Bedarfsermittlungsinstrument Baden-Württemberg

27. Juli 2018

Bedarfsermittlungsinstrument Baden-Württemberg

Das Land Baden-Württemberg hat zwischen Juli 2017 und Mai 2018 ein neues Bedarfsermittlungsinstrument erarbeitet, das nun zur Erprobung freigegeben wurde.

Entwicklung des Bedarfsermittlungsinstruments

Zur Entwicklung des Bedarfsermittlungsinstruments wurde im Juli 2017 eine Arbeitsgruppe mit Vertreter/innen der Leistungsträger, Leistungserbringer und Menschen mit Behinderungen eingerichtet. Die Entwicklung des Instruments erfolgte durch transfer – Unternehmen für soziale Innovation in einem Beteiligungsprozess mit den Mitgliedern der Arbeitsgruppe. Ziel war die Entwicklung eines landesweit einheitlichen Bedarfsermittlungsinstruments in Baden-Württemberg, das den Regelungen des BTHG entspricht.

Bestandteile und Inhalt des Instruments

Das Bedarfsermittlungsinstrument besteht aus drei Bögen (Basisbogen, Dialog- und Erhebungsbogen, Bogen zur Ermittlung des Hilfebedarfs). Wesentliche Bestandteile des Instruments sind u. a.

  • eine medizinische Stellungnahme zum Vorliegen der Beeinträchtigungen der Körperfunktionen nach ICF,
  • die Erhebung der Wünsche und Leitziele des Menschen mit Behinderungen im Kontrast mit der derzeitigen Lebenssituation,
  • die Beschreibung der Leistungsfähigkeit in den neun Lebensbereichen der ICF,
  • die Beschreibung von förderlichen und hinderlichen Umweltfaktoren sowie von personbezogenen Faktoren im Sinne der ICF.

Die Beschreibungen sollen jeweils das Ergebnis eines Dialogs des Menschen mit Behinderungen und Fachkräften sein, wobei die Sichtweise der betroffenen Person erkennbar sein muss. Im Anschluss werden die Leistungsfähigkeit und Kontextfaktoren tabellarisch zusammengefasst, um aus deren Wechselwirkungen in Verbindung mit der Handlungsbereitschaft des betroffenen Menschen Rückschlüsse auf die Teilhabeeinschränkungen zu erhalten. Zum Abschluss der Bedarfsermittlung werden Ziele im Hinblick auf die Wünsche und Leitziele der berechtigten Person in den neun Lebensbereichen der ICF aufgestellt und die zur Erreichung dieser Ziele ausreichenden, geeigneten und erforderlichen sächlichen oder technischen Hilfen aufgeführt bzw. personellen Hilfen in Umfang und Inhalt konkret beschrieben.

Bedeutung des Instruments im Rahmen der Umsetzung des BTHG

Das neu entwickelte Instrument soll dazu dienen, den Fokus der Bedarfsermittlung auf die leistungsberechtigte Person zu legen und damit zum Paradigmenwechsel von fürsorgeorientierten institutionellen hin zu personenzentrierten Leistungen beizutragen. Das bisher in Baden-Württemberg angewendete Verfahren, das die Feststellung von Hilfebedarfsgruppen in den Formen des stationär betreuten Wohnens beinhaltete, wird damit durch ein Instrument abgelöst, durch das die Teilhabeziele ermittelt werden können, um den gesamten Bedarf der Leistungen zur Teilhabe in den neun Lebensbereichen der ICF zu erfassen. Im Bericht der baden-württembergischen Landesregierung an den Landtag von Baden-Württemberg vom 29. Mai 2018 (Drucksache 16/4191 (PDF-Dokument)) wird zudem hervorgehoben, dass das neue Instrument den Kriterien der Voruntersuchung als Entscheidungsgrundlage zur Entwicklung eines Instruments zur Ermittlung des Bedarfs im Rahmen der Umsetzung des Bundesteilhabegesetzes im Land Berlin entspreche.

 

Für das erarbeitete Instrument erfolgt nun eine sechsmonatige Erprobungsphase. Ziel ist es, Anfang 2019 in die landesweite Anwendung des Bedarfsermittlungsinstruments einzutreten.

Materialien zum Download

Bedarfsermittlungsinstrument Baden-Württemberg

Stand: Mai 2018

Materialien zum Download

Bedarfsermittlungsinstrument Kinder und Jugendliche Baden-Württemberg

Stand: Mai 2018

Materialien zum Download

Handbuch

Stand: Mai 2018