align:center line:-2
von keinen krankheitsbedingten
Beeinträchtigungen betroffen war.

00:15:57.400 --> 00:16:00.560 align:center line:-2
Und dann erfährt
derjenige einen Arbeitsunfall.

00:16:00.720 --> 00:16:03.280 align:center line:-1
Dann ist in diesen Situationen

00:16:03.440 --> 00:16:07.400 align:center line:-2
rehabilitationstechnisch
noch die beste Situation gegeben.

00:16:07.560 --> 00:16:09.640 align:center line:-1
Die Unfallversicherung greift.

00:16:09.800 --> 00:16:14.840 align:center line:-2
Wenn die Unfallversicherung nicht greift,
wie bei langjährig Beschäftigten,

00:16:15.000 --> 00:16:19.240 align:center line:-2
die durch eine Langzeiterkrankung
beeinträchtigt werden,

00:16:19.400 --> 00:16:22.480 align:center line:-2
mit Aussteuerung
aus der Krankenversicherung,

00:16:22.640 --> 00:16:25.560 align:center line:-1
anschließender Arbeitslosenversicherung,

00:16:25.720 --> 00:16:30.440 align:center line:-2
und dann die typische Abwärtsspirale
über SGB-2-Leistungen, Jobcenter,

00:16:30.600 --> 00:16:35.560 align:center line:-2
bis hin zur Erwerbsminderungsrente
und Zuständigkeit der Rentenversicherung.

00:16:35.720 --> 00:16:39.760 align:center line:-2
Hier haben wir große Exklusionspfade
und wir müssen umstellen,

00:16:39.920 --> 00:16:43.080 align:center line:-2
damit die Menschen
auch nach Langzeiterkrankung

00:16:43.240 --> 00:16:47.120 align:center line:-2
immer wieder die Chance
auf Rückkehr in die Arbeitswelt haben

00:16:47.280 --> 00:16:49.440 align:center line:-1
und diese aktiv unterstützt wird.

00:16:49.600 --> 00:16:53.040 align:center line:-2
Gehen wir noch einen Schritt zurück
im Lebensverlauf.

00:16:53.200 --> 00:16:55.240 align:center line:-1
Junge Menschen, Jugendliche,

00:16:55.400 --> 00:16:59.240 align:center line:-2
die von chronischen Erkrankungen
betroffen sind.

00:16:59.400 --> 00:17:04.040 align:center line:-2
Hier wechseln Zuständigkeiten
zwischen Jugendhilfe und Krankenkasse,

00:17:04.200 --> 00:17:07.200 align:center line:-2
und dann kommt
die Eingliederungshilfe hinzu.

00:17:07.360 --> 00:17:11.920 align:center line:-2
Neuerdings haben sie auch
Pflichtleistungen der Rentenversicherung,

00:17:12.080 --> 00:17:17.600 align:center line:-2
und, wenn es um Erwerbsteilhabe geht,
Berufseintritt, natürlich die Bundesagentur.

00:17:17.760 --> 00:17:21.960 align:center line:-2
Diese Vielfalt an Leistungszuständigkeiten
macht erforderlich,

00:17:22.120 --> 00:17:25.480 align:center line:-2
den Blick auf den gesamten
Lebensverlauf zu richten.

00:17:25.640 --> 00:17:29.000 align:center line:-2
Was kommt im Erwerbsleben
auf die jungen Menschen zu?

00:17:29.160 --> 00:17:32.920 align:center line:-2
Und noch ein Schritt weiter zurück:
nicht der Jugendliche,

00:17:33.080 --> 00:17:36.600 align:center line:-2
sondern das Kind,
das früh mit einer Beeinträchtigung,

00:17:36.760 --> 00:17:39.920 align:center line:-2
möglicherweise von Geburt an,
konfrontiert ist.

00:17:40.080 --> 00:17:43.360 align:center line:-2
Auch hier verschiedene Träger,
die zuständig sind.

00:17:43.520 --> 00:17:46.000 align:center line:-1
Und am Ende muss ich auch für dieses Kind

00:17:46.160 --> 00:17:49.600 align:center line:-2
beim Eintritt in die Ausbildung,
in das Erwerbsleben,

00:17:49.760 --> 00:17:51.560 align:center line:-1
gleichberechtigte Chancen

00:17:51.720 --> 00:17:55.680 align:center line:-2
auf eine selbstbestimmte Teilhabe
am Arbeitsleben eröffnen.

00:17:55.840 --> 00:17:58.560 align:center line:-2
Das muss früh
in den Blick genommen werden,

00:17:58.720 --> 00:18:01.160 align:center line:-1
also schon während der Schulbildung.

00:18:01.320 --> 00:18:06.000 align:center line:-2
Und wer nimmt diese im Lebensverlauf
zu erwartenden Bedarfe in den Blick,

00:18:06.160 --> 00:18:07.880 align:center line:-1
im Lebensverlauf,

00:18:08.040 --> 00:18:12.720 align:center line:-2
mit gegliederten Zuständigkeit,
wechselnden Zuständigkeiten?

00:18:12.880 --> 00:18:14.360 align:center line:-1
Wer hat das im Blick?

00:18:14.520 --> 00:18:17.000 align:center line:-1
Das ist die zentrale Herausforderung,

00:18:17.160 --> 00:18:21.440 align:center line:-2
wenn wir den Übergang
zur inklusiven Arbeitswelt schaffen wollen.

00:18:21.600 --> 00:18:24.640 align:center line:-1
Ja, dann schauen wir uns jetzt doch mal...

00:18:24.880 --> 00:18:30.200 align:center line:-2
Okay, ich habe doch noch eine Folie:
partizipatorische Bedarfsfeststellung.

00:18:30.360 --> 00:18:32.360 align:center line:-1
Das mache ich jetzt kurz.

00:18:32.520 --> 00:18:34.480 align:center line:-1
Ich hab's schon angesprochen,

00:18:34.640 --> 00:18:38.520 align:center line:-2
Selbstbestimmung ist immer wieder
ein wichtiges Stichwort,

00:18:38.680 --> 00:18:41.680 align:center line:-2
ein wichtiger Aspekt
für den Leitbildwechsel.

00:18:41.840 --> 00:18:45.360 align:center line:-2
Die Bedarfsfeststellung
also nicht paternalistisch.

00:18:45.520 --> 00:18:50.560 align:center line:-2
Wie sich ein Lebensverlauf gestaltet,
haben die Menschen selbst zu bestimmen.

00:18:50.720 --> 00:18:55.400 align:center line:-2
Rehabilitationsträger
müssen bei der Lebensverlaufsperspektive

00:18:55.560 --> 00:18:58.840 align:center line:-1
nicht ihre Prämissen ansetzen,

00:18:59.000 --> 00:19:02.440 align:center line:-2
sondern in Abstimmung
mit den Leistungsberechtigten

00:19:02.600 --> 00:19:06.800 align:center line:-2
die Teilhabebedarfe feststellen,
ermitteln und dokumentieren.

00:19:07.760 --> 00:19:10.840 align:center line:-2
Schauen wir uns mal an,
was uns das Gesetz bietet

00:19:11.000 --> 00:19:15.480 align:center line:-2
unter dem Stichwort "Neue Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben".

00:19:16.360 --> 00:19:19.840 align:center line:-2
Auch da noch mal kurz
ein paar allgemeine Aussagen.

00:19:20.680 --> 00:19:26.080 align:center line:-2
Das Bundesteilhabegesetz
will seit 2018 spätestens

00:19:26.240 --> 00:19:29.360 align:center line:-1
den großen Transformationsprozess bewirken,

00:19:29.520 --> 00:19:34.200 align:center line:-2
von der institutionszentrierten Versorgung
zur personenzentrierten.

00:19:34.360 --> 00:19:36.000 align:center line:-1
Ich habe das schon gesagt.

00:19:36.160 --> 00:19:40.800 align:center line:-2
Und dazu dienen gerade auch
die Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben.

00:19:40.960 --> 00:19:44.680 align:center line:-2
Die finden sich
durch die Verschiebung der Paragrafen

00:19:44.840 --> 00:19:52.520 align:center line:-2
jetzt in den Hausnummern 49 ff.
des Sozialgesetzbuches, IX. Buch.

00:19:52.680 --> 00:19:55.760 align:center line:-1
Und da hat sich nicht so viel verändert.

00:19:55.920 --> 00:20:01.480 align:center line:-2
Die meisten Leistungen zur Teilhabe
am Arbeitsleben sind unverändert geblieben.

00:20:01.640 --> 00:20:05.080 align:center line:-2
Aber es sind
ein paar Leistungen hinzugekommen.

00:20:05.240 --> 00:20:08.800 align:center line:-2
Und das sind vor allem
das Budget für Arbeit

00:20:08.960 --> 00:20:13.760 align:center line:-2
und die Leistungserbringung
durch neue Leistungsanbieter.

00:20:13.920 --> 00:20:16.800 align:center line:-1
Und seit dem 01.01.2020

00:20:16.960 --> 00:20:21.880 align:center line:-2
hat der Gesetzgeber nun auch
das Budget für Ausbildung normiert,

00:20:22.040 --> 00:20:25.400 align:center line:-1
jetzt in Paragraf 61a im SGB IX.

00:20:25.560 --> 00:20:30.800 align:center line:-2
Und auf diese drei Paragrafen,
auf diese drei Institute,

00:20:30.960 --> 00:20:34.800 align:center line:-2
möchte ich jetzt im Folgenden
näher eingehen.

00:20:34.960 --> 00:20:39.080 align:center line:-2
Das ist jetzt auch
der zentrale Gehalt dieses Vortrages,

00:20:39.240 --> 00:20:42.520 align:center line:-2
die neuen Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben.

00:20:43.640 --> 00:20:47.360 align:center line:-1
Und um die noch mal einzuordnen,

00:20:47.520 --> 00:20:49.920 align:center line:-1
die stehen nicht isoliert...

00:20:50.080 --> 00:20:53.840 align:center line:-2
Also, das Budget für Arbeit,
das Budget für Ausbildung

00:20:54.000 --> 00:20:58.000 align:center line:-2
und die neuen Leistungsanbieter,
die stehen nicht isoliert,

00:20:58.160 --> 00:21:00.120 align:center line:-1
sondern die sind eingebettet

00:21:00.280 --> 00:21:03.800 align:center line:-2
in die verschiedenen weiteren
bestehenden Leistungen

00:21:03.960 --> 00:21:05.920 align:center line:-1
zur Teilhabe am Arbeitsleben.

00:21:06.080 --> 00:21:10.800 align:center line:-2
Das fügt sich
im besten Fall kaskadenartig zusammen.

00:21:10.960 --> 00:21:15.840 align:center line:-2
Und gerade die Leistungen
zur behinderungsgerechten Ausbildung

00:21:16.000 --> 00:21:19.960 align:center line:-2
beziehungsweise
zur behinderungsgerechten Beschäftigung,

00:21:20.120 --> 00:21:26.280 align:center line:-2
wie sie in den Paragrafen 49 und 50
des SGB IX ausgeführt sind,

00:21:26.440 --> 00:21:30.040 align:center line:-2
die werden uns nachher auch gleich
beim Budget für Arbeit

00:21:30.200 --> 00:21:33.560 align:center line:-2
und beim Budget für Ausbildung
wieder beschäftigen.

00:21:33.720 --> 00:21:38.120 align:center line:-2
Man kann nicht nur
auf den Paragrafen 61 oder 61a schauen,

00:21:38.280 --> 00:21:42.840 align:center line:-2
man muss die anderen Instrumente
alle mit im Blick haben.

00:21:43.000 --> 00:21:46.120 align:center line:-1
Und deshalb hier noch mal deren Aufführung:

00:21:46.280 --> 00:21:51.160 align:center line:-2
Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt,

00:21:51.320 --> 00:21:52.880 align:center line:-1
Leistungen zur Teilhabe

00:21:53.040 --> 00:21:57.080 align:center line:-2
in einem geschützten Bereich
des allgemeinen Arbeitsmarktes,

00:21:57.240 --> 00:22:00.880 align:center line:-2
oder auch Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben,

00:22:01.040 --> 00:22:04.920 align:center line:-2
die in einer Rehabilitationseinrichtung
erbracht werden.

00:22:05.080 --> 00:22:06.560 align:center line:-1
Auch das ist Teil davon,

00:22:06.720 --> 00:22:10.640 align:center line:-2
den Übergang auf
den allgemeinen Arbeitsmarkt zu bewirken.

00:22:12.720 --> 00:22:16.000 align:center line:-2
Mit dieser Folie
will ich Sie hier nicht erschlagen.

00:22:16.160 --> 00:22:20.200 align:center line:-2
Das ist im Grunde genommen
nur der Wortlaut des Paragrafen 61.

00:22:20.360 --> 00:22:23.760 align:center line:-2
Was will ich
mit dem Abdruck des Wortlauts erreichen?

00:22:23.920 --> 00:22:27.440 align:center line:-2
Natürlich schauen Sie alle
regelmäßig ins Gesetzbuch.

00:22:27.600 --> 00:22:31.440 align:center line:-2
Es ist unerlässlich,
immer das Sozialgesetzbuch, das SGB IX

00:22:31.600 --> 00:22:33.920 align:center line:-1
und die übrigen Leistungsgesetze

00:22:34.080 --> 00:22:38.440 align:center line:-2
mit auf dem Schreibtisch liegen zu haben
und zu blättern.

00:22:39.080 --> 00:22:42.480 align:center line:-2
Für mich zielt
der Abdruck dieser Norm auf zweierlei.

00:22:42.640 --> 00:22:47.760 align:center line:-2
Einmal, dass wir uns kurz vergegenwärtigen,
was im Paragraf 61 geregelt ist.

00:22:47.920 --> 00:22:49.640 align:center line:-1
Das ist sehr überschaubar.

00:22:49.800 --> 00:22:51.480 align:center line:-1
Und zum Zweiten,

00:22:51.640 --> 00:22:56.560 align:center line:-2
diejenigen, die aus den Modellprojekten
der Bundesländer

00:22:56.720 --> 00:23:02.600 align:center line:-2
vor Inkrafttreten des Paragrafen 61 schon
mit dem Budget für Arbeit zu tun hatten,

00:23:02.760 --> 00:23:03.960 align:center line:-1
die werden sagen:

00:23:04.120 --> 00:23:08.520 align:center line:-2
Wie kann man denn eine so komplexe Leistung
wie ein Budget für Arbeit

00:23:08.680 --> 00:23:11.600 align:center line:-1
in einen so kurzen Paragrafen packen?

00:23:12.040 --> 00:23:15.360 align:center line:-1
Und dieser Skepsis kann ich nur zustimmen.

00:23:15.520 --> 00:23:19.280 align:center line:-1
Das ist nicht nur sinnvoll gebotene Skepsis,

00:23:19.440 --> 00:23:22.720 align:center line:-2
sondern das muss auch
deutlich kritisiert werden.

00:23:22.880 --> 00:23:25.400 align:center line:-1
Mit dieser Regelung des Paragrafen 61

00:23:25.560 --> 00:23:29.320 align:center line:-2
hat der Gesetzgeber
zwar einen wichtigen Weg aufgestoßen,

00:23:29.480 --> 00:23:33.480 align:center line:-2
aber es braucht viel Erklärung,
wie dieser Paragraf 61

00:23:33.640 --> 00:23:38.160 align:center line:-2
jetzt in das gesamte Spektrum
der LTA einzubetten ist.

00:23:38.320 --> 00:23:42.640 align:center line:-2
Der Paragraf 61 allein
wird für die Menschen,

00:23:42.800 --> 00:23:46.480 align:center line:-2
die diese besondere Leistung brauchen,
niemals genügen.

00:23:46.640 --> 00:23:47.840 align:center line:-1
In den Rucksack,

00:23:48.000 --> 00:23:51.360 align:center line:-2
mit dem ich mich auf den Weg
aus der Sonderarbeitswelt

00:23:51.520 --> 00:23:55.280 align:center line:-2
oder aus der Schule
in die inklusive Arbeitswelt aufmache,

00:23:55.440 --> 00:23:57.560 align:center line:-1
braucht mehr als nur Paragraf 61.

00:23:57.720 --> 00:24:02.440 align:center line:-2
Da müssen noch andere Leistungen mit hinein,
das schauen wir uns in Ruhe an.

00:24:02.600 --> 00:24:04.440 align:center line:-1
Was sagt der Paragraf 61?

00:24:04.600 --> 00:24:08.040 align:center line:-1
Der sagt, wenn Menschen mit Behinderungen,

00:24:08.200 --> 00:24:12.480 align:center line:-2
die eigentlich auch in der Werkstatt
beschäftigt werden könnten,

00:24:12.640 --> 00:24:17.480 align:center line:-2
ein sozialversicherungspflichtiges
Arbeitsverhältnis am Arbeitsmarkt

00:24:17.640 --> 00:24:19.400 align:center line:-1
angeboten bekommen,

00:24:19.560 --> 00:24:23.120 align:center line:-2
dann haben sie Anspruch
auf ein Budget für Arbeit.

00:24:23.280 --> 00:24:26.120 align:center line:-1
Und Absatz 2 sagt, dieses Budget für Arbeit

00:24:26.280 --> 00:24:30.600 align:center line:-2
umfasst einen Lohnkostenzuschuss
an den Arbeitgeber

00:24:30.760 --> 00:24:33.600 align:center line:-1
und die Erstattung von Aufwendungen,

00:24:33.760 --> 00:24:38.480 align:center line:-2
die für die Anleitung und Begleitung
am Arbeitsplatz erforderlich sind.

00:24:39.360 --> 00:24:41.720 align:center line:-1
Absatz 3 sagt,

00:24:41.880 --> 00:24:44.120 align:center line:-1
mit dem Budget für Arbeit

00:24:44.280 --> 00:24:50.200 align:center line:-2
sollen aber nicht schon bestehende
Normalarbeitsverhältnisse abgebaut werden,

00:24:50.360 --> 00:24:53.120 align:center line:-1
also es soll nicht ein Ersatz

00:24:53.280 --> 00:24:59.000 align:center line:-2
für bereits bestehende
Beschäftigungsverhältnisse angereizt werden.

00:24:59.920 --> 00:25:03.560 align:center line:-2
Absatz 4
ermöglicht das Poolen von Leistungen,

00:25:03.720 --> 00:25:06.760 align:center line:-1
und Absatz 5 sagt noch einmal explizit:

00:25:06.920 --> 00:25:09.600 align:center line:-1
Die Leistungsträger sind nicht verpflichtet,

00:25:09.760 --> 00:25:13.920 align:center line:-2
mit dem Budget für Arbeit
tatsächlich auch Arbeitsplätze

00:25:14.080 --> 00:25:17.600 align:center line:-1
am allgemeinen Arbeitsmarkt zu beschaffen.

00:25:18.480 --> 00:25:20.360 align:center line:-1
Das ist ein kurzer Überblick.

00:25:20.520 --> 00:25:21.640 align:center line:-1
Auf der nächsten Folie

00:25:22.600 --> 00:25:26.760 align:center line:-2
wird das jetzt noch einmal
im Einzelnen auseinanderdifferenziert.

00:25:26.920 --> 00:25:32.000 align:center line:-2
Die Voraussetzung, um ein solches Budget
für Arbeit in Anspruch nehmen zu können,

00:25:32.160 --> 00:25:38.000 align:center line:-2
sind in Paragraf 61, Absatz 1
sehr übersichtlich formuliert.

00:25:39.080 --> 00:25:41.880 align:center line:-2
Es haben die Menschen
Anspruch auf Budget für Arbeit,

00:25:42.040 --> 00:25:46.080 align:center line:-2
die als behinderte Menschen
einen Anspruch auf die Leistung

00:25:46.240 --> 00:25:50.160 align:center line:-2
im Arbeitsbereich der Werkstatt
für behinderte Menschen haben.

00:25:50.320 --> 00:25:56.040 align:center line:-2
Wir müssen schauen: Wer hat Anspruch
auf die Leistung im Arbeitsbereich der WfbM?

00:25:57.360 --> 00:26:00.600 align:center line:-1
Und das Budget für Arbeit gibt es nur,

00:26:00.760 --> 00:26:04.640 align:center line:-2
wenn damit eine
sozialversicherungspflichtige Beschäftigung

00:26:04.800 --> 00:26:07.920 align:center line:-2
im Rahmen
eines Arbeitsverhältnisses ermöglicht wird.

00:26:08.080 --> 00:26:12.080 align:center line:-2
Das heißt, Beschäftigung im Minijob
soll nicht stattfinden,

00:26:12.240 --> 00:26:16.320 align:center line:-2
und auch keine Beschäftigung
zu Niedriglöhnen.

00:26:16.480 --> 00:26:22.200 align:center line:-2
Es muss mindestens tarifvertragliche oder
ortsübliche Entlohnung gewährleistet werden.

00:26:23.720 --> 00:26:28.080 align:center line:-2
Schauen wir, wer Anspruch auf Leistungen
im Arbeitsbereich einer Werkstatt hat.

00:26:28.240 --> 00:26:31.000 align:center line:-1
Das bestimmt sich nach Paragraf 58,

00:26:31.160 --> 00:26:34.120 align:center line:-2
und hier liegen jetzt
einige Detailanforderungen.

00:26:34.280 --> 00:26:39.520 align:center line:-2
Einen Anspruch auf ein Budget für Arbeit
haben die Menschen,

00:26:39.680 --> 00:26:43.960 align:center line:-2
die eigentlich im Arbeitsbereich
der Werkstatt beschäftigt werden könnten.

00:26:44.120 --> 00:26:49.280 align:center line:-2
Das sind Menschen, die eine Beschäftigung
am allgemeinen Arbeitsmarkt

00:26:49.440 --> 00:26:55.360 align:center line:-2
oder in einem Inklusionsbetrieb
wegen ihrer Behinderung nicht finden,

00:26:55.520 --> 00:26:59.560 align:center line:-1
oder für die eine Berufsvorbereitung,

00:26:59.720 --> 00:27:03.360 align:center line:-2
eine individuelle betriebliche
Qualifizierung im Rahmen einer UB,

00:27:03.520 --> 00:27:06.240 align:center line:-1
eine berufliche Anpassung oder Weiterbildung

00:27:06.400 --> 00:27:09.080 align:center line:-1
oder eine berufliche Ausbildung nicht,

00:27:09.240 --> 00:27:13.360 align:center line:-2
noch nicht oder noch nicht wieder
in Betracht kommt,

00:27:13.520 --> 00:27:15.920 align:center line:-1
die aber wenigstens ein Mindestmaß

00:27:16.080 --> 00:27:19.640 align:center line:-2
an wirtschaftlich verwertbarer
Arbeitsleistung erbringen können.

00:27:19.800 --> 00:27:25.800 align:center line:-2
Wer also am allgemeinen Arbeitsmarkt
oder in einem Inklusionsbetrieb

00:27:25.960 --> 00:27:31.240 align:center line:-2
ohne die Unterstützung durch ein Budget
für Arbeit nicht beschäftigt werden kann

00:27:31.400 --> 00:27:36.480 align:center line:-2
und bei dem
eine Berufsvorbereitung, eine InQua,

00:27:36.640 --> 00:27:41.160 align:center line:-2
eine berufliche Anpassung oder Weiterbildung
oder eine Berufsausbildung

00:27:41.320 --> 00:27:44.960 align:center line:-2
nicht, noch nicht
oder noch nicht wieder in Betracht kommt,

00:27:45.120 --> 00:27:50.640 align:center line:-2
nur diejenigen haben genau genommen
den Anspruch auf ein Budget für Arbeit.

00:27:51.840 --> 00:27:57.680 align:center line:-2
Wozu dient diese starke Begrenzung
der Anspruchsberechtigung?

00:27:58.680 --> 00:28:03.320 align:center line:-2
Die dient dazu, ich werfe den Blick
vor allem auf Nummer 2,

00:28:03.480 --> 00:28:07.920 align:center line:-2
dass Menschen, die eigentlich
mit einer beruflichen Ausbildung

00:28:08.080 --> 00:28:12.320 align:center line:-2
oder im Rahmen
einer betrieblichen Qualifizierung,

00:28:12.480 --> 00:28:15.080 align:center line:-1
im Rahmen einer Unterstützten Beschäftigung

00:28:15.240 --> 00:28:18.960 align:center line:-2
eine Beschäftigung
am Arbeitsplatz erreichen können,

00:28:19.120 --> 00:28:23.440 align:center line:-2
vorrangig diese Sozialleistungen
in Anspruch nehmen können

00:28:23.600 --> 00:28:25.960 align:center line:-2
und auch möglichst
in Anspruch nehmen sollen,

00:28:26.120 --> 00:28:30.320 align:center line:-2
und nicht auf das Budget für Arbeit
vorschnell zurückgreifen,

00:28:30.480 --> 00:28:35.920 align:center line:-2
denn das Budget für Arbeit
ist im Grunde genommen die niedrigste Stufe,

00:28:36.800 --> 00:28:40.840 align:center line:-2
mit der Erwerbsbeteiligung
ermöglicht werden soll.

00:28:41.000 --> 00:28:42.960 align:center line:-1
Der Gesetzgeber geht davon aus,

00:28:43.120 --> 00:28:48.280 align:center line:-2
dass man mit einer höheren Qualifizierung
als einer beruflichen Qualifizierung

00:28:48.440 --> 00:28:54.680 align:center line:-2
stabilere, langfristig bessere ertragreiche
Beschäftigungsverhältnisse erreicht.

00:28:54.840 --> 00:28:57.120 align:center line:-1
Das soll in erster Linie unterstützt werden.

00:28:57.280 --> 00:29:02.440 align:center line:-2
Und das Budget für Arbeit tritt dahinter
immer auf zweiter Stufe erst zurück.

00:29:03.480 --> 00:29:09.240 align:center line:-2
Das kommt auf einer der nächsten Folien
gleich noch einmal zum Ausdruck.

00:29:09.400 --> 00:29:10.680 align:center line:-1
Ich gehe zurück.

00:29:11.840 --> 00:29:16.520 align:center line:-2
Hier steht, dass eine Erwerbsminderung
vom Gesetz nicht verlangt ist.

00:29:16.680 --> 00:29:22.400 align:center line:-2
Darauf komme ich noch zu sprechen,
denn diese Frage wird immer wieder gestellt.

00:29:22.560 --> 00:29:24.040 align:center line:-1
Ich fasse zusammen:

00:29:24.200 --> 00:29:26.360 align:center line:-1
Das, was an Leistungsvoraussetzung

00:29:26.520 --> 00:29:31.400 align:center line:-2
für den Arbeitsbereich der Werkstatt
in Paragraf 58 normiert ist,

00:29:31.560 --> 00:29:36.920 align:center line:-2
sind auch die Voraussetzungen für die
Inanspruchnahme eines Budgets für Arbeit.

00:29:37.080 --> 00:29:39.720 align:center line:-2
Was bekommen die Menschen
mit dem Budget für Arbeit?

00:29:39.880 --> 00:29:41.360 align:center line:-1
Den Lohnkostenzuschuss.

00:29:41.520 --> 00:29:46.240 align:center line:-2
Der ist begrenzt
auf 75 % des Arbeitsentgeltes,

00:29:46.400 --> 00:29:50.640 align:center line:-1
und zugleich auf 40 % der Bezugsgröße,

00:29:50.800 --> 00:29:55.080 align:center line:-2
also nach dem Sozialversicherungsrecht
Viertes Buch des SGB,

00:29:55.240 --> 00:29:59.960 align:center line:-1
das liegt derzeit bei ungefähr 1274 Euro,

00:30:00.120 --> 00:30:02.240 align:center line:-1
also der Zuschussbegrenzung.

00:30:02.400 --> 00:30:06.120 align:center line:-2
Das kann aber
durch Landesrecht angehoben werden.

00:30:06.280 --> 00:30:11.320 align:center line:-2
Nach unseren Beobachtungen
ließen einige Länder schon Ausnahmen zu,

00:30:11.480 --> 00:30:14.520 align:center line:-1
doch die Anhebungen sind sehr begrenzt,

00:30:14.680 --> 00:30:17.520 align:center line:-2
sodass eine Kritik
am Budget für Arbeit die ist,

00:30:17.680 --> 00:30:21.000 align:center line:-2
dass man letztlich
doch nur niedrigqualifizierte Arbeiten

00:30:21.160 --> 00:30:24.680 align:center line:-1
mit diesem Budget für Arbeit unterstützt.

00:30:24.840 --> 00:30:28.480 align:center line:-2
Gerade Menschen,
die wegen einer bestimmten Beeinträchtigung

00:30:28.640 --> 00:30:31.720 align:center line:-2
gleichwohl auch
eine höherqualifizierte Arbeit

00:30:31.880 --> 00:30:34.760 align:center line:-1
am Arbeitsmarkt erbringen könnten,

00:30:34.920 --> 00:30:40.480 align:center line:-2
ist also wegen des begrenzten Zuschusses
mit dem Budget für Arbeit

00:30:40.640 --> 00:30:43.400 align:center line:-1
eine Teilhabe nur erschwert möglich.

00:30:43.560 --> 00:30:46.040 align:center line:-1
Aufwendungsersatz ist zu zahlen

00:30:46.200 --> 00:30:50.240 align:center line:-2
auf der Basis von Paragraf 61,
das hatte ich schon gesagt.

00:30:50.400 --> 00:30:52.040 align:center line:-1
Und nicht in Paragraf 61,

00:30:52.200 --> 00:30:57.240 align:center line:-2
sondern versteckt
an anderer Stelle im SGB IX ist geregelt,

00:30:57.400 --> 00:31:01.200 align:center line:-1
dass Menschen, die mit dem Budget für Arbeit

00:31:01.360 --> 00:31:05.560 align:center line:-2
doch nicht dauerhaft am allgemeinen
Arbeitsmarkt Fuß fassen können,

00:31:05.720 --> 00:31:08.360 align:center line:-1
ein unbefristetes Rückkehrrecht

00:31:08.520 --> 00:31:11.560 align:center line:-2
in die Werkstatt
für behinderte Menschen haben.

00:31:11.720 --> 00:31:15.520 align:center line:-1
Das steht in Paragraf 220 des SGB IX.

00:31:15.680 --> 00:31:21.280 align:center line:-2
Das dient der Absicherung,
damit gerade am Anfang vielleicht Sorgen...

00:31:21.440 --> 00:31:26.160 align:center line:-2
Was, wenn der Arbeitsmarkt doch nicht
so aufnahmebereit ist, wie er sein müsste,

00:31:26.320 --> 00:31:30.320 align:center line:-2
damit man mit dem Budget für Arbeit
dort erfolgreich integriert werden kann?

00:31:30.480 --> 00:31:33.520 align:center line:-2
Dann gewährt das Gesetz
hier das Rückkehrrecht.

00:31:35.040 --> 00:31:39.800 align:center line:-2
Nun komme ich
zum bereits angedeuteten Verhältnis,

00:31:40.720 --> 00:31:44.240 align:center line:-1
wie es sich auch aus Paragraf 58 ergibt.

00:31:44.400 --> 00:31:47.440 align:center line:-1
Ich verdeutliche das mit dieser Folie.

00:31:47.600 --> 00:31:52.920 align:center line:-2
Das Budget für Arbeit
gilt als besondere Unterstützungsform

00:31:53.080 --> 00:31:56.000 align:center line:-1
für die Zeit nach der beruflichen Bildung.

00:31:56.160 --> 00:32:01.400 align:center line:-2
Also, es ist wirklich alternativ
zur Beschäftigung in der Werkstatt

00:32:01.560 --> 00:32:05.440 align:center line:-2
und auch alternativ zu den
übrigen Leistungen, die hier genannt sind.

00:32:05.600 --> 00:32:07.920 align:center line:-1
Die sind vorrangig zu gewähren,

00:32:08.080 --> 00:32:12.800 align:center line:-2
sprich, wenn wir im Zuständigkeitsbereich
der Bundesagentur bleiben:

00:32:12.960 --> 00:32:15.840 align:center line:-1
Die Bundesagentur soll zunächst schauen,

00:32:16.000 --> 00:32:20.960 align:center line:-2
welche Unterstützungen
durch berufliche Anpassung und Weiterbildung

00:32:21.120 --> 00:32:24.120 align:center line:-1
im Rahmen des SGB III zu erbringen sind,

00:32:24.280 --> 00:32:29.040 align:center line:-2
bevor wir überhaupt
über ein Budget für Arbeit nachdenken,

00:32:29.200 --> 00:32:34.120 align:center line:-2
für das die Bundesagentur als solche
dann nicht mehr leistungszuständig ist.

00:32:34.280 --> 00:32:37.600 align:center line:-2
Diese Leistungen der Bundesagentur
gehen vor,

00:32:37.760 --> 00:32:41.720 align:center line:-2
bevor wir
auf das Budget für Arbeit verweisen.

00:32:42.720 --> 00:32:46.160 align:center line:-2
Und bei der Inanspruchnahme
eines Budgets für Arbeit

00:32:46.320 --> 00:32:49.920 align:center line:-2
sind andere Leistungen für Teilhabe
nicht ausgeschlossen.

00:32:50.080 --> 00:32:55.200 align:center line:-2
Laut Paragraf 49 ff.
gelten diese Leistungen parallel,

00:32:55.360 --> 00:32:57.680 align:center line:-1
auch dazu komme ich noch genauer.

00:33:00.480 --> 00:33:02.320 align:center line:-1
Häufig wird gefragt:

00:33:02.480 --> 00:33:05.560 align:center line:-2
Wenn das Budget für Arbeit
als Alternative zur Beschäftigung

00:33:05.720 --> 00:33:08.640 align:center line:-1
im Arbeitsbereich der Werkstatt gilt,

00:33:08.800 --> 00:33:14.320 align:center line:-2
müssen dann diejenigen einmal alle Stufen
der Werkstatt durchschritten haben?

00:33:15.160 --> 00:33:17.920 align:center line:-1
Klare Antwort: Nein, müssen sie nicht.

00:33:18.080 --> 00:33:22.640 align:center line:-2
Sie müssen weder im Arbeitsbereich
der Werkstatt beschäftigt gewesen sein

00:33:22.800 --> 00:33:27.560 align:center line:-2
noch müssen sie überhaupt
in einem der drei Bereiche der Werkstatt

00:33:27.720 --> 00:33:30.680 align:center line:-2
Teilhabeleistungen
in Anspruch genommen haben.

00:33:30.840 --> 00:33:33.240 align:center line:-1
Also, weder im Eingangsverfahren

00:33:33.400 --> 00:33:37.280 align:center line:-2
noch im Berufsbildungsbereich
noch im Arbeitsbereich

00:33:37.440 --> 00:33:42.200 align:center line:-2
muss die behinderte Person
beschäftigt gewesen sein,

00:33:42.360 --> 00:33:45.520 align:center line:-2
um das Budget für Arbeit
in Anspruch zu nehmen.

00:33:45.680 --> 00:33:48.960 align:center line:-2
Man muss also nie Kontakt
zur Werkstatt gehabt haben.

00:33:49.120 --> 00:33:53.080 align:center line:-2
Das ist das Ziel, das mit dem
Budget für Arbeit erreicht werden soll.

00:33:53.240 --> 00:33:56.440 align:center line:-2
Denn die sozialwissenschaftlichen
Untersuchungen zeigen,

00:33:56.600 --> 00:34:00.920 align:center line:-2
dass Menschen, die überhaupt erst einmal
in der Werkstatt waren,

00:34:01.080 --> 00:34:05.520 align:center line:-2
häufiger Schwierigkeiten haben, sich von
dem dort gewohnten Lebensumfeld zu lösen,

00:34:05.680 --> 00:34:08.680 align:center line:-2
um den Schritt
in den allgemeinen Arbeitsmarkt zu wagen.

00:34:08.840 --> 00:34:11.560 align:center line:-1
Es ist für viele doch eine größere Hürde,

00:34:11.720 --> 00:34:15.640 align:center line:-2
und deshalb soll gar nicht erst
in die Werkstatt hineingesteuert werden,

00:34:15.800 --> 00:34:18.880 align:center line:-2
sondern das,
was im Eingangsverfahren erfolgt,

00:34:19.040 --> 00:34:22.640 align:center line:-2
nämlich die Feststellung, welche Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben

00:34:22.800 --> 00:34:25.120 align:center line:-1
die konkrete Person tatsächlich braucht,

00:34:25.280 --> 00:34:29.600 align:center line:-2
wird auch
durch Teilhabeplanverfahren erreicht.

00:34:29.760 --> 00:34:33.200 align:center line:-2
Ich muss also nicht in die Werkstatt
ins Eingangsverfahren.

00:34:33.360 --> 00:34:36.160 align:center line:-1
Und was im Berufsbildungsbereich passiert,

00:34:36.320 --> 00:34:40.400 align:center line:-2
soll bestenfalls zum Beispiel
durch eine betriebliche Ausbildung,

00:34:40.560 --> 00:34:44.040 align:center line:-2
eine behinderungsgerecht durchgeführte
betriebliche Ausbildung

00:34:44.200 --> 00:34:47.080 align:center line:-2
oder durch
eine innerbetriebliche Qualifizierung

00:34:47.240 --> 00:34:52.080 align:center line:-2
im Rahmen einer Unterstützten Beschäftigung
erreicht werden,

00:34:52.240 --> 00:34:56.640 align:center line:-2
oder im Berufsbildungswerk,
und möglichst nicht in der Werkstatt.

00:34:57.720 --> 00:34:59.400 align:center line:-1
Ganz klare Aussage:

00:34:59.560 --> 00:35:02.160 align:center line:-2
Man muss nie Kontakt
mit der Werkstatt gehabt haben,

00:35:02.320 --> 00:35:05.480 align:center line:-2
um ein Budget für Arbeit
in Anspruch nehmen zu können.

00:35:05.640 --> 00:35:08.760 align:center line:-2
Das gilt besonders
für behinderte Jugendliche.

00:35:08.920 --> 00:35:13.800 align:center line:-2
Man muss auch nicht im Anschluss an die
berufliche Bildung erstmal in die Werkstatt.

00:35:16.200 --> 00:35:20.760 align:center line:-2
Jetzt kommen wir
zu einer recht systematischen Kniffligkeit.

00:35:20.920 --> 00:35:26.640 align:center line:-2
Ich beginne mit der Zuständigkeit
für das Budget für Arbeit.

00:35:26.800 --> 00:35:30.040 align:center line:-1
Für das Budget für Arbeit

00:35:30.200 --> 00:35:35.520 align:center line:-2
ist die Zuständigkeit geregelt
in Paragraf 63.

00:35:35.680 --> 00:35:40.320 align:center line:-2
Die richtet sich danach, wer für den
Arbeitsbereich der Werkstatt zuständig ist.

00:35:40.480 --> 00:35:45.920 align:center line:-2
Das sind nicht Träger wie die Bundesagentur
für Arbeit und Rentenversicherung,

00:35:46.080 --> 00:35:50.440 align:center line:-2
sondern,
um den wichtigsten Träger zu nehmen,

00:35:50.600 --> 00:35:52.560 align:center line:-1
vor allem die Eingliederungshilfe.

00:35:52.720 --> 00:35:58.280 align:center line:-2
Für das Gros der Fälle ist also die
Eingliederungshilfe der zuständige Träger

00:35:58.440 --> 00:36:02.960 align:center line:-2
für die Leistungen,
die der Paragraf 61 gewährt,

00:36:03.120 --> 00:36:08.560 align:center line:-2
also für den Lohnkostenzuschuss und die
dauerhafte Unterstützung am Arbeitsplatz.

00:36:09.320 --> 00:36:13.080 align:center line:-2
Daneben können die Integrationsämter
das Budget für Arbeit unterstützen.

00:36:13.240 --> 00:36:18.640 align:center line:-2
Das ist in Paragraf 185
und in der SchwbAV inzwischen geregelt.

00:36:18.800 --> 00:36:22.640 align:center line:-2
Auf Landesebene wird inzwischen
in allen Bundesländern geklärt sein,

00:36:22.800 --> 00:36:25.760 align:center line:-2
wer der zuständige
Eingliederungshilfeträger ist.

00:36:25.920 --> 00:36:28.600 align:center line:-2
Man findet dann im Idealfall
dort Vereinbarungen

00:36:28.760 --> 00:36:31.720 align:center line:-2
zwischen dem zuständigen
Eingliederungshilfeträger

00:36:31.880 --> 00:36:37.440 align:center line:-2
und den Integrationsämtern über
die Ausgestaltung des Budgets für Arbeit.

00:36:37.600 --> 00:36:43.560 align:center line:-2
Das ist der Teil, der sich direkt
aus Paragraf 61 und 63 ergibt.

00:36:44.920 --> 00:36:47.600 align:center line:-1
Da entstehen jetzt neue Probleme,

00:36:47.760 --> 00:36:51.880 align:center line:-2
oder im Grunde genommen
setzen sich alte Probleme hier fort.

00:36:53.040 --> 00:36:55.960 align:center line:-1
Wenn wir in Paragraf 61 und 63 lesen:

00:36:56.120 --> 00:36:57.920 align:center line:-1
"Zuständig für den Arbeitsbereich

00:36:58.080 --> 00:37:01.120 align:center line:-2
und damit auch für das Budget für Arbeit
ist die Eingliederungshilfe",

00:37:01.280 --> 00:37:04.520 align:center line:-2
dann sagen Bundesagentur
und Rentenversicherung:

00:37:04.680 --> 00:37:06.720 align:center line:-1
"Wenn Sie ein Budget für Arbeit benötigen,

00:37:06.880 --> 00:37:11.000 align:center line:-2
um am allgemeinen Arbeitsmarkt
integriert zu werden,

00:37:11.160 --> 00:37:14.360 align:center line:-2
dann wenden Sie sich
an den Eingliederungshilfeträger."

00:37:14.520 --> 00:37:16.440 align:center line:-1
Das greift zu kurz.

00:37:17.160 --> 00:37:19.480 align:center line:-1
Und warum greift das zu kurz?

00:37:19.640 --> 00:37:22.960 align:center line:-2
Weil auch die Bundesagentur
und die Rentenversicherung

00:37:23.120 --> 00:37:26.360 align:center line:-2
zuständig für Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben sind.

00:37:27.280 --> 00:37:31.360 align:center line:-2
Ich sagte es schon:
Das Budget für Arbeit greift erst,

00:37:31.520 --> 00:37:35.880 align:center line:-2
wenn die anderen LTAs
nicht mehr oder noch nicht

00:37:36.040 --> 00:37:38.680 align:center line:-1
oder vorübergehend nicht greifen.

00:37:38.840 --> 00:37:41.320 align:center line:-1
Nur dann greift das Budget für Arbeit.

00:37:41.480 --> 00:37:43.880 align:center line:-2
Das heißt nicht,
dass die Eingliederungshilfe

00:37:44.040 --> 00:37:46.920 align:center line:-2
die Bundesagentur
aus der Verantwortung ablösen soll.

00:37:47.720 --> 00:37:51.640 align:center line:-2
Das Problem ist,
dass im Zuge der Gesetzesentstehung,

00:37:51.800 --> 00:37:56.320 align:center line:-2
auch dokumentiert in der Gesetzesbegründung,
oft die Diskussion war:

00:37:56.480 --> 00:38:02.040 align:center line:-2
Für wen ist das Budget für Arbeit?
Für dauerhaft erwerbsgeminderte Menschen.

00:38:02.200 --> 00:38:05.320 align:center line:-2
Und die sollen dann auch
aus der Versicherungspflicht

00:38:05.480 --> 00:38:09.600 align:center line:-2
im Bereich der Arbeitslosenversicherung
ausgenommen bleiben.

00:38:10.720 --> 00:38:14.480 align:center line:-2
Ein solcher Ausschluss
ist im Sozialgesetzbuch III

00:38:14.640 --> 00:38:16.920 align:center line:-1
explizit gar nicht geregelt.

00:38:17.080 --> 00:38:20.480 align:center line:-2
Jedenfalls nicht für Menschen,
die ein Budget für Arbeit haben.

00:38:21.240 --> 00:38:25.600 align:center line:-2
Und wenn man genau ins SGB IX schaut,
in den Paragrafen 187,

00:38:25.760 --> 00:38:31.080 align:center line:-2
findet man: Die Bundesagentur ist gerade,
und zwar insbesondere,

00:38:31.240 --> 00:38:35.720 align:center line:-2
für die Vermittlung von Menschen
mit besonderen Vermittlungsschwierigkeiten,

00:38:35.880 --> 00:38:39.360 align:center line:-2
also für Übergänge aus der Werkstatt,
verantwortlich.

00:38:39.520 --> 00:38:44.560 align:center line:-2
Die Bundesagentur
muss also in allererster Linie schauen,

00:38:45.520 --> 00:38:47.960 align:center line:-1
wie Menschen, statt in der Werkstatt,

00:38:48.120 --> 00:38:51.360 align:center line:-2
am allgemeinen Arbeitsmarkt
beschäftigt werden können.

00:38:52.480 --> 00:38:57.480 align:center line:-2
Hier ist wichtig, nicht reflexhaft
zuerst auf das Budget für Arbeit zu schauen,

00:38:57.640 --> 00:39:00.520 align:center line:-2
sondern auf die Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben,

00:39:00.680 --> 00:39:03.440 align:center line:-1
die dafür noch zur Verfügung stehen.

00:39:03.600 --> 00:39:07.120 align:center line:-1
Da kommt jetzt der Blick vor allem auf das,

00:39:07.280 --> 00:39:09.800 align:center line:-1
was das Budget für Arbeit im Kern ausmacht.

00:39:10.880 --> 00:39:13.920 align:center line:-2
Das Budget für Arbeit
kennzeichnet sich vor allem

00:39:14.080 --> 00:39:17.360 align:center line:-1
durch den unbefristeten Lohnkostenzuschuss.

00:39:17.520 --> 00:39:22.080 align:center line:-2
Das BfA, das Budget für Arbeit,
der Lohnkostenzuschuss,

00:39:22.240 --> 00:39:26.280 align:center line:-1
ist jetzt also dauerhaft gesichert.

00:39:26.440 --> 00:39:28.560 align:center line:-1
Das ist ein großer Fortschritt,

00:39:28.720 --> 00:39:31.600 align:center line:-2
und das ist auch das,
wo der Gesetzgeber durch das BTHG

00:39:31.760 --> 00:39:34.520 align:center line:-1
eine große Regelungslücke geschlossen hat.

00:39:34.680 --> 00:39:36.800 align:center line:-1
Aber damit erschöpft sich das auch,

00:39:36.960 --> 00:39:39.680 align:center line:-1
denn Eingliederungszuschüsse

00:39:39.840 --> 00:39:42.520 align:center line:-1
waren schon bisher von der Bundesagentur

00:39:42.680 --> 00:39:45.440 align:center line:-2
und vom Rentenversicherungsträger
zu leisten,

00:39:45.600 --> 00:39:49.800 align:center line:-2
vor allem für behinderte
und schwerbehinderte Menschen.

00:39:49.960 --> 00:39:52.760 align:center line:-2
Und die konnten sogar
bis zur Dauer von fünf Jahren

00:39:52.920 --> 00:39:55.320 align:center line:-1
beansprucht und gewährt werden.

00:39:56.040 --> 00:40:01.200 align:center line:-2
Diese Rechtspflicht ist mit der Einführung
des Budgets für Arbeit nicht entfallen.

00:40:01.360 --> 00:40:04.520 align:center line:-2
Diese Leistungen
stehen jetzt quasi nebeneinander.

00:40:04.680 --> 00:40:07.160 align:center line:-1
Wir haben die Eingliederungszuschüsse,

00:40:07.320 --> 00:40:11.440 align:center line:-1
hier im § 90 im SGB III, bis zu fünf Jahre.

00:40:11.600 --> 00:40:14.600 align:center line:-2
Und wir haben
einen dauerhaften Lohnkostenzuschuss

00:40:14.760 --> 00:40:17.320 align:center line:-1
im § 61 des SGB IX.

00:40:17.480 --> 00:40:21.800 align:center line:-2
Wie bringt man jetzt
diese gleichartigen Leistungen

00:40:21.960 --> 00:40:27.760 align:center line:-2
abgestimmt miteinander
sozusagen in den Rucksack des Menschen,

00:40:27.920 --> 00:40:33.600 align:center line:-2
der in der allgemeinen Arbeitswelt
selbstbestimmt seinen Weg gehen will?

00:40:33.760 --> 00:40:36.720 align:center line:-1
Da muss man nach Kombinationen schauen.

00:40:36.880 --> 00:40:40.360 align:center line:-2
Das ist gesetzlich
leider noch nicht geregelt.

00:40:40.600 --> 00:40:44.480 align:center line:-2
Hier braucht es
entweder vertragliche Absprachen,

00:40:44.640 --> 00:40:49.440 align:center line:-2
Absprachen auf Landesebene
zwischen den zuständigen Trägern...

00:40:49.600 --> 00:40:51.680 align:center line:-1
Wir können aber auch schauen...

00:40:51.840 --> 00:40:55.360 align:center line:-2
Habe ich das auf der nächsten Folie?
Nein, habe ich dort nicht.

00:40:55.920 --> 00:40:57.560 align:center line:-1
Ich gehe noch mal zurück.

00:40:57.720 --> 00:41:01.760 align:center line:-2
Wir können uns natürlich
auch an anderen Instrumenten orientieren.

00:41:01.920 --> 00:41:06.160 align:center line:-2
Ein gutes Regulierungsbeispiel
ist die Arbeitsassistenz.

00:41:06.320 --> 00:41:09.240 align:center line:-1
Dass zum Beispiel ein Mensch,

00:41:09.400 --> 00:41:13.960 align:center line:-2
der wegen seiner Sehbeeinträchtigung,
ein blinder Mensch,

00:41:14.120 --> 00:41:18.880 align:center line:-2
dass er sein Leben lang
Arbeitsassistenz benötigt,

00:41:19.040 --> 00:41:20.600 align:center line:-1
das ist unbestritten.

00:41:20.760 --> 00:41:25.080 align:center line:-2
Und dass die nach drei Jahren
zunächst in der Zuständigkeit

00:41:25.240 --> 00:41:30.040 align:center line:-2
vom Rentenversicherungsträger
oder der Bundesagentur erbracht wird

00:41:30.200 --> 00:41:34.320 align:center line:-2
und dann dauerhaft
vom Integrationsamt geleistet wird,

00:41:34.480 --> 00:41:37.960 align:center line:-1
das ist heute schon im SGB IX so angelegt.

00:41:38.120 --> 00:41:42.360 align:center line:-2
Genauso muss das für die Lohnkostenzuschüsse
künftig gestaltet werden.

00:41:42.520 --> 00:41:45.120 align:center line:-2
Es geht nicht darum,
mit dem Budget für Arbeit

00:41:45.280 --> 00:41:48.320 align:center line:-2
die Leistungsträger
aus der Verantwortung zu nehmen,

00:41:48.480 --> 00:41:51.400 align:center line:-2
die für die Begründung
eines Arbeitsverhältnisses

00:41:51.560 --> 00:41:54.320 align:center line:-2
für die Eingliederungszuschüsse
zuständig sind.

00:41:54.480 --> 00:41:56.080 align:center line:-1
Stellt sich aber heraus,

00:41:56.240 --> 00:41:59.480 align:center line:-2
dass auch nach fünf Jahren,
nach der Höchstbezugsdauer,

00:41:59.640 --> 00:42:02.280 align:center line:-1
zum Beispiel zu Lasten der Bundesagentur

00:42:02.440 --> 00:42:05.640 align:center line:-2
immer noch ein Lohnkostenzuschuss
gezahlt werden muss,

00:42:05.800 --> 00:42:10.720 align:center line:-2
dann sichert das Budget für Arbeit
den Verbleib am allgemeinen Arbeitsmarkt.

00:42:10.880 --> 00:42:14.360 align:center line:-2
Das heißt aber nicht,
dass mit dem Zuständigkeitswechsel

00:42:14.520 --> 00:42:20.000 align:center line:-2
von vornherein nur die Eingliederungshilfe
für diese Menschen verantwortlich ist.

00:42:20.720 --> 00:42:23.440 align:center line:-2
Ich hoffe,
das ist so erst mal deutlich geworden.

00:42:24.560 --> 00:42:29.560 align:center line:-2
Und wie sich das
für die Einzelnen darstellt,

00:42:29.720 --> 00:42:31.680 align:center line:-1
das kann man ganz gut nachlesen

00:42:31.840 --> 00:42:34.920 align:center line:-2
in der ersten Individualbeschwerde
aus Deutschland

00:42:35.080 --> 00:42:39.280 align:center line:-2
zum Ausschuss zur Überwachung der Rechte
für behinderte Menschen,

00:42:39.440 --> 00:42:42.120 align:center line:-2
also zur Umsetzung
der UN-Behindertenrechtskonvention.

00:42:42.280 --> 00:42:46.440 align:center line:-2
Das ist die Rechtssache Gröninger.
Es ging um solche Eingliederungszuschüsse.

00:42:46.600 --> 00:42:48.680 align:center line:-2
Damals gab es
das Budget für Arbeit noch nicht.

00:42:48.840 --> 00:42:53.760 align:center line:-2
Der Ausschuss hat ganz deutlich kritisiert,
dass es konventionswidrig ist,

00:42:53.920 --> 00:42:59.320 align:center line:-2
dass Deutschland
keine unbefristeten Zuschüsse zum Lohn

00:42:59.480 --> 00:43:01.960 align:center line:-1
im Sozialrecht geregelt hat.

00:43:02.120 --> 00:43:05.160 align:center line:-1
Vor allem hat der Ausschuss auch kritisiert,

00:43:05.320 --> 00:43:09.360 align:center line:-2
dass die Rechtslage so unübersichtlich ist,
dass das Recht selbst

00:43:09.520 --> 00:43:13.440 align:center line:-2
zum Teilhabehindernis
für die betroffenen Menschen werden kann.

00:43:15.200 --> 00:43:18.080 align:center line:-2
Auf dieser Folie noch mal kurz,
wie schon gesagt,

00:43:18.240 --> 00:43:21.440 align:center line:-1
eine festgestellte Erwerbsminderung,

00:43:21.600 --> 00:43:24.560 align:center line:-2
wie sie für den Bezug
einer Erwerbsminderungsrente

00:43:24.720 --> 00:43:26.480 align:center line:-1
nach SGB VI erforderlich ist.

00:43:26.640 --> 00:43:28.960 align:center line:-2
Dort ganz klar,
das muss festgestellt werden,

00:43:29.120 --> 00:43:32.440 align:center line:-2
das brauchen wir nicht für die
Inanspruchnahme eines Budgets für Arbeit.

00:43:32.600 --> 00:43:37.120 align:center line:-2
Das ist zwar immer wieder in der Diskussion,
und das setzt sich irgendwie fort,

00:43:37.280 --> 00:43:40.160 align:center line:-1
aber das hat keine Grundlage im Gesetz,

00:43:40.320 --> 00:43:44.360 align:center line:-1
weder § 61 noch § 58

00:43:44.520 --> 00:43:48.240 align:center line:-2
erwähnen irgendwo
den Begriff der Erwerbsminderung.

00:43:48.400 --> 00:43:53.280 align:center line:-2
Da Reha-Leistungen immer vorrangig
vor Rentenzahlungen zu leisten sind,

00:43:53.440 --> 00:43:55.080 align:center line:-1
muss das Budget für Arbeit

00:43:55.240 --> 00:43:59.320 align:center line:-2
völlig unabhängig
von einer festgestellten Erwerbsminderung

00:43:59.480 --> 00:44:01.640 align:center line:-1
in Betracht gezogen werden.

00:44:03.280 --> 00:44:08.680 align:center line:-2
Was kommt noch dazu,
damit ein Budget für Arbeit gelingen kann?

00:44:09.840 --> 00:44:13.080 align:center line:-1
Wenn wir jetzt im Zuständigkeitsbereich

00:44:13.240 --> 00:44:18.400 align:center line:-2
eines über fünf Jahre hinaus dauernden
Unterstützungsbedarfes sind,

00:44:18.560 --> 00:44:20.720 align:center line:-1
sind wir in der Eingliederungshilfe.

00:44:20.880 --> 00:44:25.160 align:center line:-2
Dort ist die Leistungsnorm
der § 111 des SGB IX.

00:44:25.320 --> 00:44:29.080 align:center line:-2
Dass Menschen dann
über den Lohnkostenzuschuss hinaus

00:44:29.240 --> 00:44:33.600 align:center line:-2
bestimmte Leistungsbedarfe haben,
kann man sich leicht vorstellen,

00:44:33.760 --> 00:44:37.840 align:center line:-2
also technische Hilfe am Arbeitsplatz
oder Fahrtkosten,

00:44:38.000 --> 00:44:41.760 align:center line:-2
wenn der Werkstattbus auf einmal wegfällt,
weil man nicht mehr hinfährt...

00:44:41.920 --> 00:44:44.280 align:center line:-1
Solche Leistungsansprüche ergeben sich

00:44:44.440 --> 00:44:48.480 align:center line:-2
in Kombination mit den sonstigen Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben.

00:44:48.640 --> 00:44:51.480 align:center line:-1
Das ist hier in den Normketten ausgeführt.

00:44:51.640 --> 00:44:57.520 align:center line:-2
Hier schuf der Gesetzgeber
neue rechtssystematische Herausforderungen.

00:44:57.680 --> 00:45:02.400 align:center line:-2
In § 111 SGB IX ist nur noch
von Leistungen zur Beschäftigung die Rede.

00:45:02.560 --> 00:45:07.360 align:center line:-2
Bestimmte Leistungen sind dort nicht mehr in
der Zuständigkeit der Eingliederungshilfe.

00:45:07.520 --> 00:45:09.320 align:center line:-1
Auch die Bundesagentur

00:45:09.480 --> 00:45:13.560 align:center line:-2
wird hier also wahrscheinlich langfristig
der zuständige Träger sein,

00:45:13.720 --> 00:45:16.280 align:center line:-1
eventuell aber auch das Jobcenter,

00:45:16.440 --> 00:45:21.640 align:center line:-1
wo auch wiederum über den § 16 SGB II

00:45:21.800 --> 00:45:25.800 align:center line:-1
auf §§ 112 ff. SGB III verwiesen wird.

00:45:25.960 --> 00:45:30.280 align:center line:-1
Also, wir sind hier immer wieder dann auch

00:45:30.440 --> 00:45:34.240 align:center line:-2
im Bereich der üblichen Leistung
zur Teilhabe am Arbeitsleben.

00:45:34.400 --> 00:45:38.200 align:center line:-2
Der Rucksack müsste also
eigentlich gut gefüllt werden können.

00:45:39.200 --> 00:45:44.560 align:center line:-2
So, das will ich hier
nicht noch weiter vertiefen.

00:45:44.720 --> 00:45:47.760 align:center line:-2
Das ist eine neue Entscheidung
des Bundessozialgerichts.

00:45:47.920 --> 00:45:49.520 align:center line:-1
Das würde zu weit führen,

00:45:49.680 --> 00:45:52.400 align:center line:-2
auch im Hinblick
auf die fortgeschrittene Zeit.

00:45:52.560 --> 00:45:55.520 align:center line:-2
Ich will kurz
das Budget für Ausbildung ansprechen.

00:45:55.680 --> 00:45:58.760 align:center line:-1
Das ist seit dem 01.01.2020

00:45:58.920 --> 00:46:03.080 align:center line:-1
im § 61a SGB IX kodifiziert,

00:46:03.240 --> 00:46:06.120 align:center line:-2
also nicht
mit dem Bundesteilhabegesetz eingeführt,

00:46:06.280 --> 00:46:10.520 align:center line:-2
sondern im Rahmen
des Angehörigen-Entlastungsgesetzes.

00:46:10.680 --> 00:46:12.760 align:center line:-1
Das Budget für Ausbildung

00:46:12.920 --> 00:46:17.280 align:center line:-1
ergänzt jetzt quasi die Lücke

00:46:17.440 --> 00:46:20.760 align:center line:-2
zu den Alternativen
zur Werkstatt für behinderte Menschen.

00:46:20.920 --> 00:46:24.960 align:center line:-2
Das Budget für Arbeit
ist die Alternative zum Arbeitsbereich.

00:46:25.120 --> 00:46:27.720 align:center line:-2
Das Budget für Ausbildung
ist die Alternative

00:46:27.880 --> 00:46:32.360 align:center line:-2
zum Eingangsverfahren
und Berufsbildungsbereich, verknappt gesagt.

00:46:32.520 --> 00:46:36.800 align:center line:-2
Hier gibt es eben einen Zuschuss
für Ausbildungsvergütung

00:46:36.960 --> 00:46:40.280 align:center line:-2
und ebenso Leistungen
zur Anleitung und Begleitung

00:46:40.440 --> 00:46:43.320 align:center line:-2
am Ausbildungsplatz
wie auch in der Berufsschule.

00:46:43.480 --> 00:46:48.040 align:center line:-2
Im Grunde genommen sehen wir hier
dasselbe Modell wie im Budget für Arbeit,

00:46:48.200 --> 00:46:51.440 align:center line:-2
und auch für die Leistungsvoraussetzungen
dasselbe Modell.

00:46:51.600 --> 00:46:55.320 align:center line:-1
Man schaut, ob der behinderte Mensch

00:46:55.480 --> 00:46:59.840 align:center line:-2
einen Anspruch auf Eingangsverfahren
oder Berufsbildungsbereich hätte

00:47:00.000 --> 00:47:04.200 align:center line:-2
und ihm ein sozialversicherungspflichtiges
Ausbildungsverhältnis

00:47:04.440 --> 00:47:06.680 align:center line:-1
angeboten wird.

00:47:06.840 --> 00:47:10.480 align:center line:-1
Dann greift das Budget für Ausbildung.

00:47:10.640 --> 00:47:14.280 align:center line:-1
Aber auch hier sollte immer geschaut werden,

00:47:14.520 --> 00:47:16.240 align:center line:-1
ich gehe noch mal zurück,

00:47:16.400 --> 00:47:21.480 align:center line:-2
dass eine Berufsausbildung
ohne eine Budget für Ausbildung

00:47:21.640 --> 00:47:25.960 align:center line:-2
immer vorrangig ist
gegenüber einem Budget für Ausbildung,

00:47:26.120 --> 00:47:29.760 align:center line:-1
also dem Ausbildungskostenzuschuss.

00:47:29.920 --> 00:47:32.160 align:center line:-1
Das sind die Leistungen im Detail,

00:47:32.320 --> 00:47:34.800 align:center line:-1
die Erstattung der Ausbildungsvergütung,

00:47:34.960 --> 00:47:40.760 align:center line:-1
hier sogar bis 100 Prozent.

00:47:40.920 --> 00:47:46.480 align:center line:-2
Also anders als beim Budget für Arbeit
keine Deckelung auf die 75 Prozent.

00:47:47.360 --> 00:47:50.160 align:center line:-2
Die Förderungshöchstdauer
wäre noch ein Punkt,

00:47:50.320 --> 00:47:53.560 align:center line:-2
also natürlich
bis zum Abschluss der Ausbildung.

00:47:53.720 --> 00:47:57.440 align:center line:-1
Dann stellen sich Fragen der Anrechnung.

00:47:57.600 --> 00:48:02.440 align:center line:-2
Mit einem Budget für Ausbildung,
wenn man das durchlaufen hat,

00:48:02.600 --> 00:48:05.760 align:center line:-2
dann würde man,
wenn man doch in der Werkstatt

00:48:05.920 --> 00:48:10.280 align:center line:-1
seinen Teilhabebedarf gedeckt sehen würde,

00:48:10.440 --> 00:48:14.000 align:center line:-2
den Eingangs- und Berufsbildungsbereich
nicht mehr durchlaufen,

00:48:14.160 --> 00:48:18.160 align:center line:-2
sondern würde dann dort
in den Arbeitsbereich überwechseln.

00:48:18.320 --> 00:48:22.960 align:center line:-2
Aber immer mit der Prämisse,
vorrangig andere Leistungen zu prüfen.

00:48:23.120 --> 00:48:28.560 align:center line:-2
Zuständig sind ganz klar die Bundesagentur,
das werden die Hauptanwendungsfälle sein,

00:48:28.720 --> 00:48:32.880 align:center line:-2
gesetzliche Unfall- und Rentenversicherung
und Kriegsopferfürsorge.

00:48:33.040 --> 00:48:37.560 align:center line:-2
Die Integrationsämter können sich hier
wiederum an den Kosten beteiligen.

00:48:40.480 --> 00:48:44.720 align:center line:-2
Hier gilt dasselbe
wie zum Budget für Arbeit gesagt.

00:48:44.880 --> 00:48:47.800 align:center line:-2
Das Budget für Ausbildung
ist eine eigenständige Leistung

00:48:47.960 --> 00:48:49.680 align:center line:-1
zur Teilhabe am Arbeitsleben.

00:48:49.840 --> 00:48:53.400 align:center line:-2
Das kann um weitere Leistungsansprüche
ergänzt werden.

00:48:53.560 --> 00:48:56.760 align:center line:-2
Umso wichtiger
ist die koordinierte Teilhabeplanung,

00:48:56.920 --> 00:49:02.520 align:center line:-2
denn bei den wenigsten Menschen
wird sich der Weg

00:49:02.680 --> 00:49:06.400 align:center line:-2
zu einer langfristigen Teilhabe
am Arbeitsleben

00:49:06.560 --> 00:49:09.320 align:center line:-2
allein über das Budget
für Ausbildung ermöglichen.

00:49:09.480 --> 00:49:11.640 align:center line:-1
Es bedarf meist weiterer Leistungen.

00:49:11.800 --> 00:49:15.600 align:center line:-2
Der Rucksack muss also
durch weitere Leistungen gefüllt werden.

00:49:16.240 --> 00:49:20.480 align:center line:-1
Ist derjenige mit dem Budget für Ausbildung

00:49:20.640 --> 00:49:23.720 align:center line:-1
im Betrieb platziert,

00:49:23.880 --> 00:49:26.840 align:center line:-2
dann gilt
das gesamte Berufsbildungs- und Arbeitsrecht

00:49:27.000 --> 00:49:30.040 align:center line:-1
so wie bei den anderen Auszubildenden auch.

00:49:30.200 --> 00:49:35.720 align:center line:-2
Derjenige oder diejenige wird unterstützt
durch die betrieblichen Interessenvertreter.

00:49:35.880 --> 00:49:39.200 align:center line:-2
Hier gilt im Grunde genommen dasselbe
wie für diejenigen,

00:49:39.360 --> 00:49:42.640 align:center line:-2
die mit einem Budget für Arbeit
im Betrieb sind.

00:49:44.160 --> 00:49:46.760 align:center line:-1
Auch hier stellen sich vergleichbare Fragen

00:49:46.920 --> 00:49:50.040 align:center line:-1
wie beim Budget für Arbeit.

00:49:50.200 --> 00:49:52.200 align:center line:-1
Deshalb überspringe ich das.

00:49:52.360 --> 00:49:56.080 align:center line:-2
Ich will noch einen Blick
auf andere Instrumente werfen.

00:49:56.240 --> 00:50:01.560 align:center line:-2
Hier ist Literatur zum Budget für Ausbildung
mal explizit herausgehoben.

00:50:01.720 --> 00:50:06.840 align:center line:-2
Ich komme zu einem weiteren Feld.
Dazu habe ich nur eine Folie.

00:50:07.000 --> 00:50:11.240 align:center line:-2
Aber auch dieses Feld möchte ich
in den verbleibenden 15 Minuten

00:50:11.400 --> 00:50:14.000 align:center line:-1
zumindest kurz angetippt haben.

00:50:14.160 --> 00:50:17.560 align:center line:-1
Wir haben jetzt viel über Arbeit

00:50:17.720 --> 00:50:22.520 align:center line:-2
in der heutigen Arbeitswelt
am allgemeinen Arbeitsmarkt

00:50:22.680 --> 00:50:25.080 align:center line:-1
durch Sozialleistungen gesprochen.

00:50:25.240 --> 00:50:29.240 align:center line:-2
Und wir haben über den Zugang
zu diesem allgemeinen Arbeitsmarkt

00:50:29.400 --> 00:50:31.520 align:center line:-1
durch Sozialleistungen gesprochen,

00:50:31.680 --> 00:50:34.760 align:center line:-1
insbesondere über das Budget für Ausbildung.

00:50:34.920 --> 00:50:38.240 align:center line:-2
Das Budget für Ausbildung
richtet sich an diejenigen,

00:50:38.400 --> 00:50:42.200 align:center line:-2
die eine betriebliche Ausbildung
absolvieren.

00:50:42.360 --> 00:50:45.360 align:center line:-1
Nun ist es aber heute so,

00:50:45.520 --> 00:50:50.160 align:center line:-1
dass der Anteil des Erwerbszugangs

00:50:50.320 --> 00:50:52.840 align:center line:-1
über eine betriebliche Ausbildung

00:50:53.000 --> 00:50:56.560 align:center line:-2
sich verkleinert
im Verhältnis zu denjenigen,

00:50:56.720 --> 00:51:01.800 align:center line:-2
die über ein Hochschulstudium
Zugang in den Arbeitsmarkt finden.

00:51:02.680 --> 00:51:06.240 align:center line:-2
Hier haben wir noch immer
eine große Versorgungslücke

00:51:06.400 --> 00:51:08.200 align:center line:-1
für beeinträchtigte Menschen.

00:51:08.360 --> 00:51:11.000 align:center line:-1
Also das, was mit dem Budget für Ausbildung

00:51:11.160 --> 00:51:14.560 align:center line:-2
und mit den Unterstützungsleistungen
im SGB III

00:51:14.720 --> 00:51:19.040 align:center line:-2
durch die Bundesagentur
für den Übergang aus der Schule

00:51:19.200 --> 00:51:23.920 align:center line:-2
in die Arbeitswelt geleistet wird,
das haben wir noch nicht so gut gebündelt

00:51:24.080 --> 00:51:29.280 align:center line:-2
für diejenigen, die ihren Erwerbszugang
über ein Hochschulstudium gehen.

00:51:30.400 --> 00:51:32.800 align:center line:-1
Das liegt letztlich auch daran,

00:51:32.960 --> 00:51:37.120 align:center line:-2
dass die Zuständigkeit
für das Bundesteilhabegesetz

00:51:37.280 --> 00:51:39.000 align:center line:-1
beim Bundesgesetzgeber lag,

00:51:39.160 --> 00:51:44.960 align:center line:-2
die Zuständigkeit für Schule
in unserem föderalen Staat,

00:51:45.120 --> 00:51:47.840 align:center line:-2
in unserem föderalen System
bei den Ländern liegt.

00:51:48.000 --> 00:51:52.080 align:center line:-2
Hier haben wir schon allein
aus Gesetzgebungskompetenzen

00:51:52.240 --> 00:51:56.720 align:center line:-1
zusätzliche Abstimmungsherausforderungen.

00:51:56.880 --> 00:51:59.080 align:center line:-1
Wir müssen letztlich sehen,

00:51:59.240 --> 00:52:05.200 align:center line:-2
dass gerade auch im Zuge
einer akademischen Berufsausbildung,

00:52:05.920 --> 00:52:10.640 align:center line:-1
also im Zuge von inklusiven Studiengängen,

00:52:10.800 --> 00:52:14.080 align:center line:-2
dass es dort Menschen
noch viel besser ermöglicht werden muss,

00:52:14.240 --> 00:52:17.120 align:center line:-2
Zugang zum allgemeinen Arbeitsmarkt
zu finden.

00:52:17.280 --> 00:52:21.160 align:center line:-2
Das bedarf noch viel mehr Abstimmung,
auch auf Länderebene.

00:52:21.320 --> 00:52:24.280 align:center line:-1
Hier will ich nur darauf hinweisen,

00:52:24.440 --> 00:52:28.840 align:center line:-2
dass es gerade auch hier
die Zuständigkeit der Bundesagentur ist,

00:52:29.000 --> 00:52:33.960 align:center line:-2
mit Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben
das Hochschulstudium zu unterstützen,

00:52:34.120 --> 00:52:39.320 align:center line:-2
damit darüber dann Zugang in die Erwerbswelt
geschaffen werden kann.

00:52:40.240 --> 00:52:44.640 align:center line:-1
Ja, das war kurz zu diesem Themenkomplex.

00:52:44.800 --> 00:52:48.400 align:center line:-1
Jetzt habe ich noch ein paar Folien.

00:52:48.560 --> 00:52:50.440 align:center line:-1
Wenn es nämlich darum geht,

00:52:50.600 --> 00:52:53.600 align:center line:-2
die neuen Leistungen
zur Teilhabe am Arbeitsleben

00:52:53.760 --> 00:52:57.280 align:center line:-2
genauer in den Blick zu nehmen,
was wir ja gerade gemacht haben,

00:52:57.440 --> 00:52:59.640 align:center line:-1
dann ist es genauso wichtig,

00:52:59.800 --> 00:53:04.120 align:center line:-2
die alten Leistungen zur Teilhabe
am Arbeitsleben nicht zu vergessen.

00:53:04.280 --> 00:53:07.160 align:center line:-1
Dazu dient hier noch mal die Vergewisserung.

00:53:07.320 --> 00:53:13.040 align:center line:-2
Wenn wir nur die unterstützte Beschäftigung,
in § 55 ist die jetzt zu finden,

00:53:13.200 --> 00:53:18.000 align:center line:-2
wenn wir uns die ansehen,
die war bisher in § 38a SGB IX geregelt,

00:53:18.160 --> 00:53:22.240 align:center line:-2
sind das
noch relativ moderne Teilhabeleistungen.

00:53:22.400 --> 00:53:25.800 align:center line:-2
Die hat ja ihre Rechtfertigung
nicht verloren,

00:53:25.960 --> 00:53:29.040 align:center line:-2
nur weil wir jetzt
das Budget für Arbeit haben.

00:53:29.200 --> 00:53:32.360 align:center line:-2
Der Grundsatz
"erst platzieren, dann qualifizieren"

00:53:32.520 --> 00:53:34.840 align:center line:-1
ist nach wie vor ein wichtiger Grundsatz,

00:53:35.000 --> 00:53:40.760 align:center line:-2
um Menschen mit guter Qualifikationsbasis
fit für den Arbeitsmarkt zu machen.

00:53:40.920 --> 00:53:44.520 align:center line:-2
Das Dilemma ist,
das steht am Ende dieser Folie,

00:53:44.680 --> 00:53:47.760 align:center line:-1
das ist auch durch das BTHG nicht beseitigt,

00:53:47.920 --> 00:53:51.840 align:center line:-2
dass wir
nach der innerbetrieblichen Qualifizierung

00:53:52.000 --> 00:53:57.560 align:center line:-2
quasi keine hinreichende Anschlussleistung
für die Berufsbegleitung haben.

00:53:57.720 --> 00:54:00.080 align:center line:-1
Also § 55 Abs. 3.

00:54:00.240 --> 00:54:05.360 align:center line:-2
Hier haben wir
nach wie vor Leistungsdefizite insoweit,

00:54:05.520 --> 00:54:08.480 align:center line:-2
dass die Bundesagentur
dafür nicht zuständig ist.

00:54:08.640 --> 00:54:12.520 align:center line:-2
Das ist ein Dilemma.
Hier besteht Nachbesserungsbedarf.

00:54:12.680 --> 00:54:17.320 align:center line:-2
Aber das hier nur an dieser Stelle
kurz beleuchtet.

00:54:17.480 --> 00:54:22.040 align:center line:-2
Wir schauen uns mal
den § 51 Abs. 2 SGB IX an.

00:54:22.200 --> 00:54:27.040 align:center line:-2
Das ist eine wichtige Vorschrift,
ein wichtiges Mosaiksteinchen,

00:54:27.200 --> 00:54:31.800 align:center line:-2
um den Zugang
zur inklusiven Arbeitswelt zu gestalten.

00:54:31.960 --> 00:54:33.800 align:center line:-2
Werden Leistungen
zur beruflichen Ausbildung

00:54:33.960 --> 00:54:36.120 align:center line:-2
in Einrichtungen
der beruflichen Rehabilitation,

00:54:36.280 --> 00:54:40.400 align:center line:-2
sprich in Berufsbildungs-
oder Berufsförderungswerken ausgeführt,

00:54:40.560 --> 00:54:44.120 align:center line:-2
sollen die Einrichtungen bei Eignung
der behinderten Menschen darauf hinwirken,

00:54:44.280 --> 00:54:48.640 align:center line:-2
dass Teile der Ausbildung auch in Betrieben
und Dienststellen durchgeführt werden.

00:54:48.800 --> 00:54:51.680 align:center line:-1
Das heißt also eine Verzahnung

00:54:51.840 --> 00:54:56.120 align:center line:-2
zwischen Rehabilitationswelt
und echter Arbeitswelt

00:54:56.280 --> 00:54:59.840 align:center line:-1
schon auch während der Rehabilitation,

00:55:00.000 --> 00:55:04.520 align:center line:-2
der beruflichen Aus- und Weiterbildung
in der Rehabilitationseinrichtung.

00:55:04.680 --> 00:55:10.800 align:center line:-2
Und wir brauchen genau diese Verzahnung,
diese verzahnte Ausbildung,

00:55:10.960 --> 00:55:15.360 align:center line:-2
damit es den Menschen leichter fällt,
am allgemeinen Arbeitsmarkt

00:55:15.520 --> 00:55:18.680 align:center line:-1
nach Abschluss der Ausbildung Fuß zu fassen.

00:55:18.920 --> 00:55:21.640 align:center line:-1
Und wie sich so was umsetzen lässt,

00:55:21.800 --> 00:55:25.480 align:center line:-2
hängt natürlich auch davon ab,
wie die Arbeitgeber mitspielen.

00:55:25.640 --> 00:55:29.400 align:center line:-2
Auch hier haben wir
nach wie vor Regulierungslücken,

00:55:29.560 --> 00:55:32.120 align:center line:-1
die auch das BTHG nicht geschlossen hat.

00:55:32.280 --> 00:55:36.120 align:center line:-2
Wir haben zwar
eine Beschäftigungsquote der Arbeitgeber,

00:55:36.280 --> 00:55:41.280 align:center line:-2
denn Arbeitgeber ab einer bestimmten
Betriebsgröße, also ab 20 Arbeitsplätzen,

00:55:41.440 --> 00:55:46.280 align:center line:-2
müssen mindestens 5 %, sprich einen
schwerbehinderten Menschen beschäftigen,

00:55:46.440 --> 00:55:48.480 align:center line:-1
aber wir haben keine solche Quote

00:55:48.640 --> 00:55:53.600 align:center line:-2
zur Ermöglichung von Ausbildung behinderter
oder schwerbehinderter Jugendlicher.

00:55:53.760 --> 00:55:59.120 align:center line:-2
Und deshalb spielen jetzt hier auch wiederum
diejenigen in den Betrieben eine Rolle,

00:55:59.280 --> 00:56:02.600 align:center line:-2
wie hier unten angesprochen,
"Inklusionsvereinbarung",

00:56:02.760 --> 00:56:07.280 align:center line:-2
die im Betrieb solche Selbstverpflichtungen
herbeiführen können,

00:56:07.440 --> 00:56:12.360 align:center line:-2
damit Betriebe dann solche Betriebspraktika
auch tatsächlich anbieten.

00:56:13.800 --> 00:56:18.840 align:center line:-2
Noch nicht angesprochen hatte ich
die anderen Leistungsanbieter, Paragraf 60.

00:56:19.000 --> 00:56:22.080 align:center line:-2
Ich glaube,
das muss ich jetzt relativ kurz machen.

00:56:22.240 --> 00:56:26.480 align:center line:-2
§ 60, auch der wieder einmal hier
im Normwortlaut abgedruckt.

00:56:26.640 --> 00:56:30.400 align:center line:-2
Worum geht's dort?
In § 60 geht es vor allem darum,

00:56:30.560 --> 00:56:33.040 align:center line:-1
hier stichpunktartig zusammengefasst,

00:56:33.200 --> 00:56:37.280 align:center line:-2
dass all das, was bisher
in der Werkstatt erbracht werden könnte,

00:56:37.440 --> 00:56:42.600 align:center line:-2
das heißt sowohl im Eingangs- und
Berufsbildungs- als auch im Arbeitsbereich,

00:56:42.760 --> 00:56:46.800 align:center line:-2
jeweils nach Wunsch und Wahl
der behinderten Menschen

00:56:46.960 --> 00:56:55.680 align:center line:-2
von anderen Leistungserbringern
als den bisher im SGB IX genannten,

00:56:55.840 --> 00:57:00.760 align:center line:-2
sprich von Berufsbildungs-,
Berufsförderungswerken oder -werkstätten,

00:57:00.920 --> 00:57:04.800 align:center line:-2
also von anderen Leistungserbringern
erbracht werden kann.

00:57:04.960 --> 00:57:11.440 align:center line:-2
Diese anderen Leistungsanbieter können sich
also jetzt am Markt zur Verfügung stellen.

00:57:12.000 --> 00:57:15.680 align:center line:-1
Für die gelten bestimmte Qualitätsmaßstäbe.

00:57:15.840 --> 00:57:19.720 align:center line:-2
Die Anforderungen sind also
im Grunde wie in der Werkstatt.

00:57:19.880 --> 00:57:25.040 align:center line:-2
Da wird der Verweis
auf die Werkstattverordnung auch eröffnet.

00:57:25.200 --> 00:57:29.600 align:center line:-2
Aber im § 60 stehen wiederum
auch ein paar Ausnahmen,

00:57:29.760 --> 00:57:34.040 align:center line:-2
die die anderen Leistungsanbieter
nicht erfüllen müssen.

00:57:34.200 --> 00:57:36.320 align:center line:-1
Darauf gehe ich nicht im Detail ein.

00:57:36.480 --> 00:57:40.760 align:center line:-2
Mal sehen, wie da vielleicht auch
die Fragen dann von Ihnen kommen.

00:57:41.720 --> 00:57:43.000 align:center line:-1
Ja...

00:57:44.200 --> 00:57:48.800 align:center line:-2
Ich will ganz kurz noch, wie angekündigt,
diese letzten Punkte ansprechen.

00:57:48.960 --> 00:57:51.240 align:center line:-1
Ohne betriebliche Kooperation,

00:57:51.400 --> 00:57:56.720 align:center line:-2
also ohne Betriebe, die bereit sind, diese
Menschen auch tatsächlich zu beschäftigen,

00:57:56.880 --> 00:57:59.040 align:center line:-1
wird die Überleitung nicht gelingen.

00:57:59.200 --> 00:58:04.360 align:center line:-2
Die Pflicht der Werkstatt, Menschen in
den allgemeinen Arbeitsmarkt überzuleiten,

00:58:04.520 --> 00:58:06.320 align:center line:-1
ist gesetzlich geregelt.

00:58:06.480 --> 00:58:11.200 align:center line:-2
Und korrespondierende Aufnahmepflicht
der Betriebe haben wir so nicht,

00:58:11.360 --> 00:58:15.480 align:center line:-2
sondern wir haben nur, siehe hier unten,
die Beschäftigungspflicht.

00:58:15.640 --> 00:58:18.680 align:center line:-2
Die gilt aber erst
ab einer bestimmten Betriebsgröße

00:58:18.840 --> 00:58:21.880 align:center line:-1
und wird letztlich auch nicht sanktioniert,

00:58:22.040 --> 00:58:25.000 align:center line:-1
sondern, wenn sie nicht erfüllt wird,

00:58:25.160 --> 00:58:30.840 align:center line:-2
allenfalls ansatzweise sanktioniert
durch die Ausgleichsabgabe.

00:58:31.000 --> 00:58:33.720 align:center line:-1
Und wir haben Pflichten der Arbeitgeber:

00:58:33.880 --> 00:58:39.360 align:center line:-2
Sie müssen diese Menschen im Bewerbungs-,
im Einstellungsverfahren berücksichtigen.

00:58:39.520 --> 00:58:44.640 align:center line:-2
Und es gibt den Diskriminierungsschutz durch
das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.

00:58:44.800 --> 00:58:48.000 align:center line:-1
Jetzt sind wir also im Arbeitsrecht.

00:58:48.160 --> 00:58:52.680 align:center line:-2
Das heißt, wir haben zwar
keine ausdrückliche Mitwirkungspflicht,

00:58:52.840 --> 00:58:58.080 align:center line:-2
aber wir haben
den Blumenstrauß der Verfahrenspflichten

00:58:58.240 --> 00:59:00.720 align:center line:-1
zugunsten schwerbehinderter Menschen.

00:59:00.880 --> 00:59:02.640 align:center line:-1
Und wenn wir uns die Pflichten

00:59:02.800 --> 00:59:07.440 align:center line:-2
im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz
zugunsten behinderter Menschen ansehen,

00:59:07.600 --> 00:59:12.200 align:center line:-2
dann haben wir doch Möglichkeiten,
dann haben wir Scharniere,

00:59:12.360 --> 00:59:15.520 align:center line:-2
um das Sozialrecht
auch wirksam werden zu lassen.

00:59:15.680 --> 00:59:20.080 align:center line:-2
Und hier ist ein wichtiges Stichwort:
die Pflicht zu angemessenen Vorkehrungen.

00:59:20.240 --> 00:59:23.200 align:center line:-1
Arbeitgeber können also nicht einfach sagen:

00:59:23.360 --> 00:59:27.120 align:center line:-2
"Ich hab nur Treppen, ich kann
Rollstuhlfahrer nicht beschäftigen."

00:59:27.280 --> 00:59:30.680 align:center line:-2
Um es mal einfach
auf dieses Beispiel zurückzuführen.

00:59:30.840 --> 00:59:34.400 align:center line:-2
Arbeitgeber müssen
angemessene Vorkehrungen treffen,

00:59:34.560 --> 00:59:37.040 align:center line:-1
auch mit Unterstützung von Sozialleistungen.

00:59:37.200 --> 00:59:41.440 align:center line:-2
Das kann in Inklusionsvereinbarungen
konkretisiert werden.

00:59:41.960 --> 00:59:45.920 align:center line:-2
Schwerbehindertenvertretungen
und Betriebsräte haben hier mitzuwirken.

00:59:46.080 --> 00:59:48.480 align:center line:-1
Ich gehe mal schneller durch meine Folien.

00:59:48.640 --> 00:59:50.680 align:center line:-1
Und die Integrationsfachdienste,

00:59:50.840 --> 00:59:54.960 align:center line:-2
dort, wo sie lokal oder regional
gut aufgestellt sind,

00:59:55.120 --> 00:59:57.520 align:center line:-2
was wiederum auch
von den Reha-Trägern abhängt,

00:59:57.680 --> 00:59:59.760 align:center line:-1
alles hängt mit allem zusammen...

00:59:59.920 --> 01:00:02.640 align:center line:-2
Wo Integrationsfachdienste
gut beauftragt werden,

01:00:02.800 --> 01:00:06.080 align:center line:-2
da leisten sie richtig gute Arbeit,
weil sie das Know-how

01:00:06.240 --> 01:00:08.600 align:center line:-1
und die personelle Kompetenz haben.

01:00:08.760 --> 01:00:11.240 align:center line:-1
Und dort können sie Netzwerke aufbauen,

01:00:11.400 --> 01:00:15.440 align:center line:-2
damit die Überleitung in die Betriebe
tatsächlich stattfindet.

01:00:15.600 --> 01:00:17.600 align:center line:-1
So, ich gehe mal kurz...

01:00:18.320 --> 01:00:23.240 align:center line:-2
Ich hatte zur Verknüpfung von Arbeits- und
Sozialrecht ja schon ein paar Sätze gesagt.

01:00:23.400 --> 01:00:28.520 align:center line:-2
Das ist vielleicht ganz gut für die, die für
die Leistungserbringer unterwegs sind.

01:00:28.760 --> 01:00:31.120 align:center line:-1
Man sollte immer auch darauf hinweisen,

01:00:31.280 --> 01:00:34.600 align:center line:-2
dass die Mobilisierung
der Sozialleistungsansprüche

01:00:34.760 --> 01:00:36.880 align:center line:-1
in den Betrieben erfolgen muss,

01:00:37.040 --> 01:00:41.680 align:center line:-2
damit die Arbeitgeber wissen,
dass es hier Sozialleistungsansprüche gibt.

01:00:41.840 --> 01:00:45.040 align:center line:-2
Und das muss
in Verfahren eingebettet werden.

01:00:45.200 --> 01:00:49.800 align:center line:-2
Das betriebliche Eingliederungsmanagement
ist ein solches wichtiges Verfahren,

01:00:49.960 --> 01:00:52.360 align:center line:-1
aber auch die Einstellungsverfahren

01:00:52.520 --> 01:00:56.040 align:center line:-2
mit der Berücksichtigung
der Auswahl schwerbehinderter Menschen.

01:00:56.200 --> 01:00:59.320 align:center line:-1
Das sind schon solche Verfahrensregelungen.

01:00:59.480 --> 01:01:00.760 align:center line:-1
Und Arbeitgeber,

01:01:00.920 --> 01:01:06.280 align:center line:-2
die in diesen Verfahren die verfügbaren
Sozialleistungen nicht berücksichtigen,

01:01:06.440 --> 01:01:10.240 align:center line:-2
riskieren immer den Vorwurf,
dass sie hier diskriminieren,

01:01:10.400 --> 01:01:13.200 align:center line:-1
weil sie angemessene Vorkehrungen versagen.

01:01:14.040 --> 01:01:18.480 align:center line:-2
Hier habe ich Rechtsprechung
des Europäischen Gerichtshofs dokumentiert.

01:01:18.640 --> 01:01:23.120 align:center line:-2
Der macht sich für die Pflicht der
Arbeitgeber zu angemessenen Vorkehrungen

01:01:23.280 --> 01:01:24.800 align:center line:-1
immer wieder stark.

01:01:24.960 --> 01:01:27.120 align:center line:-1
Deshalb ist es mir so wichtig,

01:01:27.280 --> 01:01:33.360 align:center line:-2
dass die Akteure bei den Leistungen zur
Teilhabe am Arbeitsleben wiederum wissen:

01:01:33.520 --> 01:01:38.480 align:center line:-2
Man kann den Arbeitgebern, Betrieben,
Personalverantwortlichen schon sagen:

01:01:38.640 --> 01:01:40.520 align:center line:-1
"Ihr habt auch eine Pflicht."

01:01:40.680 --> 01:01:43.120 align:center line:-1
Das ist zwar nicht ganz...

01:01:43.280 --> 01:01:47.960 align:center line:-2
Kein Rechtssatz verpflichtet Arbeitgeber
zur Umsetzung von Sozialleistungen,

01:01:48.120 --> 01:01:51.520 align:center line:-2
aber es gibt diese Pflicht
zu angemessenen Vorkehrungen

01:01:51.680 --> 01:01:54.720 align:center line:-2
und das Verbot
der behinderungsbedingten Diskriminierung.

01:01:54.880 --> 01:01:58.200 align:center line:-2
Und so spielen die Dinge
dann doch sehr gut zusammen,

01:01:58.440 --> 01:02:00.200 align:center line:-1
wenn man darum weiß.

01:02:00.440 --> 01:02:01.880 align:center line:-1
Okay... Fazit:

01:02:02.040 --> 01:02:07.040 align:center line:-1
Arbeitgeber müssen Sozialleistungen nutzen,

01:02:07.200 --> 01:02:12.120 align:center line:-2
damit in allen Phasen, bei der Bewerbung,
bei der Ausgestaltung und Durchführung,

01:02:12.280 --> 01:02:15.920 align:center line:-2
aber auch der Beendigung von
Ausbildungs- oder Arbeitsverhältnissen

01:02:16.080 --> 01:02:19.280 align:center line:-2
behinderte Menschen
gleichberechtigte Chancen haben.

01:02:19.520 --> 01:02:22.720 align:center line:-2
Diese Verknüpfung
von Arbeits- und Sozialrecht

01:02:23.320 --> 01:02:28.840 align:center line:-2
kann über das Antidiskriminierungsrecht,
wie ich es eben kurz angedeutet habe,

01:02:29.000 --> 01:02:30.680 align:center line:-1
sehr gut gelingen.

01:02:30.840 --> 01:02:34.920 align:center line:-2
Ich möchte Sie jetzt mit dem
betrieblichen Eingliederungsmanagement

01:02:35.080 --> 01:02:37.840 align:center line:-2
kurz in diesen Bereich mitnehmen,
um zu zeigen:

01:02:38.000 --> 01:02:41.000 align:center line:-1
Es bedarf der Verfahren im Betrieb,

01:02:41.160 --> 01:02:45.960 align:center line:-2
mit verschiedenen beteiligten Akteuren,
die sich auch gut auskennen,

01:02:46.120 --> 01:02:49.960 align:center line:-2
um dann die Sozialleistungen
im Betrieb zu mobilisieren.

01:02:50.120 --> 01:02:55.640 align:center line:-2
Das betriebliche Eingliederungsmanagement
steht seit 2004 im Sozialgesetzbuch IX,

01:02:55.800 --> 01:02:58.360 align:center line:-1
heute in der Hausnummer 167.

01:02:58.520 --> 01:03:03.600 align:center line:-2
Das ist eine sehr niederschwellige Regelung.
Die hat nur zwei Voraussetzungen.

01:03:04.680 --> 01:03:11.400 align:center line:-2
Der Mensch muss innerhalb einer Frist
von einem Jahr 42 Tage arbeitsunfähig sein.

01:03:11.560 --> 01:03:16.160 align:center line:-2
Es kann aufaddiert 42 Tage,
also mehrmalige Arbeitsunfähigkeit,

01:03:16.320 --> 01:03:19.760 align:center line:-2
oder auch Arbeitsunfähigkeit am Stück
die Ursache sein.

01:03:19.920 --> 01:03:25.920 align:center line:-2
Das ist egal. In der Summe 42 Tage
innerhalb der zurückliegenden 365 Tage.

01:03:26.480 --> 01:03:32.280 align:center line:-2
Und dann, immer unter der Voraussetzung,
dass der/die Beschäftigte einverstanden ist,

01:03:32.440 --> 01:03:36.680 align:center line:-2
greift die Pflicht des Arbeitgebers
zum kooperativen Suchprozess.

01:03:36.840 --> 01:03:41.120 align:center line:-2
Der Arbeitgeber muss dann
mit dem Betriebsrat, soweit dieser besteht,

01:03:41.280 --> 01:03:46.000 align:center line:-2
und mit dem behinderten oder
mit dem beeinträchtigten Menschen selbst,

01:03:46.160 --> 01:03:48.800 align:center line:-1
das muss nicht amtlich festgestellt sein...

01:03:48.960 --> 01:03:52.200 align:center line:-2
Er muss
mit dem arbeitsunfähigen Menschen selbst

01:03:52.360 --> 01:03:56.440 align:center line:-2
und bei schwerbehinderten Menschen
mit der Schwerbehindertenvertretung

01:03:56.600 --> 01:04:00.640 align:center line:-2
schauen, wie hier die Arbeitsunfähigkeit
überwunden werden kann.

01:04:00.800 --> 01:04:03.560 align:center line:-2
Der Arbeitgeber
ist zu diesem BEM verpflichtet.

01:04:03.720 --> 01:04:09.760 align:center line:-2
Das hat das Bundesarbeitsgericht schon 2007
in seiner Rechtsprechung bestätigt.

01:04:09.920 --> 01:04:15.440 align:center line:-2
Ein Arbeitgeber, der dieses BEM verletzt,
kann sich schadenersatzpflichtig machen.

01:04:15.600 --> 01:04:20.600 align:center line:-2
Und in diesem Suchprozess wird jetzt
das Zusammenspiel zwischen Betrieb

01:04:20.760 --> 01:04:23.160 align:center line:-1
und Sozialleistungsträgern gestärkt.

01:04:23.320 --> 01:04:27.120 align:center line:-1
Denn der Arbeitgeber soll im Rahmen des BEM

01:04:27.960 --> 01:04:31.080 align:center line:-1
bei erkennbarem Rehabilitationsbedarf

01:04:32.120 --> 01:04:35.040 align:center line:-1
die Sozialleistungsträger hinzuziehen.

01:04:35.200 --> 01:04:38.560 align:center line:-2
Und diese Pflicht
ist durch das Bundesteilhabegesetz

01:04:38.720 --> 01:04:42.760 align:center line:-2
noch mal ganz prominent
an den Anfang des SGB IX gezogen worden.

01:04:42.920 --> 01:04:48.080 align:center line:-2
Dort ist das jetzt schon in den Paragrafen
3 und 10 ausdrücklich verankert.

01:04:48.240 --> 01:04:52.200 align:center line:-2
So sollen die Rehabilitationsträger,
wenn die erkennen,

01:04:52.360 --> 01:04:56.720 align:center line:-2
"Hier ist jemand in seinem
Beschäftigungsverhältnis gefährdet",

01:04:56.880 --> 01:04:58.760 align:center line:-1
auf die Arbeitgeber zugehen

01:04:58.920 --> 01:05:02.880 align:center line:-2
und dieses betriebliche
Eingliederungsmanagement initiieren.

01:05:03.040 --> 01:05:06.080 align:center line:-2
Die Bundesarbeitsgemeinschaft
für Rehabilitation

01:05:06.240 --> 01:05:11.680 align:center line:-2
erarbeitet gemeinsame Empfehlungen, auch
zum betrieblichen Eingliederungsmanagement.

01:05:11.840 --> 01:05:16.680 align:center line:-2
Und diese prominente Stellung des BEM
durch das BTHG im SGB IX,

01:05:16.840 --> 01:05:19.760 align:center line:-1
ich habe die Vorschriften hier abgebildet,

01:05:19.920 --> 01:05:26.040 align:center line:-2
zeigt, dass allein mit der Regelung
von materiellen Leistungsansprüchen

01:05:26.520 --> 01:05:29.080 align:center line:-1
die Wirklichkeit nicht besser wird.

01:05:29.240 --> 01:05:33.240 align:center line:-2
Wir brauchen gute Verfahren,
wir brauchen runde Tische,

01:05:33.400 --> 01:05:37.320 align:center line:-2
wo die jeweils kompetenten Verantwortlichen
zusammenkommen,

01:05:37.480 --> 01:05:40.880 align:center line:-2
wo die betroffenen Menschen
auch beteiligt sind,

01:05:41.040 --> 01:05:46.280 align:center line:-2
und wo dann an der konkreten Stelle
in der Lebenswirklichkeit geschaut wird,

01:05:46.440 --> 01:05:51.960 align:center line:-2
welche Teilhabebedarfe hier von wem
geleistet und umgesetzt werden müssen.

01:05:52.120 --> 01:05:55.080 align:center line:-2
Ich erspare mir
das Vorlesen dieser Vorschrift,

01:05:55.240 --> 01:05:58.800 align:center line:-2
aber auch hier geht es immer
um die Sicherung der Erwerbsfähigkeit.

01:05:58.960 --> 01:06:01.560 align:center line:-1
Niemand fragt, ob der Erwerb gemindert ist,

01:06:01.720 --> 01:06:06.120 align:center line:-2
sondern es geht um den Erhalt,
die Sicherung der Erwerbsfähigkeit,

01:06:06.280 --> 01:06:10.040 align:center line:-2
also Prävention
vor Rehabilitation vor Rente.

01:06:10.200 --> 01:06:13.120 align:center line:-1
Das ist ein ganz wichtiges Paradigma.

01:06:13.280 --> 01:06:18.160 align:center line:-2
Und ich spreche ja immer
von Akteuren, die zu beteiligen sind,

01:06:18.320 --> 01:06:22.400 align:center line:-2
und will noch einen letzten Akteur
besonders aufrufen:

01:06:22.560 --> 01:06:25.560 align:center line:-1
die SBV, die Schwerbehindertenvertretung.

01:06:25.720 --> 01:06:29.400 align:center line:-1
Das hat der BTHG-Gesetzgeber 2016

01:06:29.560 --> 01:06:34.160 align:center line:-2
mit den letzten heftigen
parlamentarischen Diskussionen um das BTHG

01:06:34.320 --> 01:06:38.880 align:center line:-1
noch mal ganz besonders diskutiert.

01:06:39.920 --> 01:06:44.360 align:center line:-2
Und in den letzten Zügen
der parlamentarischen Abstimmung

01:06:44.520 --> 01:06:48.160 align:center line:-2
ist das endgültig
in das Gesetz hineingeschrieben worden:

01:06:48.320 --> 01:06:51.760 align:center line:-2
die starke Rolle
der Schwerbehindertenvertretung.

01:06:51.920 --> 01:06:56.520 align:center line:-2
Und das ist auch schon
2016, Anfang 2017 in Kraft getreten.

01:06:57.080 --> 01:06:59.840 align:center line:-1
Vor der Reform des SGB IX insgesamt

01:07:00.000 --> 01:07:04.120 align:center line:-2
sind die Rechte der SBV
deutlich gestärkt worden.

01:07:04.280 --> 01:07:10.640 align:center line:-2
Denn wir brauchen im Betrieb Menschen,
die für beeinträchtigte Menschen handeln,

01:07:10.800 --> 01:07:15.520 align:center line:-2
die deren Interessen kennen,
die deren Bedarfe für sie mitkommunizieren

01:07:15.680 --> 01:07:18.160 align:center line:-1
und hier die Strukturen verbessern.

01:07:18.320 --> 01:07:22.600 align:center line:-2
Also, die SBV als Berater und Helfer
für schwerbehinderte Menschen

01:07:22.760 --> 01:07:27.000 align:center line:-2
unterstützt auch bei Anträgen zur
Feststellung der Schwerbehinderung

01:07:27.160 --> 01:07:32.640 align:center line:-2
und ist die Verbindungsperson
zur Bundesagentur und zum Integrationsamt.

01:07:32.800 --> 01:07:37.680 align:center line:-2
Und damit wird die SBV
auch ein wichtiger Akteur für Menschen,

01:07:37.840 --> 01:07:43.320 align:center line:-2
die nicht schwerbehindert sind, sondern,
ich sage mal, nur einfach behindert.

01:07:43.480 --> 01:07:47.280 align:center line:-2
Durch diese Neuregelung,
das will ich jetzt nicht vertiefen,

01:07:47.440 --> 01:07:49.760 align:center line:-1
das wäre eine extra Veranstaltung,

01:07:49.920 --> 01:07:53.200 align:center line:-2
hat die Schwerbehindertenvertretung
eben auch selbst

01:07:53.360 --> 01:08:00.120 align:center line:-2
bessere Regelungen hinsichtlich ihrer
Zusammensetzung als Interessenvertretung.

01:08:00.280 --> 01:08:05.000 align:center line:-2
Sie hat Stellvertreter,
sie wird freigestellt von Arbeitspflichten,

01:08:05.160 --> 01:08:08.560 align:center line:-2
ihr entstehende Kosten
werden vom Arbeitgeber getragen,

01:08:08.720 --> 01:08:11.440 align:center line:-2
sie hat Fortbildungsansprüche
und dergleichen.

01:08:11.600 --> 01:08:14.800 align:center line:-2
Und jetzt komme ich
auf ein Instrument zurück:

01:08:14.960 --> 01:08:17.560 align:center line:-1
den Abschluss von Inklusionsvereinbarungen.

01:08:17.720 --> 01:08:21.600 align:center line:-2
Im alten Terminus hieß es noch
"Integrationsvereinbarung".

01:08:21.760 --> 01:08:25.120 align:center line:-2
Auch da spielen die SBVs
eine wichtige Rolle.

01:08:25.280 --> 01:08:32.320 align:center line:-2
Und sie sollen möglichst mit dem Arbeitgeber
unter Hinzuziehung der Integrationsämter

01:08:32.480 --> 01:08:35.120 align:center line:-1
Inklusionsvereinbarungen schließen,

01:08:35.280 --> 01:08:40.480 align:center line:-2
die dann zum Beispiel auch die Ausbildung
behinderter Jugendlicher konkretisieren.

01:08:40.640 --> 01:08:44.680 align:center line:-2
Und das wären Verfahrensregelungen,
die am Ende auch

01:08:45.840 --> 01:08:49.960 align:center line:-2
zu einer Regulierung
auf betrieblicher Ebene führen

01:08:50.120 --> 01:08:53.800 align:center line:-2
und die dann wiederum
bis hin zu belastbaren Ansprüchen

01:08:53.960 --> 01:08:57.080 align:center line:-1
für die Menschen im Betrieb führen können.

01:08:57.640 --> 01:09:00.520 align:center line:-1
Genau. Ich komme zum Resümee.

01:09:00.680 --> 01:09:06.440 align:center line:-2
Am Ende werden die neuen Leistungen zur
Teilhabe am Arbeitsleben in der Rechtspraxis

01:09:06.600 --> 01:09:09.600 align:center line:-2
nur ihre gewünschte Wirkung
entfalten können,

01:09:09.760 --> 01:09:14.720 align:center line:-2
wenn die jeweils Verantwortlichen
ihre Verantwortung gemeinsam wahrnehmen:

01:09:14.880 --> 01:09:17.560 align:center line:-1
wenn Integrationsämter und Bundesagentur

01:09:17.720 --> 01:09:20.280 align:center line:-1
sich genau so, wie es im Gesetz steht,

01:09:20.440 --> 01:09:25.240 align:center line:-2
auch für schwer vermittelbare
beeinträchtigte Menschen zuständig fühlen,

01:09:25.400 --> 01:09:29.600 align:center line:-2
wenn die Bundesagentur dazu
mit den Integrationsämtern gemeinsam

01:09:29.760 --> 01:09:33.640 align:center line:-2
Leistungen erbringt,
und wenn in den Betrieben im besten Fall

01:09:33.800 --> 01:09:39.240 align:center line:-2
Inklusionsvereinbarungen getroffen werden,
die solche Leistungen konkretisieren.

01:09:39.400 --> 01:09:44.160 align:center line:-2
Und wir brauchen dazu, jetzt kommt
ein stärkerer Schwenk ins Arbeitsrecht,

01:09:44.320 --> 01:09:46.720 align:center line:-1
auch noch stärker den Betriebsrat.

01:09:46.880 --> 01:09:50.400 align:center line:-2
Und wir brauchen vor allem
die Tarifvertragsparteien,

01:09:50.560 --> 01:09:54.160 align:center line:-2
das heißt die Gewerkschaften,
die Arbeitgeberverbände.

01:09:54.320 --> 01:09:57.720 align:center line:-2
Die müssen genau schauen,
ob ihre Tarifwerke

01:09:57.880 --> 01:10:00.640 align:center line:-1
exkludierende Regelungen enthalten,

01:10:00.800 --> 01:10:06.880 align:center line:-2
oder ob sie selber auch schon
inklusive Leistungen anbieten.

01:10:07.040 --> 01:10:08.920 align:center line:-1
Ich nehme ein Beispiel:

01:10:09.080 --> 01:10:14.760 align:center line:-2
Wenn eine Erwerbsminderungsrente
tatsächlich befristet bewilligt wird,

01:10:14.920 --> 01:10:19.600 align:center line:-2
muss man nicht automatisch
aus seinem Arbeitsverhältnis herausfallen.

01:10:19.760 --> 01:10:23.840 align:center line:-2
Es gibt da absolut exkludierende
Regelungen in Tarifverträgen.

01:10:24.000 --> 01:10:28.880 align:center line:-2
Hier müssen die Tarifvertragsparteien
auch selbst solche Regelungen abschaffen

01:10:29.040 --> 01:10:34.320 align:center line:-2
und die Betriebsräte in den Betrieben die
Schwerbehindertenvertretungen unterstützen,

01:10:34.480 --> 01:10:39.280 align:center line:-2
damit Menschen nicht benachteiligt werden
und Zugang in die Betriebe finden.

01:10:40.080 --> 01:10:45.400 align:center line:-2
Literaturhinweise habe ich beschränkt auf
unser Projekt "Partizipatives Monitoring".

01:10:45.560 --> 01:10:49.760 align:center line:-2
Wir veröffentlichen unsere Ergebnisse unter
www.reha-recht.de

01:10:49.920 --> 01:10:53.680 align:center line:-2
und geben dazu eine Zeitschrift heraus,
hier die Domain,

01:10:53.840 --> 01:10:55.840 align:center line:-1
wo Näheres nachzulesen ist.

01:10:56.000 --> 01:11:00.880 align:center line:-2
Ansonsten wäre ich jetzt am Ende meines
Vortrags und freue mich auf Ihre Fragen.

01:11:01.040 --> 01:11:05.040 align:center line:-2
(Fischer) Vielen Dank, Frau Dr. Nebe,
für den sehr interessanten Vortrag

01:11:05.200 --> 01:11:10.120 align:center line:-2
und für den Überblick über die Instrumente
zur Teilhabe am Arbeitsleben,

01:11:10.280 --> 01:11:15.240 align:center line:-2
die ja nicht unumstritten sind, was Sie
in Ihrem Vortrag gut dargestellt haben.

01:11:15.400 --> 01:11:20.040 align:center line:-2
Und deshalb freuen wir uns umso mehr
auf die Fragen der Teilnehmenden.

01:11:20.200 --> 01:11:22.480 align:center line:-1
Daher hier noch mal die Daten.

01:11:22.640 --> 01:11:26.520 align:center line:-2
Also, wenn Sie Fragen haben
und mitgeschrieben haben,

01:11:26.680 --> 01:11:33.200 align:center line:-2
bitte senden Sie mir eine E-Mail an
fischer@umsetzungsbegleitung-bthg.de.

01:11:33.360 --> 01:11:40.640 align:center line:-2
Wir freuen uns über jede Frage, die uns
bis zum 27. September um 18 Uhr erreicht.

01:11:42.080 --> 01:11:46.280 align:center line:-2
Wenn Sie bis dahin Fragen stellen,
können wir uns darauf vorbereiten.

01:11:46.440 --> 01:11:52.080 align:center line:-2
Natürlich werden wir am 29.09.
auch noch live Fragen aufnehmen.

01:11:52.240 --> 01:11:57.440 align:center line:-2
Dennoch wären wir sehr glücklich,
wenn Sie uns Fragen vorab schicken könnten.

01:11:57.600 --> 01:12:01.840 align:center line:-2
Gut, dann würde ich sagen,
ich freue mich auf den 29.09.,

01:12:02.000 --> 01:12:06.280 align:center line:-2
bedanke mich noch mal bei Frau Nebe,
und alles Gute bis dahin.